4.10.2016 16:15
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
Milchmarkt
Handel hält wenig von «Tierwohl-Milch»
Der Handel hat kein Gehör für «Tierwohl-Milch», die zwei Franken kostet. Der Schweizer Tierschutz vergleicht diese Haltung mit der Situation beim Fleisch vor 20 Jahren. Ohne Druck wäre auch damals nie etwas passiert. Mit Umfrage

Zwei Franken pro Liter Milch sei der Konsument bereit zu zahlen. Voraussetzung dafür sei, dass das Tierwohl hinter der Produktion stimme. Der Schweizer Tierschutz (STS) ist sich sicher: Bei der Bevölkerung ist viel Goodwill für die einheimische Milchproduktion und damit ein entsprechendes Marktpotenzial vorhanden. «Man müsste die Vorteile von Schweizer Milch und die dahinterliegende Tierhaltung einfach besser verkaufen», erklärte der STS-Geschäftsführer Hansuli Huber vor zwei Wochen gegenüber dieser Zeitung. 

Prämie als zu hoch erachtet

Wie ist die Forderung Hubers einzuordnen? Der «Schweizer Bauer» gab den Ball weiter an die in dieser Frage zweifelsohne relevantesten Player. Mit ernüchterndem Ergebnis. Kein Aldi, kein Lidl, kein Coop und keine Migros räumen der Zwei-Franken-Milch eine Chance ein. Coop fürchtet etwa einen Rückgang der Verkaufsmengen  bei der vorgeschlagenen Erhöhung. Die  Migros teilt zwar die Auffassung, dass – wenn Produkte klare Mehrwerte aufweisen – Kunden bereit wären, dafür höhere Preise zu bezahlen. Entscheidend sei aber auch, dass man den Mehrwert verstünde.

«Im Falle von freiwilligen Tierwohlprogrammen, die über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgehen, bedingt das eine lückenlose Teilnahme der Produzenten, was eine hohe Hürde darstellt. Auch müssen Mehrpreis und Mehrwert in einem vernünftigen Rahmen liegen, was aus unserer Sicht bei einer Prämie von 50 Rp. nicht der Fall ist», schreibt die Migros und fügt an, dass das effektive Einkaufsverhalten oft von den in Umfragen geäusserten Absichten abweiche.

STS: Für Sache kämpfen

Was also bleibt von der Forderung des STS? Bloss eine weitere gut gemeinte Stimme im Verbandsdickicht? «Keinesfalls», hält Hansuli Huber energisch an seiner Forderung fest. Vor 20 Jahren sei man beim Fleisch genau am selben Punkt gewesen. Auch damals habe der Handel behauptet, dass eine Prämie auf Schweizer Label-Fleisch keine Chance habe.

Und heute verteidigten diese ihre Label wie ihren Augapfel. «Wir haben die besten Konsumenten der Welt, die bereit wären, auch für Milch aus tierfreundlicher Haltung deutlich mehr zu bezahlen.» Damals habe man einfach begonnen. «Manchmal lohnt es sich halt, hart für etwas zu kämpfen, unsere volle Unterstützung hätten die Bauern in jedem Fall», so Huber

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