17.05.2018 06:01
Quelle: schweizerbauer.ch - lid
Handel
Freihandel und Pflanzenschutz
An der 18. Generalversammlung von Swisscofel in Bern waren Agrarpolitik und Freihandel dominierende Themen. Auch die Diskussion rund um den Pflanzenschutz beschäftigt die Branche.

Swisscofel ist der Verband des Schweizerischen Früchte-, Gemüse- und Kartoffelhandels. Die rund 170 Mitglieder sind im Bereich Gross- und Detailhandel, Import und branchenverwandten Bereichen tätig und erwirtschaften mit Früchten, Gemüse und Kartoffeln jährlich einen Umsatz von rund 4 Mia. Franken.

Swisscofel-Präsident Jacques Blondin ging in seiner Rede auf die Gesamtschau des Bundesrats zur Agrarpolitik ein. Man könne verstehen, dass die Schweiz multi- und bilaterale Abkommen schliessen wolle, so Blondin. Jedoch erstaunten die Strategie und die Eile von Bundesrat Johann Schneider-Ammann, der die Landwirtschaft als Wechselgeld benutze. 

Einzige protektionistische Massnahme

Blondin sprach sich für das aktuelle System der Importbewirtschaftung von Früchten, Gemüse und Kartoffeln aus. "Es ist die einzige protektionistische Massnahme, die wir haben. Ohne sie ist die Inlandproduktion von Früchten, Gemüse und Kartoffeln langfristig zum Scheitern verurteilt", sagte der Swisscofel-Präsident. 

Auch Geschäftsführer Marc Wermelinger sprach in seiner Rede die Gesamtschau an. Der Bericht erwähne mit keinem Wort, dass es den Grenzschutz brauche, weil nicht nur die Schweizer Landwirtschaft, sondern auch die vor- und nachgelagerten Stufen höhere Kosten hätten, so Wermelinger. Konkurrenzfähig werde man nicht durch den Wegfall von Zöllen, die in der Branche ja sowieso nur ausnahmsweise zur Anwendung gelangten. Laut Wermelinger gäbe es mehr Konkurrenzfähigkeit, wenn unter anderem die Schweiz vergleichbare Fördermassnahmen einführen würde, wie sie die EU den nachgelagerten Stufen zukommen lässt oder wenn für Anbau, Verarbeitung und Vermarktung dieselben Investitionskredite wie in der EU bezahlt würden. 

Verhandeln heisst nicht alles zu akzeptieren

Ein weiterer Punkt ist laut Wermelinger die Vermarktung von Mehrwerten. Es brauche erkennbare und erklärbare Mehrwerte, welche die Konsumenten verstehen würden und für welche sie einen höheren Preise zu bezahlen bereit wären, so Wermelinger. Bezüglich Freihandel ging Wermelinger konkret auf Mercosur und die kürzlich getätigte Reise von Bundesrat Schneider-Ammann mit einer Delegation ein. 

Es sei erfreulich und eben typisch schweizerisch, dass sich diese Leute nicht stur an Vorurteile über die vermeintlich schlechten Produktionsmethoden in diesen Ländern klammerten, so Wermelinger. Mit der Reise habe die Delegation erfahren können, dass es den Mercosur-Staaten nicht darum gehe, die Schweizer Landwirtschaft platt zu machen, sondern darum, die gegenseitigen Handelsbeziehungen nachhaltig auszubauen. "Verhandeln heisst erklären und zuhören. Es heisst aber nicht, alles zu akzeptieren", so Wermelinger. Wer das Gespräch verweigere und es ablehne zu verhandeln, bleibe draussen stehen und verliere so garantiert.

Pflanzenschutz-Initiativen als Herausforderung 

Ein wichtiges Thema für die Branche sind die beiden Pflanzenschutz-Initiativen. Jacques Blondin regte dazu an, die Kommunikation zu überdenken. Grosse Teile der Bevölkerung hätten ein Bild und ein Empfinden, das nicht mit der Wirklichkeit übereinstimme. "Es ist hart festzustellen, dass unsere Kommunikation zu den Konsumenten nicht funktioniert", so Blondin. 

Man habe zwar Werbung für die Produkte gemacht. "Aber wir haben nicht über unsere Arbeit kommuniziert und wie wir sie tun." Man vergesse jeweils, die erreichten Verbesserungen in Bezug auf Qualität der Produkte und die Umwelt und Ökologie zu kommunizieren, sagt der Swisscofel-Präsident weiter. Für Blondin ist es zentral, dies zu korrigieren und die Kontrolle über die Kommunikation wieder zu erlangen. 

Wechsel im Vorstand 

Im Vorstand von Swisscofel kommt es zu zwei Wechseln. Für den zurückgetretenen Christian Sohm wurde Rahel Bonny von der Terraviva AG als Vertreterin des Biohandels gewählt. Der Sitz des zurückgetretenen Alt Nationalrats Yannick Buttet bleibt derzeit vakant. Die statutarischen Geschäfte gingen allesamt einstimmig und ohne Diskussionen über die Bühne. Swisscofel ist der Verband des Früchte-, Gemüse- und Kartoffel-Handels in der Schweiz. Die Organisation hat rund 160 Mitglieder.

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