26.09.2016 10:26
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
Heumilch: Raus wird Pflicht
Der Verein Heumilch macht das Tierwohlprogramm Raus «Regelmässiger Auslauf im Freien» ab sofort zur Pflicht. Zuerst sah das Reglement eine Übergangsfrist bis 2021 vor. Der Schweizer Tierschutz kritisierte in der Folge diesen Passus scharf. Ein Verfütterungsverbot von Soja wird nicht eingeführt.

«So etwas als naturnah zu verkaufen, ist Etikettenschwindel», sagte der Geschäftsführer des Schweizer Tierschutzes (STS) Hansuli Huber, Anfang September gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Huber störte sich an den Übergangsvorschriften von fünf Jahren, die das Reglement des Verein Heumilch vorsah.

Ausnahme für besondere Härtefälle

Das Raus-Programm sollte erst in fünf Jahren, also 2021, für alle Heumilchproduzenten obligatorisch werden. Diese Vorgaben würden es erlauben, dass die Heumilchkühe bis 2021 praktisch permanent im Stall angebunden blieben und nur 90-mal pro Jahr für ein bis zwei Stunden von der Kette gelassen würden, kritisierte der Tierschutz.

Das heftige Intervenieren zeigt nun Wirkung. Am Montag nun teilt der Verein Heumilch mit, dass der Raus-Standard per sofort für Heumilchproduzenten vorgeschrieben ist. «Die Argumente des Schweizer Tierschutzes haben den Vorstand vom Verein Heumilch überzeugt», heisst es im Communiqué.

Um besondere Härtefalle nicht von der Heumilch-Produktion auszuschliessen, erhalten in Ausnahmefällen Milchproduzenten auf begründeten Antrag bis zum 31.12.2017 Zeit, den Raus-Standard zu erfüllen. Laut Statistik vom Bundesamt für Landwirtschaft werden in der Schweiz bereits 81 Prozent der Kühe nach den Vorgaben von Raus gehalten.

Kein Soja-Verbot

Ein Fütterungsverbot von Soja hingegen will der Verein nicht einführen. Dies sei nicht zielführend, da heute bereits 94 Prozent der hiesigen Sojaimporte aus verantwortungsvoller Produktion stammten. «Auch wäre es möglich, in der Schweiz diesen für Tiere gut verträglichen Eiweisslieferanten anzubauen», betont der Verein. Das Reglement sieht insgesamt einen Kraftfutteranteil von maximal 10 Prozent zu.

Mit dem Verein Heumilch wollen die Milchbauern silofreie Milch besser positionieren. Die Produktion von Emmentaler und Sbrinz AOP wird beschränkt, um eine Überproduktion zu verhindern. So gelangt silofreie Milch auf dem Markt. Diese soll nun in den Regalen des Detailhandels unter dem Label Heumilch verkauft werden. Die Gründung gelte auch als symbolischer Startschuss für viele Milchproduzenten und Käsereien, den Fachbegriff Käsereimilch oder silofreie Rohmilch durch Heumilch auszutauschen, teilte der Verein bei der Gründung mit.

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