7.05.2019 10:25
Quelle: schweizerbauer.ch - Christian Zufferey
Wallis
Gezanke verhindert neue Käserei
Der Streit um das Käserei-Neubauprojekt in Grengiols dauert bereits viele Jahre. Dies, weil im nur zehn Kilometer entfernten Bitsch die Käserei Aletsch von Alexander Walker erfolgreich gegen den Subventionsentscheid rekurriert hat.

Am Chästag, der kürzlich stattgefunden hat, verkaufte die Käsereigenossenschaft von Grengiols hochwertigen Walliser AOP-Raclettekäse für nur 14.50 Franken. Die schätzungsweise 350 Besucher griffen kräftig zu. 

Um gerade mal 0,03 Punkte wurde die Goldmedaille für Walliser Raclette AOP verpasst. «Dieser Tag ist ein Tag für die Werbung», betonte der Präsident der Käsereigenossenschaft, Ernst Zumthurm. Insgesamt produziert die Käserei Grengiols rund 10 Prozent des über Cremo vertriebenen Walliser Raclette AOP.

Kleiner Käsekeller

Weniger Erfolg ist dem Käserei-Neubauprojekt beschieden, über das schon seit Jahren gestritten wird. Nötig wäre der Neubau nicht wegen veralteter oder nicht mehr genügender Einrichtungen. Im Gegenteil. «Wir haben von der Fromarte eine sehr gute Zertifizierung bekommen», sagt Zumthurm. Problematisch sei einzig der Platz – sowohl im Gebäude drin, wodurch das Arbeiten nicht ganz praktisch sei, als auch davor.

«Viel zu eng», bestätigt auch der aus Polen stammende Käser Wlodzimierz Wroblewski. So eng, dass in zwei Chargen gekäst werden muss, weil der grössere, 2200 Liter fassende, und der kleinere nur 1600 Liter fassende Käsekessel nicht ausreichen. Weil auch der Käsekeller zu klein ist, müssen alle 10 bis 14 Tage zehn bis elf Paletten mit Käse abgeholt und ins Reifungslager nach Siders gebracht werden. Der Lastwagen blockiert dabei regelmässig eine Quartierstrasse.

Keine Subventionen

Um den Platzproblemen abzuhelfen, wurden verschiedene Neubauprojekte diskutiert. Sogar von einer Parkkäserei war vor Jahren die Rede, in die auch andere Bauern vom Landschaftspark Binntal, also auch der Gemeinden Ernen und Binn, ihre Milch liefern könnten. Was Alexander Walker von der ohne Subventionen gebauten Käserei Aletsch im nur zehn Kilometer entfernten Bitsch erfolgreich verhindert hat – mit Berufung auf den Konkurrenzartikel, wonach keine Subventionen gesprochen werden dürfen, wenn etwas Vergleichbares in der Nähe bereits existiert. 

In Grengiols hält man für wahrscheinlich, dass Walker vor allem an der rund einer Million Kilo Milch aus nur wenigen Kilometern Entfernung interessiert ist, statt die Milch in weiten Teilen des Goms einzusammeln.

Neubau nicht zwingend

Die Bauern von Ernen und Binn liefern ihre Milch seit dem für die Parkkäserei negativen Bundesgerichtsentscheid seither an Walker. Für die Bauern und Genossenschafter in Grengiols kommt ein solcher Schulterschluss aber nicht infrage. «Wir würden nicht nur die Verkäsungszulage verlieren, sondern auch die Wertschöpfung für unsere zertifizierte Milch», betont Zumthurm.

Zumal in Bitsch zwar auch AOP-, überwiegend aber nicht AOP-zertifizierter Raclettekäse hergestellt wird. So machten sich die Bauern von Grengiols auf die Suche nach alternativen Geldquellen, letztlich aber ohne ausreichenden Erfolg. «Ohne Subventionen ist der Neubau einfach nicht machbar», kommt Zumthurm  zum Schluss. 

Walker schweigt

Für weitere Gespräche mit Walker zeigt sich Zumthurm nicht mehr gewillt. Zumal es keine zwingende Notwendigkeit gebe, neu zu bauen. «Wir werden 2027 unser 100-Jahr-Jubiläum als unabhängige Genossenschaft feiern und auch danach noch weitere 100 Jahre lang Käse produzieren», zeigt sich Ernst Zumthurm unnachgiebig. 

Die sehr gute Zertifizierung durch Fromarte zeigt, dass man hier ohne Weiteres noch einmal 100 Jahre AOP-Käse herstellen könnte. Einzig die beengten Platzverhältnisse sind hinderlich. Doch damit müsse man halt leben, sofern es dem Kanton Wallis nicht gelinge – bei dem laut Zumthurm der Ball nun liege –, mit Alexander Walker im Streit um die Subventionierung eine Einigung zu finden. Walker selbst teilt auf Anfrage lediglich mit: «Über laufende Verhandlungen geben wir keine Auskunft.» Ebenso bedeckt hält man sich auch beim Kanton Wallis. 

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