27.03.2014 15:20
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Fleischmarkt
Fleischkonsum steigt leicht an – Inlandanteil sinkt
Die Einwohner der Schweiz essen wieder mehr Fleisch. Der Konsum stieg 2013 leicht um 0,4 Prozent auf knapp 52 Kilogramm pro Person. Fast die Hälfte davon war Schweinefleisch, gefolgt von Rind und Geflügel. Die Inlandproduktion reduzierte sich um über 1 Prozent, der Inlandanteil fiel auf unter 80 Prozent. Da die Anzahl Schlachtkühe massiv gesunken ist, erhöhten sich die Rindfleischimporte deutlich.

Vorweg die gute Nachricht: Der Fleischkonsum in der Schweiz nahm  leicht zu. Pro Kopf wurde 2013 51,98 Kilo Fleisch gegessen, dies entspricht einer Zunahme von 190 Gramm. „Da die Schweiz 2013 mit rund 8‘210‘000 Personen etwa ein Prozent mehr Einwohner zählte als 2012, stieg der gesamte Konsum um 1,4% auf 426‘771 Tonnen verkaufsfertiges Fleisch“, schreibt die Branchenorganisation Proviande am Donnerstag in einer Mitteilung.

Die Inlandproduktion (-1,3% auf 339‘442 t) ist aber gesunken und wurde durch deutlich mehr Importe (+8,8 auf 97‘000 t) aufgefangen. Der Inlandanteil fiel deswegen um 2,1 Prozent auf 79,2 Prozent. Die Importe von Fisch und Krustentieren ist bei den oben genannten Zahlen nicht miteingerechnet.

Mehr Rindfleisch konsumiert

Wie in den vergangenen Jahren wird in der Schweiz am meisten Schweinefleisch verzehrt. Der Konsum pro Kopf reduzierte sich leicht um 0,4 Prozent auf 23,46 Kilo. Der Gesamtkonsum erhöhte sich um 0,5 Prozent 192‘612 Tonnen. Auf Rang 2 folgt wieder das Rindfleisch. Dieses konnte das Geflügelfleisch auf der Beliebtheitsskala überholen. Der Pro-Kopf-Konsum bei Rind (+3,9% auf 11,5 kg) und Geflügel (+0,9% auf 11,42 kg) sowie der Gesamtkonsum (Rind: +4,9% auf 94‘447 t; Geflügel: +1,9% auf 93‘792 t) stiegen an. Ebenfalls mehr gegessen wurden Kaninchen und Wild. Die grösste Zunahme wurde 2013 bei Fisch und Krustentieren gemessen. Der Konsum pro Kopf erhöhte sich um 6% auf 9,08 kg.

Es gibt aber auch Verlierer. Das Kalbfleisch sank 2013 in der Gunst der Konsumenten. Der Konsum total (-2,6% auf 24‘806 t) und pro Kopf (-3,6% auf 3,02 kg) nahm ab. Ebenfalls reduziert hat sich der Verzehr von Schaf- und Lammfleisch. Deutlich vermindert hat sich der Pferdefleischkonsum. Hier dürfte die unschönen Bilder aus den Mastanlagen in Übersee ihre Spuren hinterlassen haben. Aus Sicht von Proviande-Direktor Heinrich Bucher waren die Pferdefleisch-Skandale im vergangenen Jahr einer der Hauptgründe für der Rückgang, wie er auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte. In mehreren europäischen Ländern war Pferdefleisch falsch deklariert und als Rindfleisch verkauft worden.

Nur beim Geflügel höhere Inlandproduktion

Der Inlandanteil am insgesamt in der Schweiz konsumierten Fleisch ging fast bei sämtlichen Tierkategorien leicht zurück und betrug noch 79,2% (-2,1%). Positiv entwickelte sich die Geflügelfleischproduktion. Obschon der Inlandanteil bereits seit 2008 jährlich anstieg, erhöhte sich dieser 2013 nochmals und lag bei 54,4%. Insgesamt wurden in der Schweiz über 51‘000 Tonnen Geflügelfleisch produziert. Minim erhöht hat sich die inländische Wildproduktion.

Die höchsten Inlandanteile weist das Kalbfleisch (97,6%)- und Schweinefleisch (93,5%) auf. Beim Kalb sank der Anteile im Vergleich zu 2012 minimal (-0,1%), beim Schwein deutlich (-3,4%). Die tieferen Inlandanteile sind gekoppelt mit einer sinkenden Inlandproduktion. Beim Kalb sank diese um 2,8% auf 24‘200 Tonnen, beim Schwein um 3 Prozent auf 180‘144 Tonnen. Beim Schwein erhöhten sich die Importe 2013 um 50 Prozent auf 14‘406 Tonnen.

Rindfleischimporte nahmen deutlich zu

Sinkend ist auch die Inlandversorgung beim Rindfleisch. Die Produktion im Inland reduzierte sich um 0,3 Prozent auf 75‘779 Tonnen. Wegen des tiefen Milchpreises hielten Schweizer Bauern weniger Milchkühe, schreibt Proviande. Dadurch sinken auch der Kälberbestand und damit die Rindfleischproduktion. Insbesondere beim Verarbeitungsfleisch (Kühe) hat sich die Situation verschärft. Das inländische Angebot die Nachfrage nicht mehr befriedigen können, wurden die fehlenden Mengen mit Importen abgedeckt. Diese stiegen in diesem Segment denn auch um 22,8 Prozent auf 22‘977 Tonnen. Entsprechend sank im Berichtsjahr der Inlandanteil um über vier Prozent auf 80,2%.

Rückläufig bleibt die einheimische Produktion von Schaf- und Lammfleisch. Diese sank um 4,2 Prozent auf 3‘637 Tonnen. Der Inlandanteil reduzierte sich um 0,9% auf 38,4%. Beim Pferdefleisch wird nur 8,6 Prozent in der Schweiz produziert. Die Produktion fiel um über 12 Prozent.

Insgesamt wurden in der Schweiz 337‘863 Tonnen verkaufsfertiges Fleisch produziert (ohne Fische und Krustentiere). Das sind 1,3% weniger als im Vorjahr.

Höhere Produzentenpreise

Die durchschnittlichen Produzentenpreise haben sich 2013 im Vergleich zum Vorjahr in sämtlichen Kategorien positiv entwickelt. In der Kategorie Schwein stieg der Preis pro Kilo Schlachtgewicht (SG) um 1,03 Fr. auf 4,48 Fr. Eine deutliche Erhöhung erfuhren auch Schlachtkuhpreise (T3). Diese steigen 54 Rp. auf durchschnittlich 6,82 Fr./kg SG. Die tiefere Anzahl Kühe schlug bei den Preisen durch. Ebenfalls höhere Preise wurden bei Kälbern (T3) bezahlt. Diese stiegen um 30 Rp. auf 13,90 Fr./kg SG. Bei den Lämmern betrug das Plus 51 Rappen, der durchschnittliche Produzentenpreis lag 2013 bei 11,22 Fr./kg SG.

Die geringste Erhöhung erfuhren die Munipreise (T3). Diesen stiegen zwar um 0,08 Rp. auf 8,51 Fr./kg SG. Munimäster kritisieren denn auch die massiven Importmengen von Schlachtkuhhälften. Die Branche habe auf Kosten der Rindermäster den Preis für Banktiere gedrückt. Die vergangenen Monate hätten gezeigt, dass die Importe über den Bedarf gelegen haben. Die Bankviehproduzenten hätten dadurch erhebliche Einkommenseinbussen verkraften müssen, teilte deren Verband mit.

Fleisch wird mehr auswärts konsumiert

Die Statistik der Proviande berücksichtigt nur das in der Schweiz verkaufte Fleisch. (Inlandproduktion plus Importe abzüglich Exporte). Einkäufe im Ausland finden keinen Eingang in die Statistik. Wegen des Einkaufstourismus dürfte der effektive Fleischkonsum noch höher liegen. Gemäss einer vom Marktforschungsinstitut GfK durchgeführten Studie nahmen die Auslandeinkäufe in der Kategorie Fleisch, Fisch und Charcuterie 2013 erneut um 4,7% oder um rund 25 Mio. Franken zu und betrugen 560 Mio. Franken.

Wie Proviande weiter schreibt, wurde Fleisch vermehrt ausser Haus gegessen. „Die Tatsache, dass der Fleischabsatz im Detailhandel um etwa 4‘500 Tonnen abgenommen hat und der Konsum in den Privathaushalten um rund 2% zurückgegangen ist, lässt darauf schliessen, dass deutlich mehr Fleisch ausser Haus gegessen wurde als im Vorjahr“, hält die Branchenorganisation fest.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE