5.08.2016 15:28
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE/blu
Globaler Milchmarkt
Globaler Milchmarkt: Anzeichen für Neuausrichtung
Angesichts der jüngsten Erholung der Weltmarktpreise für Milchpulver gibt sich das amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) optimistisch, dass der immer noch reichliche Produktionsüberschuss am globalen Milchmarkt im Zuge einer „Neuausrichtung“ langsam abgebaut werden könnte.

Die US-Experten rechnen in ihrem aktuellen Bericht für dieses Jahr zwar mit einem Anstieg der globalen Milcherzeugung um 1,2% (6,12 Mio. t) auf 499,81 Mio t. Allerdings verteuerte sich Vollmilchpulver dem Ministerium zufolge bis Anfang Juli 2016 im Vergleich zu Mitte Februar um fast 12%.

Geringeres Exportangebot

Als Ursache sehen die US-Fachleute ein insgesamt geringeres Exportangebot sowie die anziehende Nachfrage nach Vollmilchpulver in vielen asiatischen Ländern. Vor allem China hat sich mit grösseren Mengen am Weltmarkt eingedeckt. Allein im Mai 2016 stiegen die Vollmilchpulverimporte im Vergleich zum Vorjahresmonat um 20%. Deshalb erhöhte das USDA seine Prognose für die in diesem Jahr zu erwartenden Liefermengen Vollmilchpulver nach China um immerhin 15'000 t auf 375'000 t.

Ausserdem verzeichneten die Marktexperten seit Anfang Mai eine Verteuerung von Magermilchpulver in den dominierenden Exporthäfen Ozeaniens um 11%, und das trotz reichlich gefüllter Lager im eigenen Land und umfangreicher Interventionsmengen in der Europäischen Union. Diese Überschüsse dürften nach Ansicht des USDA eine weitere Erholung der Magermilchpulverpreise in der nahen Zukunft erschweren, so dass eine kräftigere Preiserholung bis in das kommende Jahr hinein weitgehend auszuschliessen ist.

Beschleunigter Strukturwandel in Argentinien erwartet

Allerdings könnte die jüngste Verteuerung des Milchpulvers darauf hindeuten, dass die Marktversorgung mit Milcherzeugnissen insgesamt zunehmend unsicher wird. Während die Milchproduktion der führenden Exportländer von Milcherzeugnissen in diesem Jahr im Vergleich zu 2015 laut USDA um insgesamt 5,9 Mio. t oder gut 2% in der Summe auf 288,8 Mio t steigen dürfte, fallen die länderspezifischen Prognosen recht uneinheitlich aus.

So rechnen die Experten für die argentinische Produktion 2016 mit einem Rückgang um 1,55 Mio. t oder 13,4 % auf 10 Mio. t Milch. Als Begründung nennt das Ministerium zum einen die niedrigen Gewinnmargen der argentinischen Milchbauern und zum anderen Überschwemmungen im Zuge des Wetterphänomens El Niño im April. Nach vorläufigen Daten ging in das Milchaufkommen von April bis Mai im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 18 bis 20 % Prozent zurück.

Ausserdem wurde für den Zwölfmonatszeitraum bis einschliesslich Februar 2016 gegenüber der Vorjahresperiode ein Erzeugerpreisrückgang um 50% auf nur noch 0,20 USD/l (0,2 Fr./l) Milch festgestellt. Den Kuhbestand reduzierte sich in Argentinien 2016 um bisher 4 Prozent auf 1,72 Millionen Tiere. De Experten erewarten einen beschleunigten Strukturwandel, vor allem bei kleineren Pachtbetrieben.

Weniger Milchkühe in Neuseeland

Auch für Neuseeland prognostizieren die Washingtoner Marktexperten für 2016 eine kleinere Milchproduktion, die mit 21,15 Mio t das Vorjahresergebnis 2% unterschreiten dürfte. Die Milchbauern werden laut USDA mit einer Anpassung ihrer Betriebskosten auf die niedrigen Produzentenpreise reagieren. Im Einzelnen dürften der Einsatz von Ergänzungsfuttermitteln gesenkt und vermehrt Tiere geschlachtet werden. Dadurch dürfte der Kuhbestand in Neuseeland 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 1,5% auf 4,93 Millionen Tiere abgebaut werden.

Sinken soll das Milchaufkommen 2016 laut USDA auch in Australien, und zwar um 100 000 t oder 1% auf 9,7 Mio. t. Allein im Mai 2016 wurde dort ein Produktionsrückgang im Vergleich zum Vorjahresmonat um 5 % verzeichnet.

Australien fehlt der Regen

Wie die Washingtoner Fachleute weiter berichteten, litten die wichtigsten Regionen im Südosten Australiens und in Tasmanien unter sehr geringen Regenfällen, so dass die Bodenfeuchtigkeit vielerorts den langjährigen Durchschnitt verfehlte. Deshalb entwickelten sich die Weiden im Bundesstaat Victoria, wo fast zwei Drittel der australischen Kühe grasen, dem USDA-Bericht zufolge so schlecht wie zuletzt vor 40 Jahren. Deshalb müssten die Milchbauern Futter und Wasser zukaufen.

Die Farmer müssen weiterhin mit niedrigen Milchpreisen und hohen Futterkosten zu kämpfen haben. Deshalb rechnet das US-Landwirtschaftsministerium auch für Australien mit einem erhöhten Bestandsabbau durch Schlachtungen. In der Folge soll die australische Milchviehherde 2016 im Vergleich zum Vorjahr 0,9 % auf 1,69 Millionen Kühe schrumpfen.

EU-Landwirte dürften Anlieferung auch 2017 steigern

Indes wird die US-Milchproduktion 2016 nach Einschätzung der Washingtoner Experten im Vergleich zum Vorjahr um 1,72 Mio. t (+1,8%) auf 96,34 Mio t steigen. In den USA sind die Gewinnmargen der Landwirte nicht so niedrig wie in anderen Ländern. Unterdessen wird für die Europäische Union zwar mit einem Zuwachs der Anlieferungsmenge um 1,3% auf 151,6 Mio. t Milch gerechnet, womit das Plus aber deutlich kleiner ausfallen würde als in den vergangenen Jahren.

So lagen die Vergleichswerte für 2014/15 bei 2,1 % und für 2013/14 sogar bei 4,6%. Obwohl die EU-Bauern von Januar bis April dieses Jahres im Vergleich zur Vorjahresperiode fast 6 % mehr Milch an die Molkereien lieferten, rechnet das USDA hier für den Rest des Jahres mit einem deutlichen Rückgang. Die Fachleute begründen ihre Prognose vor allem mit dem deutlichen Verfall des durchschnittlichen Produzentenpreises in der EU. Für den Zeitraum Januar bis Juni 2016 wird hier ein Minus von fast 13% ausgewiesen.

Derweil rechnet die EU-Kommission in ihrer im Juli veröffentlichten Kurzfristprognose für 2016 mit einem Anstieg der Anlieferungsmenge in der Gemeinschaft um 1,5% auf 153,8 Mio. t Milch. Im kommenden Jahr soll die Milchproduktion zwar weiter wachsen, aber dann nur noch um 0,5% auf 154,5 Mio t.

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