14.04.2016 09:42
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Milchmarkt
Folgt auf «Nomiba» nun «Zaarenmilch»?
Am Mittwoch in einer Woche stimmen die Mitglieder der Miba und der Nordostmilch über eine Fusion ihrer Organisationen zur neuen Nomiba ab. Es könnte sein, dass bald noch andere Organisationen zusammengehen.

Die Produzentenorganisationen Miba und Nordostmilch. Am Mittwoch stimmen ihre Delegierten beziehungsweise ihre Aktionäre über die Fusion zur neuen Nomiba ab. Dieses Vorhaben stösst bei den Verbänden auf sehr viel Wohlwollen, wie es am Dienstag an der Delegiertenversammlung der Präsident der Schweizer Milchproduzenten (SMP) Hanspeter Kern zum Ausdruck brachte.

SMP wollen Fusionen

Die SMP seien angewiesen auf starke Organisationen. Je besser die Verhandlungsposition der Milchhandelsorganisationen sei, umso bessere Resultate würden erzielt. «Ich bin überzeugt, dass wir gerade in denjenigen Regionen, in denen die Situation besonders schwierig ist und die Milchkäufer nicht besonders gut aufgestellt sind, besser zusammenarbeiten müssen. Ich unterstütze in diesem Sinne Vorhaben wie die Fusion der Miba und Nordostmilch sehr», so Kern.

Das mache betriebswirtschaftlich Sinn, gebe aber eben auch verbands- und verhandlungspolitisch starke Signale. «Ich fordere auch die Organisationen in den anderen Regionen auf, Überlegungen in diese Richtung zu machen», wurde Kern recht deutlich. Doch sind weitere Fusionen realistisch? Auf den ersten Blick drängen sich weitere Fusionen geradezu auf.

Viele Milchhandelsorganisationen

Noch immer stehen den paar wenigen grossen Molkereien und Detailhändlern relativ viele Milchhandelsorganisationen gegenüber. Auch nach der Fusion von Miba und Nordostmilch zur neuen Nummer 1 im Schweizer Milchmarkt bleibt über ein Dutzend Organisationen übrig, welche sich mit Milchkauf beschäftigen. 

Die ZMP als bisherige Nummer 1 handeln 375 Mio. kg. Die Aaremilch wird mit rund 240 Mio. kg Nummer 3. Weitere grosse Erstmilchkäufer sind die Prolait, die Cremo-Direktlieferanten (APLC), die PO Ostschweiz (Arnold) sowie die Emmi-Direktlieferanten Mimo, Bemo und Zenoos. Dazu kommen Direktlieferanten der Elsa oder von Hochdorf.

Organisationsform

Bei den Organisationsformen liegt aber eines der grossen Hindernisse für weitere Fusionen. Denn die von der Politik beim Ausstieg aus der Milchkontingentierung gewollte Weichenstellung, gleichzeitig Produzenten (PO)- und Produzenten-Milchverwerter-Organisation (PMO) zuzulassen, erschwert oder verhindert gar weitere Fusionen. Dabei unterhält allein die Emmi drei Direktlieferanten-Organisationen (Bemo, Mimo und Zenoos).

Doch die Molkereien haben kaum ein Interesse daran, dass ihre PMO mit anderen Organisationen zusammengehen, zumal diese ja eventuell dann auch an andere Molkereien liefern würden. Weder von den drei Emmi-Direktlieferanten noch von den Cremo-, Elsa- oder Hochdorf-Direktlieferanten ist deshalb eine Bereitschaft zur Zusammenarbeit zu erwarten. Neben den fusionierten Miba und Nordostmilch verbleiben aber weitere grosse PO. Darunter etwa auch die PO Ostschweiz von Milchhändler Walter Arnold. Doch auch dieser ist kaum bereit, sich beim Milchgeschäft mit jemandem zusammenzutun. Auch die Westschweizer Organisation Prolait ist in einer isolierten und daher schwierigen Situation.

Strategische Vereinbarung

Aber was ist mit den neuen Nummern 2 und 3, den ZMP und der Aaremilch? Beide arbeiten schon heute teilweise zusammen. «Mit der Aaremilch arbeiten wir schon länger enger zusammen, insbesondere bei Transport/Logistik, Milchabtausch», sagt denn auch ZMP-Sprecherin Carol Aschwanden. Ob eine noch weiter gehende Zusammenarbeit bis hin zur Fusion denkbar sei, will sie nicht kommentieren. Etwas anders tönt es bei Christian von Känel, Präsident der Aaremilch. 

Die Aaremilch arbeite sehr eng mit anderen PO zusammen, auch mit der Nordostmilch und der Miba. Diese Zusammenarbeit werde auch mit der neuen Organisation weitergeführt. «Parallel dazu hat die Aaremilch mit den ZMP die Zusammenarbeit intensiviert und in einer strategischen Vereinbarung festgehalten», lässt er sich dann doch entlocken. Man darf gespannt sein, in was diese strategische Vereinbarung mündet – vielleicht in eine Fusion mit dem Namen «Zaarenmilch»?

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