7.03.2015 10:04
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Futtermittel
Getreide bringt mehr Milch als gedacht
Getreide hat mehr Energie, als Tabellen vermuten lassen. Wird mit alten Werten gerechnet, brauchen die Bauern zu viel Weizen und Mais, die Fütterung ist teurer. Das zeigt ein Forschungsprojekt aus Deutschland.

In Deutschland sind die Futterwerttabellen mittlerweile 40-jährig. Seit 2011 läuft deshalb das gross angelegte Projekt Grain-Up. Es soll neue Erkenntnisse zum Futterwert von Getreide liefern. Erste Ergebnisse zeigen denn auch, dass entgegen vielen Erwartungen die Verdaulichkeit und der Energiegehalt der Getreidearten für Rind, Schaf und Ziege höher sind als bisher in den Futterwert-Tabellen festgeschrieben.

Laufend angepasst

«Könnte das Getreide besser ausgenutzt werden, würde dies zu einem geringeren Importbedarf führen», so die Forscher. Bei einer höheren Effizienz des Einsatzes von Energie, Protein und Phosphor aus Getreide könnten zudem die Ausscheidungen umweltrelevanter Verbindungen reduziert werden. Die Fütterung würde effizienter – und billiger.

Basierend auf dem Futterwert von Getreide wird berechnet, wie viel Milch die Kuh daraus bilden kann, ausgedrückt in den Richtgrössen NEL (Nettoenergie Laktation) oder APD (absorbierbares Protein im Darm). Das NEL/APD-System ist deshalb nur so genau, wie es die Gehalte und die Verdaulichkeiten der Futtermittel sind. Fredy Schori von Agroscope: «Neue Erkenntnisse zur Verdaulichkeit müssen in die Berechnung der NEL-, der APD- und anderer Werte einfliessen. Dazu machen wir laufend Versuche, aktuell zum Beispiel zu den Gehalten von Power-Mais.» 

Blick nach Holland

Unabhängig von den Futterwerttabellen ist auch die Rationenplanung beim Milchvieh im Umbruch. «Wir arbeiten nach dem W-Fos-System, das von der Forschungsstation Schothorst in Holland laufend weiterentwickelt wird», erklärt etwa Samuel Geissbühler von der UFA. «Hier betrachten wir nicht nur Energie- und Proteingehalte, sondern vor allem auch die Geschwindigkeit des Abbaus von Energie und Protein im Pansen.»  

Das Ziel sei, schon die Grundfutterkomponenten optimal aufeinander abzustimmen und dann die Ration möglichst gezielt zu ergänzen – und so effizienter zu füttern: «Das Verbesserungspotenzial ist je nach Grundfuttersituation sehr unterschiedlich. Bei unausgeglichenen Grundfutterrationen kann das exakt richtig berechnete Ergänzungsfutter sehr viel zusätzliche Milch pro Kilo Futter bringen. Das zeigen Praxiserfahrungen.»

Auch die Agridea bietet einen Fütterungsplan an. Franz Sutter von der Agridea dazu: «Wir versuchen, neue Erkenntnisse wie die Verdaulichkeit der organischen Substanz und die Abbaubarkeit laufend einfliessen zu lassen.» Er findet dennoch, dass das bestehende System in die Jahre gekommen ist und eine Überarbeitung ins Auge gefasst werden sollte: «Dafür wären die Forschungsanstalten zuständig.»

Ein System übernehmen

Für Schori steht eine Abkehr vom heutigen System derzeit nicht zur Debatte. Er zieht den Vergleich zu Frankreich: «Die Franzosen arbeiten an der Neubewertung der Energie- und Proteinbewertung. In das Projekt sind über 30 Forscher eingebunden. Das sprengt unseren Rahmen.» Wenn schon, müsse sich die Schweiz an Frankreich oder Deutschland anlehnen und deren Neuerungen, falls sinnvoll, einbeziehen.

Die Meinung teilt Geissbühler: «Wir können sicher kein eigenes System aufbauen. Am sinnvollsten wäre es, wenn wir ein international anerkanntes System übernehmen würden. Da neben der UFA aber  auch andere Mischfutterfirmen mit ausländischen Partnern Lösungen gefunden haben, dürfte es schwierig sein, hier wieder alle auf einen Nenner zu bringen.»

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