17.04.2013 16:54
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Bio Suisse
Glaubwürdigkeit stärken - Bio Suisse gründet Tochtergesellschaft für Importzertifizierungen
Skandale um falsch deklarierte Biorohstoffen und -produkten erreichten auch die Schweiz. Deshalb will Bio Suisse die Glaubwürdigkeit mittels einer Tochtergesellschaft stärken. Die Delegierten stimmten zudem einer Richtlinienanpassungen zu Fairen Handelsbeziehungen zu und verabschiedeten für die ökologische Pflanzenzüchtung ein Zusatzkapitel, das die bestehenden Grundlagen ergänzt. Auch der Coop-Chef war in Olten.

2011 erschütterte der Sunny Land Skandal auch die hiesige Branche. Konventionelle Produkte und Rohstoffe wurden in Italien zu Boware umdeklariert und unter anderem auch in die Schweiz eingeführt. Vergangene Woche wurden wieder falsch deklarierte Rohstoffe beschlagnahmt, zudem gerieten auch Mitglieder der italienischen Zertifizierungsstelle, die für Bio Suisse vor Ort kontrolliert, in Verdacht. Auch Bauernverbandspräsident Markus Ritter kritisierte die Importe.

Glaubwürdigkeit von Import-Knospe-Artikel stärken

„Gerade in kritischen Zeiten mit Nahrungsmittelskandalen zeigt sich, dass nur hohe Anforderungen an Produktion und Verarbeitung, strenge Kontrollen vom Feld bis zum Verkaufspunkt das garantieren und wahren, was uns allen so wertvoll ist: die Glaubwürdigkeit der Knospe“, hob der Bio Suisse-Präsident Urs Brändli vor den Delegierten in Olten hervor. Es gälte nun, die Import-Knospe-Produkte in ihrer Glaubwürdigkeit zu stärken. Deshalb wehrte sich die Dachorganisation auch gegen die Vorwürfe von Ritter.

So sollen die Anerkennungsprozesse von Betrieben im Ausland sowie die Zusammenarbeit mit den ausländischen Kontrollstellen optimiert werden, schreibt Bio Suisse in einem Communiqué. Die Auslagerung der Zertifizierungstätigkeit in eine staatlich akkreditierte Tochtergesellschaft soll die Unabhängigkeit der Zertifizierungstätigkeit garantieren. Diese wird voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte die Arbeit aufnehmen.

Mit der Stärkung des Fairnessprinzips will Bio Suisse die Glaubwürdigkeit zusätzlich stärken. Neu ist ein Verhaltenskodex für verantwortungsvolle Handelspraxis beim Import hinzugekommen. Die Einrichtung einer Ombudsstelle für faire Handelsbeziehungen ist auf Anfang 2014 vorgesehen.

Saat für die Zukunft

Die starke Konzentration auf dem Saatgutmarkt (Syngenta, Monsanto, Bayer) sowie GVO-Pflanzen beschäftigen Bio Suisse. Seit 2010 wurde deshalb ein „intensiver Meinungsbildungsprozess für Züchtungsprojekte geführt“. Ein neues Richtlinienkapitel definiert die ökologische Pflanzenzüchtung und soll Antrieb für die Förderung eines breiteren Angebotes an biologisch gezüchteten und für den Biolandbau besonders geeigneten Sorten leisten, heisst es weiter.

Auch Coop-Chef war zugegen

Auch Coop-Chef Joos Sutter wandte sich aufgrund des 20-jährigen Jubiläums von Naturaplan an die Delegierten. „Unser Engagement in Kommunikation, Innovation und Konsequenz hat dem Biomarkt in der Schweiz zum Durchbruch verholfen“, so Sutter. Von dieser Entwicklung hätten sowohl Coop als auch Qualitätsanbieter wie Direktvermarkter und spezifische Bioanbieter profitiert.

Die beiden Riesen, Coop und Migros, generieren aber 75 Prozent des gesamten Biomarktumsatzes. 10 Prozent fallen auf die Direktvermarktung. Die Verlierer sind die Biofachgeschäfte.

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