7.04.2017 18:02
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Käse
Fromarte feiert 100-Jahr-Jubiläum
Fromarte, der Verband der gewerblichen Käser, feierte in Bern sein 100-Jahr-Jubiläum. Als Ehrengast trat Bundesrat Johann Schneider-Ammann auf. Er lobte die Käsebranche, sprach aber auch die Marktanteilsverluste an.

«Ich freue mich sehr, hier zu sein. Es ist eine hochgeschätzte Umgebung, der Käse ein hochgeschätztes Produkt.» So begann Bundesrat Johann Schneider-Ammann seine Grussbotschaft an der Fromarte-Jubiläumsfeier in Bern.

Wichtiger Imageträger

Dann spielte er auf seine missglückte Video-Botschaft zum Tag der Kranken 2016 an, seither sei sein Label ja: «Rire, c’est bon pour la santé.» Heute aber sage er: «Le fromage est encore meilleur pour la santé.» (Noch besser als Lachen sei Käse für die Gesundheit). Der Schulterschluss der Akteure im Jahr 1917 zur heutigen Fromarte (vgl. Kasten) habe entscheidend dazu beigetragen, dass der Käse zu einem wichtigen Imageträger unseres Landes aufgestiegen sei, betonte der Bundesrat.

Erst kürzlich habe er eine ausländische Delegation in Wynigen BE zu einem Fondue aus Emmentaler AOP, Appenzeller und Vacherin fribourgeois AOP gebeten, und schon vor dem Digéstif sei der zwischenmenschliche Kitt hergestellt gewesen. Überhaupt, die Schweiz sei ein Käseland.

Marktanteile verloren

Dann aber sprach Johann Schneider-Ammann den aktuellen Schatten über der Schweizer Milchwirtschaft an: Sie verliere Marktanteile, und zwar insbesondere die Käsewirtschaft. Diese Tendenz müsse unbedingt korrigiert werden, es brauche eine mutige Branche, welche sich an den Erwartungen der in- und ausländischen Konsumenten ausrichte und die Spitzenprodukte erfolgreich verkaufe, so der Bundesrat.

Zuvor hatte Fromarte-Direktor Jacques Gygax zum Käsefreihandel mit der EU, der seit 2007 besteht, eine mengen- und wertmässige positive Exportbilanz gezogen. Unter der Planwirtschaft von 1917 bis 1999 sei es ja vergleichsweise einfach gewesen. «Jetzt müssen wir die Konsumenten überzeugen, dass unser Käse gut ist und den Preis wert ist.»

Geschichten verkaufen

Gygax rühmte sich der Eigenverantwortung, welche die Käser wahrnähmen, um dann dem anwesenden Bundesrat in Erinnerung zu rufen, wo man überall den Staat brauche: Gelder für Verkäsungszulage, Siloverzichtszulage, Absatzförderung, Milch- und Käseforschung plus staatlicher Flankenschutz bei der Mengensteuerung für AOP-Käse und Fälschungsbekämpfung. Gygax möchte auch die Preisunterbietung zwischen Käsehändlern eindämmen – was sicher auch im Interesse der Milchproduzenten wäre, was aber nicht zu einem freien Markt gehört.

Grusswort Kern

Hanspeter Kern, Präsident der Schweizer Milchproduzenten (SMP), betonte in seinem Grusswort: «Der Käse ist für die gesamte Schweizer Milchwirtschaft sehr wichtig.» Er sei das wertschöpfungsstärkste Produkt und ermögliche auch «gute und anständige Milchpreise für die Bauern». Auch wenn man naturgemäss das Heu nicht immer auf der gleichen Bühne habe, so halte man zusammen, wenn es darauf ankomme, und halte das Spitzenprodukt im Auge. Als Geschenk der SMP überreichte Kern ein Bild des Künstlers Ted Scapa, das die Milchkühe als Fundament der ganzen Milchwirtschaft in Szene setzt. sal

Fromarte-Präsident Hans Aschwanden hatte einleitend betont, dass sich zwei Käser, die einander begegnen, nicht im zweiten Satz nach der verarbeiteten Milchmenge fragen sollten, sondern: «Mit welcher Geschichte verkaufst Du den Käse?» Denn es sei eine Tatsache, dass ohne gewerbliche Käsereien in der Schweiz niemand verhungere. Seine  Botschaft: Veränderungen als Chancen sehen und sich schnell anpassen. 

1917 gegründet

Am 28. Januar 1917 wurde der Schweizerische Milchkäuferverband (SMKV) gegründet. Dieser vertrat in einer Zeit der Krise und der staatlichen Eingriffe, welche die Einkommen der Käser schmälerte, die Interessen der selbstständigen Käser und Milchkäufer. 1999 änderte der SMKV seinen Namen in «Fromarte, die Schweizer Käsespezialisten». Fromarte vertritt 500 gewerbliche Käsereien, die rund ein Drittel der Schweizer Verkehrsmilch verarbeiten und damit zwei Drittel des Schweizer Käses produzieren. Hinter Fromarte stehen 2400 Arbeitsplätze im ländlichen Raum und 300 Lernende. sal


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