14.01.2016 10:03
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
Milchmarkt
Heftiges Ringen um Lactofama
Es regt sich Widerstand gegen die Exportfirma Lactofama. Milchbauern nehmen Betreibungen in Kauf, und bei Händlern ist von Austritt die Rede. Die SMP-Spitze warnt: Ohne Entlastung steigt der Preisdruck zusätzlich. Was denken Sie, liebe Leserinnen und Leser? Diskutieren Sie mit und stimmen Sie ab.

Die Situation auf dem Milchmarkt ist angespannt, die Verunsicherung hoch. Ein Grund dafür ist der gestiegene Widerwillen, dass die Last der Überschussverwertung von allen Produzenten gleichermassen geschultert werden soll. Erst am Freitag haben sich im Restaurant Traube in Müllheim TG rund 160 Milchbauern versammelt, die lieber eine Betreibung oder den Verbandsausschluss in Kauf nehmen, als dass sie 0,35 Rp./kg Milch an Lactofama beisteuern. 

Verlassen Miba und Nordostmilch Lactofama?

Am Rande der Diskussionen in der «Traube» war es jedoch eine andere Aussage, die besonders aufhorchen liess. «Miba und Nordostmilch treten aus der Lactofama aus, das ist beschlossene Sache.» Dieser Satz stammt von einem Vorstandsmitglied der Nordostmilch. «Die Schweizer Milchproduzenten (SMP) seien erschrocken, als sie hörten, dass zwei Hauptaktionäre aussteigen, die eine Milchmenge von 20 Prozent kontrollieren», so das Vorstandsmitglied weiter.

Auf Nachfrage dementieren die beiden Verbände: «Das einzige, was wir beschlossen haben, ist, dass wir Lactofama definitiv bis Ende April unterstützen», erklärt der Vizepräsident des Verwaltungsrats der Nordostmilch, Ernst Bachmann. Über eine weitere Finanzierung werde erst noch beraten und wahrscheinlich im Februar entschieden.

Auch Miba bestätigt den Austritt nicht: «Wir sind Mitglieder der Lactofama und einer der wichtigsten Aktionäre. Entsprechend nehmen wir die Aufgaben der Lactofama wahr und finanzieren diese bis auf Weiteres, werden aber die Situation bei Bedarf und im Sinne unserer Produzenten neu beurteilen», erklärt Christophe Eggenschwiler, Geschäftsführer der Miba.

SMP warnt

Trotz Dementi bleiben damit Hintertüren für etwaige Austritte offen. Ein definitive Zusage zur Lactofama bleiben auch Prolait und der Biomilchpool bis heute schuldig. Während sich Letzterer positiv für eine weitere Beteiligung äussert, ist bei Prolait der Entscheid für eine Fortführung der Finanzierung noch hängig, und man zeigt sich wenig begeistert vom heutigen System.

«Die SMP sammeln Geld für Lactofama, ohne direkt Einfluss nehmen zu können, was damit passiert», sagt Prolait-Verwaltungsratspräsident Marc Benoit. Man werde sich genau überlegen, ob die Finanzierung weiterzuführen sei. Im Grundsatz glaube man zwar, dass Lactofama einen Beitrag zur Marktstabilisierung leiste, es bräuchte aber klarere Regeln.

SMP-Direktor Kurt Nüesch warnt eindringlich: «Es ist absehbar, dass ohne eine Marktentlastung via Lactofama diesen Frühling mit zusätzlichem Preisdruck und Preissenkungen auf breiter Front gerechnet werden müsste.»

Aktionäre

LactoFama AG ist eine gemeinsame Exportgesellschaft von Aaremilch AG, Arnold Produkte AG, Nordostmilch AG, Milchverband der Nordwestschweiz MIBA, Berner Emmi-Milchlieferanten Organisation Bemo, Milchproduzenten Mittelland MIMO, PMO Zentral-/Nord- und Ostschweiz ZeNoOs, Prolait Fédération laitière société coopérative, Fédération des sociétés fribourgeoises de laiterie FSFL, Zentralschweizer Milchproduzenten ZMP, Producteurs de lait des Laiteries Réunies LRG, Biomilchpool GmbH, Association des producteurs de lait de Cremo du Valais APLCV und Schweizer Milchproduzenten SMP. blu

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