10.05.2013 06:33
Quelle: schweizerbauer.ch - Michael Wahl, LID
Äpfel
High-Tech in der Lagerhaltung
Äpfel sind die beliebtesten Früchte der Schweizer. Auch Monate nach der Ernte sind sie noch so knackig und frisch, als wären sie erst gerade vom Baum gepflückt worden. Dahinter steckt viel High-Tech. Ein Besuch in der Obsthalle Sursee.

Frostige Temperaturen, kaum Sauerstoff, dafür viel CO2: Lebensfeindliche Bedingungen herrschen in den 35 Räumen, deren massive, gelbe Schiebetüren so gross sind wie Garagentore. Es ist das Herzstück der zur Fenaco gehörenden Obsthalle Sursee: Ein gigantisches Lager für Tausende Äpfel.

Rund 10 Mio. Franken hat der Landwirtschaftskonzern investiert, um Lagerung, Verpackung und Sortierung auf den neusten Stand zu bringen. Dank viel High-Tech hat der Schweizer Apfel mittlerweile das ganze Jahr Saison. "Wir können an 365 Tagen makellose, knackig-frische Äpfel aus der Schweiz anbieten", erklärt Markus Hämmerli, Category-Manager Kernobst bei der Fenaco.

25 Apfelsorten

Rückblende: Geerntet wurden die Äpfel, die man derzeit in den Läden kaufen kann, von September bis Oktober. In dieser Zeit herrscht Hochbetrieb in der Obsthalle Sursee: Täglich werden Äpfel in riesigen, grünen Kunststoff-Harassen angeliefert, die je bis zu 280 kg Obst fassen. Bis Ende Herbst kommen so rund 8'000 Tonnen zusammen, produziert von 70 Obstbauern aus der Zentral- und Ostschweiz.

Eingelagert werden rund 25 Apfelsorten. Denn: "Die Konsumenten schätzen eine grosse Auswahl", so Hämmerli. Die Vorlieben seien äusserst verschieden. Die einen Konsumenten würden lieber grüne Äpfel essen, andere wiederum bevorzugten rote. Auch beim Geschmack sei die Bandbreite gross: Zwar seien süsslich-milde Sorten besonders beliebt, doch auch eher säuerliche Äpfel hätten ihre Liebhaber.

Äpfel im Tiefschlaf

Damit die im Herbst geernteten Äpfel auch noch im Sommer punkto Geschmack und Äusserem überzeugen, müssen sie entsprechend gelagert werden: in luftdichten Räumen, wo der Sauerstoff-Gehalt auf ein bis drei Prozent abgesenkt, der CO2-Gehalt hingegen erhöht wird und die Temperaturen nur knapp über dem Gefrierpunkt liegen. Damit wird der Reifungsprozess verlangsamt, die Äpfel bleiben quasi auf dem Ernte-Stand konserviert.

Hämmerli: "Wir versetzen die Äpfel in einen Winterschlaf." Das erfordert viel Fingerspitzengefühl. Denn die Temperaturen sowie die Gehalte an Kohlenstoffdioxid und Sauerstoff dürfen weder zu tief noch zu hoch sein, sonst halten die Äpfel nicht bis im Sommer durch. Deshalb werden diese Werte ständig durch einen Computer überwacht – rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr. "Wenn sich ein Wert verändert, wird Alarm ausgelöst", erklärt Marie-Therese Lütolf Hofstetter, Leiterin der Obsthalle Sursee.

Apfel ist nicht gleich Apfel

Die Äpfel "schlafen" im Kühllager so lange, bis vom Detailhandel eine Bestellung eingeht. Dann muss alles schnell gehen. Denn frisch, knackig und makellos sollen die Äpfel in die Läden kommen. "Ist der Kunde enttäuscht von einem Apfel, kauft er beim nächsten Mal eine andere Frucht", erklärt Hämmerli. Entscheidend seien nicht nur Äusseres, Farbe und Grösse der Äpfel, sondern auch die "inneren Werte" wie Zuckergehalt und Festigkeit.

All dies wird in einem Raum überprüft, der auf den ersten Blick aussieht wie eine Abfüllhalle eines Getränke-Herstellers. Ein Roboter packt die grünen Harassen und manövriert die Äpfel in einen mit Wasser gefüllten Kanal. Das garantiert einen schonenden Transport. Danach sortiert eine Maschine die Früchte nach Farbe und Kaliber. Hier wird bestimmt, welche Äpfel dereinst als Klasse 1 im Laden landen, welche als Kochobst verkauft werden und welche als Ausschuss zu Most verarbeitet werden.

Einmal sortiert, landen die Äpfel wiederum in einem Kühllager. Erst am Tag der Auslieferung werden die Früchte schliesslich abgepackt – in Tragtaschen, Kartons oder Kisten für den Offenverkauf. Vorher werden Äpfel ein letztes Mal kontrolliert, dieses Mal von Hand. Homogene Gebinde sollen es sein. Will heissen: in der gleichen Verpackung sollen alle Früchte ähnlich gross sein. "Das garantiert eine ansprechende Präsentation in den Läden", so Hämmerli.

Hochsaison im Frühjahr

Die Detailhändler bestellen in der Regel am Morgen, am Nachmittag liefert die Fenaco bereits die gewünschten Äpfel aus. Dienstags sei es jeweils am ruhigsten, erklärt Lütolf Hofstetter. Ab Mittwoch ziehe das Geschäft an, die Anzahl Bestellungen würden jeweils im Hinblick auf das Wochenende zunehmen. Wie viel am Montag los sei, hänge stark davon ab, wie viel die Detailhändler am Wochenende verkauft hätten.

Von Januar bis Mai werden am meisten Äpfel gegessen. Denn Ende Jahr stehen Äpfel mit Orangen und Mandarinen in Konkurrenz, und ab April kommen bereits die ersten Sommerfrüchte wie Erdbeeren auf den Markt. Die Lager würden ausreichen, um den Markt bis im Sommer mit frischen Äpfeln zu versorgen, versichert Markus Hämmerli. Dank einer ausgeklügelten Lagertechnik.

Klimafreundliche Schweizer Äpfel

Schweizer Äpfel sind, auch wenn sie bis im Sommer gelagert werden, ökologischer als Importäpfel aus Übersee. Zu diesem Schluss kam eine Studie der ETH Zürich aus dem Jahr 2009. So verursache die Lagerung von einem Kilo Schweizer Äpfel bis Ende Juli maximal 0,35 kg CO2, während dieselbe Menge Neuseeländer Äpfel im besten Fall – direkt nach der Ernte und ohne Lagerung – auf rund 0,5 kg CO2 kommen.

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