5.08.2015 06:13
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Milchmarkt
Heumilch auch in der Schweiz
Heumilch-Produkte aus Österreich sind erfolgreich. Nun soll auch Schweizer Käse unter dieser Marke exportiert werden. Den Begriff «Heumilch» verstehen Konsumenten viel besser als «silofrei». Was halten Sie vom Projekt Heumilch Schweiz, liebe Leserinnen und Leser? Diskutieren Sie mit und stimmen Sie ab.

Heumilch-Produkte aus Österreich haben am Markt grossen Erfolg. 2014 stieg ihr Umsatz um 9 Prozent. Inzwischen werden jährlich bereits 430 Millionen Kilogramm Heumilch verarbeitet. Auch in Deutschland und in Südtirol stellen Käsereien und Molkereien Heumilch-Produkte her. In der Schweiz sprechen erst wenige Käsereien von «Heumilch», so etwa einige aus dem Thurgau, die neue Märkte im südwestdeutschen Raum erschliessen wollen.

ZMP in Kontakt mit Österreich

Das wollen die Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) nun ändern. Im jüngsten Newsletter schreiben sie, es sei schade um jeden Liter hochwertige, silofrei hergestellte Milch, die wegen Einschränkungen nicht in die Produktion von Emmentaler AOP oder Sbrinz AOP fliesse, sondern dem Industriemilchkanal zugeführt werden müsse. Schon seit Längerem überlegten sich die ZMP, wie die Wertschöpfung dieser Milch erhöht werden könnte.

So suchten die ZMP den Kontakt zur Arbeitsgemeinschaft (Arge) Heumilch Österreich sowie zur Organisation Heumilch Thurgau. «Nach intensiven Gesprächen zeichnet sich eine Lösung für eine enge Zusammenarbeit mit diesen beiden Organisationen ab», melden die ZMP. Ihr Geschäftsführer Pirmin Furrer erklärt, das Ziel müsse sein, dass in der Schweiz eine Untersektion der Arge Heumilch Austria entstehe.

Ziel: Gemeinsamer Auftritt am Markt

Auch die bernische Milchvermarktungsorganisation Aaremilch sei in die Überlegungen eingebunden. «Die grün-weisse österreichische Bildmarke soll in der Schweiz auch geschützt werden. Dabei wird aber das rote Gütesiegel der Agrarmarkt Austria (AMA) ersetzt», so Furrer. Laut ihm wird derzeit geprüft, das österreichische Heumilch-Reglement auch in der Schweiz anzuwenden. Er betont: «Noch muss die Arge Heumilch Austria die Zusammenarbeit formell genehmigen.»

Verwendet werden soll das Schweizer Heumilch-Logo vor allem auf Käsen, die exportiert werden. Die Alpenländer könnten dann unter dem Namen «Heumilch» auf dem Markt gemeinsam auftreten. Ob das Logo ausschliesslich für Käsespezialitäten oder auch für Sortenkäse angewendet wird, kann Furrer noch nicht sagen.

Heumilch statt silofrei

Langfristig müsse  das Ziel sein, von der Bezeichnung «silofrei hergestellte Milch» ganz wegzukommen und stattdessen nur noch von «Heumilch» zu sprechen. Denn Untersuchungen haben gezeigt, dass sich Kunden bei einem Produkt aus Heumilch sehr schnell etwas vorstellen können, was bei der Bezeichnung «silofrei» überhaupt nicht der Fall ist.

Gemäss österreichischen Fachmedien stieg der Umsatz der Arbeitsgemeinschaft Heumilch im vergangenen Jahr um 9 Prozent - 2014 wurden demnach über 430 Millionen Kilogramm Heumilch-Produkte vermarktet.


Vermarktungsproblem


Hintergrund der Offensive für Heumilch ist ein Vermarktungsproblem: Da die Produktion von Emmentaler und Sbrinz AOP beschränkt ist, um die Menge zu steuern und Überproduktion zu verhindern, ist zu viel silofreie Milch auf dem Markt. So wird diese hochwertige Milch zu einem tieferen Preis als Industriemilch vermarktet und zu Trinkmilch, Joghurt oder Butter verarbeitet.

Das schlägt sich auch deutlich im Portemonnaie der Bauern nieder: Gemäss Bundesamt für Landwirtschaft lag der Preis für ein Kilogramm Käsereimilch Anfang Jahr bei knapp 73 Rappen, jener für Industriemilch hingegen nur bei gut 56 Rappen. sda

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