27.05.2019 17:25
Quelle: schweizerbauer.ch - sbv
Medien
Für Inserat bei Bauern entschuldigen
Ein Inserat für die «Sonntagszeitung» aus dem Hause Tamedia übt an der Schweizer Landwirtschaft heftig Kritik. Der Schweizer Bauernverband (SBV) hat beim Zürcher Verlag interveniert. Der Verband fordert in einem Schreiben eine öffentliche Entschuldigung. schweizerbauer.ch gibt den Text wortgetreu wieder.

Derzeit publizieren Sie unter dem Titel «Ums Verrecken die Landwirtschaft schützen» Inserate mit denen Sie in diversen Zeitungen Abo-Werbung für die Sonntagszeitung machen. Diese Werbung ist für die Bauernfamilien und die ganze Landwirtschaft diffamierend.

Sie suggeriert, dass die Landwirtschaft die alleinige Verantwortung für das Insektensterben trägt und verurteilt diese pauschal. Sie lässt jeden Respekt vor den Leistungen der Landwirtschaft vermissen, darunter auch die mittlerweile 165'000 Hektaren Biodiversitätsförderflächen. Sie blendet auch aus, dass die 52'000 Bauernfamilien nachhaltige, gesunde Lebensmittel auf einem Standard in Bezug auf Ökologie und Tierwohl produzieren, der im Ausland seinesgleichen sucht. Sprich, es ist keinem Insekt geholfen, wenn wir statt einheimischem Essen mehr Lebensmittel importieren. Wir sind gerne bereit, Ihnen dazu Fakten und Argumente zu unterbreiten.

Besonders verwerflich ist, dass diese Werbung auch eine politische Kampagne darstellt und die öffentliche Meinung in unzulässiger Weise beeinflusst. Sie ergreift völlig undifferenziert für extreme Initiativen Partei, die derzeit auf der politischen Ebene diskutiert werden. Die ganze Aktion ist für die Tamedia-Gruppe unwürdig. Es kann nicht sein, dass faktenfrei auf Kosten der Bauernfamilien um zusätzliche Leser gebuhlt wird. Wir fordern Sie auf, diese Inseratekampagne sofort zu stoppen und erwarten, dass sich die Verantwortlichen bei den Bauernfamilien öffentlich entschuldigen.

Berner Bauernverband konsterniert

Über einer toten Biene steht im Inserat: «Ums Verrecken die Landwirtschaft schützen?» Darunter: «Subventionieren wir das Überleben der Bauern oder den Untergang des Landschaftsschutzes?» Als erste und bis Montag einzige Organisation hat der Berner Bauernverband (BEBV) reagiert. Berner Bauernfamilien seien «konsterniert, enttäuscht, betroffen und wütend» über das Inserat, schrieb ben BEBV-Präsident Hans Jörg Rüegsegger und Geschäftsführer Andreas Wyss in einem Brief an die Sonntagszeitung und an den Ombudsmann der Tamedia. Die Schweizer Landwirtschaft produziere Nahrung. «Ohne diese würden die Menschen relativ zügig verrecken – um die Sprache des Inserates zu verwenden», heisst es.

Die Landwirtschaft erbringe viele ökologische Leistungen, was durch Direktzahlungen zu Recht auch finanziert werde. «Wir erachten diese Werbung als Beleidigung für einen ganzen Berufsstand und als eine generelle Verunglimpfung. Sie suggeriert, man könne den Bauernstand auch verrecken lassen, weil die Landwirtschaft sowieso keinen Nutzen hat. Das ist respektlos, erniedrigend und definitiv unterste Schublade», so der BEBV. blu

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE