5.05.2015 15:28
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Fleischmarkt
«Glanzstück Inlandleistung»
Die Fleischbranche zeigt sich zufrieden, dass die Bevölkerung trotz Aufrufen zum Verzicht am Fleischessen festhält. Mit einer Charta und einer Ombudsstelle will die Branche das Vertrauen (zurück)gewinnen.

Standesgemäss empfing der Schweizer-Fleisch-Fachverband (SFF) am vergangenen Mittwoch die Medienschaffenden im Hotel Widder in Zürich. Dieses befand sich bis 1970 im Besitz der Metzgerzunft, heute gehört das Luxus-Hotel der Zürcher Grossbank UBS. Vor allem der Blick auf das vergangene Jahr erhellte die Laune von SFF-Präsident Rolf Büttiker.

Wahlfreiheit

So stieg der Pro-Kopf-Konsum an verkaufsfertigem Fleisch (ohne Fisch), unter Einbezug des Bevölkerungswachstums von 1,1 Prozent, um 400 Gramm auf 52,4 Kilo. Dies sei auf einen höheren Schweine- und Geflügelfleischkonsum zurückzuführen, hielt Büttiker fest. «Und dies gelang uns trotz Attacken von Veganern, dem steigenden Einkaufstourismus und dem miesen Grillwetter», betonte der Solothurner. 

Der missionarische Eifer der Veganer verträgt sich schlecht mit dem liberalen Gedankengut des ehemaligen FDP-Ständerats. «Die individuelle Wahlfreiheit ist gegenüber der Bevormundung zu bevorzugen», so die unmissverständliche Botschaft. Der Mensch sei ein Allesesser. Fleisch habe eine grosse Bedeutung für eine ausgewogene Ernährung, fügte Büttiker an. Befriedigt stellte er fest, dass der Pro-Kopf-Konsum in der langfristigen Tendenz stabil blieb.

Mehr Einkäufe im Ausland

Nebst dem Konsum hat sich im vergangenen Jahr auch  die inländische Fleischproduktion erhöht. Das Plus von 2,5 Prozent ist vor allem der Mehrproduktion im Schweine- und Geflügelsektor geschuldet. Dank der höheren Produktion stieg der Inlandanteil mit Ausnahme des Schaf- und Lammfleisches leicht an. Gesamthaft liegt der Wert nun bei 79,5 Prozent (+0,3%). «Eigentlich müsste ich nun die Ehrenmitgliedschaft beim Schweizer Bauernverband erhalten», fügte Büttiker ironisch an.

Als sein Glanzstück bezeichnete er die Wiedereinführung der Inlandleistung. Seit 2015 werden 40 Prozent der Import-Kontingentsanteile für Fleisch  von Rindern, Schafen, Ziegen und Pferden nach der Zahl der geschlachteten Tiere zugeteilt. «Wir obsiegten gegen Bundesrat und Verwaltung», betonte Büttiker.

Die «Fleischsteuer» habe 2014 dem Bund 236 Mio. Fr. eingetragen, 23 Mio. Fr. mehr als im Vorjahr. Nun flössen 37 Mio. Fr. zurück an die Branche. Weniger Freude bereitet dem Fleischgewerbe der Einkaufstourismus. Nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses Mitte Januar dürften gemäss einer SFF-Schätzung 1,5 Mrd. Fr (jeder achte Franken) im Ausland für Fleisch ausgegeben werden. Mit Regionalität und Qualität wollen sich die Metzger von den ausländischen Mitbewerbern abheben und Kunden halten.

Neue Ombudsstelle

Zwei Falschdeklarationen haben der Fleischbranche im vergangenen Jahr zugesetzt. SFF-Mitglied Metzgerei Weiss verkaufte Pferde- als Rindfleisch. Das Zürcher Unternehmen wurde vom Verband ausgeschlossen. Nichtmitglied Carna Grischa bürgerte unter anderem ungarisches Pouletfleisch ein. Der SFF hat nun Verhaltensregeln für seine Mitglieder in einer Charta festgeschrieben und eine Ombudsstelle Fleisch geschaffen. Die Letztgenannte soll als Vermittlungsstelle zwischen Kunden, Mitarbeitenden und Unternehmungen fungieren. Mit der Charta will der SFF das Vertrauen der Kunden in die Fleischbranche stärken. blu

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