5.02.2015 11:45
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Konjunktur
Frankenschock: Konsumentenstimmung sinkt
Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses hat die Stimmung der Schweizer Konsumenten verschlechtert. Dies zeigt eine am Donnerstag veröffentlichte Umfrage des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO).

Der Gesamtindex der Konsumentenstimmung sei im Januar gegenüber der letzten Umfrage von Oktober zwar von -11 auf -6 Punkte gestiegen. Drei Viertel der Befragungen wurden allerdings vor dem Entscheid der Schweizerischen Nationalbank (SNB) vom 15. Januar, den Euro-Mindestkurs abzuschaffen, durchgeführt. Hier erreichte der Stimmungsindex eine Verbesserung auf -3 Punkte.

Zäsur nach dem 15. Januar

Bei den Befragungen ab dem 15. Januar stellte das SECO hingegen eine Verschlechterung auf -17 Punkte fest. Die grössten Unterschiede gab es bei den Antworten zu den zukünftigen Wirtschaftsaussichten und der Preisentwicklung. Auch die Frage, ob momentan ein guter Zeitpunkt für grössere Anschaffungen sei, wurde nach dem Entscheid der SNB als schlechter beurteilt.

Nicht vom Mindestkurs-Ende beeinflusst schienen hingegen die Einschätzung der finanziellen Situation der Haushalte sowie die Erwartungen, sofort oder in den kommenden Monaten Geld auf die Seite legen zu können, wie das SECO mitteilte. Das Staatssekretariat erhebt den Index vierteljährlich durch eine Umfrage bei rund 1200 Haushalten.

Entwicklung der Wechselkurse abwarten

Während sich die Konsumenten verunsichert zeigen, ist für die Konjunkturexperten des Bundes das Ausmass einer möglichen Konjunkturabkühlung derzeit noch schwierig abzuschätzen. Würde sich der Euro-Kurs wieder in Richtung von 1,20 Fr. bewegen oder etwas darunter zu liegen kommen, könnten die Bremseffekte laut der Expertengruppe im Sinne einer Konjunkturdelle «relativ eng begrenzt bleiben».

Würde hingegen der Franken gegenüber dem Euro für mehrere Monate unter die Parität fallen und auch gegenüber anderen Währungen wie dem US-Dollar auf dem aktuell hohen Niveau verharren, wäre dies ein markanter Aufwertungsschock, schreibt die Expertengruppe des Bundes in einem Communiqué vom Donnerstag. Dies würde «mit hoher Wahrscheinlichkeit» zu sinkenden Exporten führen und dann auch die Binnenwirtschaft schwächen und die Arbeitslosigkeit erhöhen.

Auch Rezession möglich

Als Folge davon wäre laut der Expertengruppe mindestens für dieses und nächstes Jahr mit einem stark abgebremsten Wachstum des Bruttoinlandproduktes (BIP) zu rechnen. Das Wachstum würde höchstens noch knapp im positiven Bereich liegen. «Auch ein Rückgang des BIP wäre unter diesem Szenario denkbar», hiess es.

Im Dezember war die Expertengruppe noch von einem BIP-Wachstum von 2,1 Prozent im Jahr 2015 und von 2,4 Prozent im Jahr 2016, sowie von einem leichten Rückgang der Arbeitslosigkeit ausgegangen.

Die Expertengruppe verweist darauf, dass die in den letzten Tagen von verschiedenen Instituten publizierten Konjunkturprognosen ein sehr uneinheitliches Bild zeigten. So reichten die Erwartungen für das BIP-Wachstum im laufenden Jahr von -0,5 bis knapp +1 Prozent. Die Expertengruppe will nun am 19. März eine umfassende Einschätzung der Wirtschaftslage und der Aussichten publizieren.

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