12.01.2016 09:22
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
Luzern
«Hälfte des Gewinns gehört Bauern»
Unter der Führung der Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) läuft das Geschäft der Napfmilch. Für deren Gründer, Isidor Kunz, ist aber klar: Die Bauern wurden ausgebootet, und er fordert für sie einen Teil des Gewinns.

«Ja, ich bin frustriert und enttäuscht.» Dass die Geschichte rund um die Napfmilch AG für deren Initiant so enden musste, ist schade. Doch dies so zu akzeptieren, fällt ihm schwer. Für Isidor Kunz ist klar, dass die ZMP Invest AG und die bäuerliche Bürgschaftsstiftung aus dem Selbsthilfeprojekt Napfmilch ein Spekulationsprojekt gemacht haben.

Isidor Kunz ist Napfmilch

«Die initiativen Napfbauern und die regionalen Aktionäre haben insgesamt über 1 Million Franken verloren. Die ZMP Invest AG und die bäuerliche Bürgschaftsstiftung haben hingegen in sieben Jahren Aktiengewinne von rund 2 Millionen Franken erzielt.» Für Kunz sind die Napfbauern hingegen aus der Gesellschaft der Neuen Napfmilch AG regelrecht ausgebootet worden. «Der Aktienanteil der Milchproduzenten beträgt heute kaum 1 Prozent», empört sich Kunz.

Was bleibt, ist der Name Isidor Kunz, welcher unweigerlich mit der Geschichte der Napfmilch verbunden bleiben wird. Es ist die Geschichte des umtriebigen Biobauern, der vor fast 20 Jahren seine Kollegen rund um Hergiswil LU für seine Ideen begeistern konnte, sie finanziell mit ins Boot holte, mit ihnen neue Produkte lancierte und sie dazu motivierte, sich in die Einkaufszentren der Stadt zu stellen, um für ihren Frischkäse die Werbetrommel zu rühren.

Enttäuschung über ZMP

So viel Begeisterung steckte an, und der Erfolg liess nicht lange auf sich warten. TV-Sendungen, Innovationspreise und nicht zuletzt die Anerkennung derjenigen, die dem Projekt zu Beginn nur wenig Chancen eingeräumten, folgten. «Enttäuscht war ich bereits damals besonders von den Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP), von denen wir bei der Gründung der Napfmilch AG keinerlei Unterstützung erfuhren und sie eine Aktienbeteiligung ablehnten», so Kunz.

Heute sei es nun ausgerechnet der Zentralschweizer Milchverband, der eine Mehrheit (95%) «seiner» Firma halte. «Hinter diesen Machenschaften konnte ich als Initiant und Vertreter der Napfbauern nicht stehen und diese nicht verantworten. Ich habe meine Konsequenzen gezogen und meinen Rücktritt als Verwaltungsrat bekannt gegeben.»

Krise selbst verursacht

Der heutigen Situation vorausgegangen war die Krise von 2008, die die Napfmilch in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten gebracht hatte. Missmanagement war die Ursache, dass weder die Kosten des Erweiterungsbaus noch Produktqualitäten für Kunden wie Migros, Coop oder Manor eingehalten werden konnten. Der Umsatz fiel um 40 Prozent, der Geschäftsführer erlitt ein Burn-out, der Napfmilch drohte das Aus.

Eine Auffanggesellschaft, bestehend aus ZMP Invest AG (einer 100-Prozent-Tochter der ZMP) und der Luzerner Bäuerlichen Bürgschaftsstiftung, sprang schliesslich ein. Dies taten sie mit der Absicht, die Aktien wieder den Bauern «abzugeben», sobald die Napfmilch wieder schwarze Zahlen schreiben würde.

Wortbruch

«Abzugeben bedeutete in dem Fall zurückkaufen, und zwar für das 4,2-Fache des Wertes, zu welchem sie von den Bauern übernommen wurden», empört sich Kunz heute. Um diesen Wert ist die Neue Napfmilch AG nämlich gestiegen. «Die Bauern konnten sich das niemals leisten», so Kunz. Dafür hätte sich die ZMP Invest AG in der Zwischenzeit auch die Anteile der Bürgschaftsstiftung unter den Nagel gerissen. Für Kunz ein klarer Wortbruch. «Man wollte einfach weder in der Auffanggesellschaft noch in der neuen AG die Bauern dabei haben.»

Für Isidor Kunz ist dieses Vorgehen nicht akzeptabel, und er fordert deshalb, dass 50 Prozent des Aktiengewinnes den Bauern zurückbezahlt werden. Für ihn wäre das eine Entschädigung für das  Herzblut, welches die Bauern in die Napfmilch gesteckt hätten. «Ich hege keinen Groll gegen die neue AG, als Vater der Napfmilch hätte ich mir aber einen ehrlicheren Schwiegersohn gewünscht.»

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE