Mittwoch, 2. Dezember 2020
30.10.2020 07:45
Einkaufstourismus

Gemüse- und Obstverbände wehren sich

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Von: lid/blu

Sofort nach dem Lockdown hat der Einkaufstourismus in den Grenzregionen wiedereingesetzt. Obst- und Gemüseverbände fordern deshalb eine Freigrenze pro Tag und Person.

Am 30. Oktober wird sich der Nationalrat im Rahmen zweier Standesinitiativen und einer Motion mit dem Thema Einkaufstourismus befassen, schreiben der Verband Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP), Swisscofel, Schweizer Obstverband (SOV), die Vereinigung Schweizer Kartoffelproduzenten (VSKP) und die Schweizerische Vereinigung für einen starken Agrar- und Lebensmittelsektor (SALS) in einer gemeinsamen Mitteilung.

Während des Corona-Lockdowns im Frühjahr sei der Einkaufstourismus für einige Wochen unterbunden gewesen. Die Grossverteiler und Hofläden wurden deshalb mit Anfragen überrannt, doch Produktion und Handel schafften es unter grossem Arbeitseinsatz die Versorgung jederzeit zu gewähren. Doch leider habe sofort nach den Lockerungen der Einkaufstourismus wieder voll eingesetzt. 

Freigrenze beschränken

Die Verfasser der Mitteilung verweisen hierbei auf den Grenzschutz. Doch damit dieser greife, wäre es zwingend, heisst es in der Mitteilung, die wertmässige Freigrenze im Reiseverkehr für Lebensmittel auf beispielsweise 50 Franken pro Person. Gleiches muss für Verbände auch für die Mehrwertsteuer-Befreiung gelten. «Mit Blick auf den zunehmenden Onlinehandel sollte die Chance nicht verpasst werden, auch hier die Grundlagen für einen Schutz der einheimischen Land- und Ernährungswirtschaft zu legen», heisst es in der Mitteilung

Personen, die aus dem Ausland zurückkehren oder in die Schweiz reisen, dürfen Waren bis zu einem Gesamtwert von 300 Franken mehrwertsteuerfrei einführen (Wertfreigrenze), sofern diese für ihren privaten Gebrauch oder zum Verschenken bestimmt sind.

Motivation für den Einkauf auf der anderen Seite der Grenze ist gemäss den Verbänden der Preisunterschied. Eine Umfrage im Auftrag der Agro Marketing Suisse AMS ergaben 2020, dass mehr als ein Fünftel der Befragten mindestens ab und zu im Ausland einkaufen und dafür durchschnittlich mehr als 40 Minuten Fahrzeit auf sich nehmen.

Kosten können nicht so stark gesenkt werden

Eine Studie der Hochschule St. Gallen HSG (Link) zeigt, dass selbst im Falle eines Freihandels die Produktionskosten für Schweizer Obst, Gemüse und Kartoffeln nicht gesenkt werden könnten und auch der Handel seine Dienstleistungen nicht markant vergünstigen könnte. Bei den untersuchten Produkten – Tafeläpfeln, Lagerkarotten, Rispentomaten und Kartoffeln- machen Strukturkosten, d.h. Kosten für Gebäude, Maschinen und Land, jeweils mindestens 30% der Aufwände aus. Der Anteil der Arbeitskosten reicht von 16% (Lagerkarotten) bis 49% (Tafeläpfel).

Die Verbände ziehen daher folgendes Fazit: «Weder die Struktur- noch die Arbeitskosten können auf das Preisniveau im grenznahen Ausland gesenkt werden und würden gemäss Studie selbst bei einem Agrarfreihandelsabkommen nicht sinken. Kurzum: Es ist unmöglich, dass Schweizer Produzenten und Grosshändler die Kosten bei zentralen Produktionsfaktoren entscheidend senken können», so die Verbände.

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