8.09.2017 08:08
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Verbände
Gemüsebauern gegen höheren Beitrag
Die Gemüseproduzenten lehnen es weiterhin ab, den Schweizer Bauernverband (SBV) anteilsmässig mitzufinanzieren. Sie scheinen die Einzigen zu sein, welche ihren Anteil am Produktionswert nicht leisten wollen

Der Verband Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP) soll die Arbeit des Schweizer Bauernverbands (SBV) in Zukunft mit rund 210'000 Franken statt der heutigen 30'000 Franken pro Jahr unterstützen. Die Anpassung geht auf eine Aktualisierung der sogenannten Produktebeiträge (vgl. Kasten) zurück, die der SBV per 1. Januar 2018 vornehmen will.  

Diese orientieren sich an den Anteilen am Gesamtproduktionswert, die sich seit den 1990er-Jahren massiv verschoben haben. So kommt es, dass die Milchproduzenten aktuell zu viel Geld nach Brugg AG liefern, während die Gemüseproduzenten und andere zu wenig bezahlen.

«Geld nicht vorhanden»

Die Gemüseproduzenten lehnen die höhere Rechnung bislang ab. VSGP-Direktor Jimmy Mariéthoz bestätigt auf Anfrage entsprechende Informationen des «Schweizer Bauer». Der Leitende Ausschuss des VSGP und die Präsidentenkonferenz des VSGP sähen es nicht, bei den Mitgliedern des VSGP eine Beitragserhöhung zu beantragen. Eine solche sei nötig, betont Mariéthoz, der VSGP könne die Forderung nicht aus den aktuellen Einnahmen bestreiten.

Zum Einwand, dass Gross-Gemüseproduzenten wie Stefan Britschgi, Diepoldsau SG, Beat Bösiger, Niederbipp BE, Peter Kistler, Reichenburg SZ, und Roland Stoll, Yverdon-les-Bains VD, die alle im Leitenden Ausschuss des VSGP sitzen, doch höhere Beiträge bezahlen könnten, sagt Mariéthoz: «Wir vertreten 3400 Betriebe, die Gemüse anbauen. Darunter sind sehr viele kleinere Betriebe, die unter der angespannten Marktlage leiden, von einer Erhöhung der Beiträge aber stark betroffen wären.»

«Brauchen SBV nicht»

Mariéthoz hält fest: «Ohne entsprechende Gegenleistung zahlen die Gemüseproduzenten nicht sechsmal mehr als bisher.» Doch er schiebt nach, die Gemüseproduzenten schätzten die politischen Aktivitäten des SBV zugunsten der gesamten Landwirtschaft, und man sei im Gespräch.

Innerhalb der Gemüseproduzenten gibt es aber auch Stimmen, die auf direkten Konfrontationskurs gehen. «Wenn der SBV mit den 30'000 Fr. nicht zufrieden ist, verlassen wir diesen Verband. Wir brauchen ihn nicht, zu den Bundesräten Johann Schneider-Ammann, Ueli Maurer und Guy Parmelin haben wir einen eigenen Draht. Der SBV macht schlicht zu wenig für uns», sagt einer, der im VSGP aktiv ist.  

SBV setzt auf Gespräche

Der Schweizer Bauernverband möchte einen Bruch mit den Gemüseproduzenten verhindern. Urs Schneider, der stellvertretende Direktor, bestätigt, dass der SGPV mitgeteilt habe, er sei zur genannten Beitragsanpassung nicht bereit. Doch Schneider betont: «Wir setzen auf Gespräche und Überzeugungsarbeit.» Die Landwirtschaftskammer (Laka) habe im April in der ersten Lesung beschlossen, dass die 2,27 Millionen Franken, die via Fachorganisation kommen, entsprechend dem Anteil am Gesamtproduktionswert der Schweizer Landwirtschaft verteilt werden sollen.

Die Laka werde sich Ende September in zweiter Lesung über das Geschäft beugen, dann werde die Delegiertenversammlung im November über das Beitragsmodell entscheiden. Sollte eine Mitgliedorganisation anschliessend die Beiträge nicht bezahlen wollen, sei das weitere Vorgehen noch offen. Schneider betont auch, der SBV mache sehr viel für die Gemüsebauern, z.B. in den Bereichen Grenzschutz und Pflanzenschutz.

Ausnahme wird schwierig

Für den SBV würde es sicher schwierig, eine allfällige Ausnahme für die Gemüseproduzenten zu begründen, wenn gleichzeitig diverse Fachorganisationen mehr bezahlen als heute. Die Geflügelproduzenten z.B. sind bereit, neu über 90'000 Fr. statt  bisher 15'000 Fr. zu bezahlen. Dafür erhalten sie zusammen mit Gallosuisse neu einen Sitz im SBV-Vorstand. Das würden auch die Gemüseproduzenten, wenn sie den vollen Beitrag bezahlen. 

Beiträge an SBV

Der Bauernverband (SBV) finanziert sich aus  zweierlei Beiträgen: den Flächenbeiträgen (3, 6 Mio Fr.), welche die Kantonalverbände überweisen, und den Produktebeiträgen (2,27 Mio. Fr.). Letztere orientieren sich am Anteil, den die Produktionsrichtung am Gesamtproduktionswert der Schweizer Landwirtschaft hat. Seit den 1990er-Jahren haben sich diese Anteile aber stark verschoben, z.B. haben Milch und Getreide an Wert verloren, während die Bedeutung von Gemüse, Beeren, Obst, Geflügel, Eiern, Mutterkühen oder Schweinen gleich geblieben oder sogar gestiegen ist. Per 1. Januar 2018 soll das System angepasst werden. Danach sollen die Beitragsansätze alle vier Jahre angepasst werden aufgrund des  Mittels der drei vergangenen Jahre, damit  der Verteilschlüssel aktuell bleibt. Laut dem SBV ist der Widerstand der Gemüseproduzenten die  Ausnahme: Bei allen anderen Fachorganisationen, die neu mehr bezahlen sollen, ist die Erhöhung beschlossen, oder es gibt positive Signale. sal

 

 

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE