2.05.2014 17:15
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Energie
Höhere Strompreise wegen höherem Netzzuschlag
In der Schweiz wird der Strompreis per Anfang nächstes Jahr durch die Anhebung des so genannten Netzzuschlags voraussichtlich teurer. Im Eilzugstempo sind die Behörden derzeit daran, die entsprechende Revision der Elektrizitätsverordnung voranzutreiben, damit der Bundesrat noch vor den Sommerferien entscheiden kann.

Mitte April wurden die interessierten Kreise für die geplante Änderung der Energieverordnung zu einer konferenziellen Anhörung eingeladen. Sie fand diese Woche statt, bis Ende kommender Woche läuft die Frist zur Einreichung von Stellungnahmen ab.

Bis anhin wurde über das Vorhaben nicht aktiv informiert, was gemäss Auskunft des Bundesamtes für Energiewirtschaft (BFE) in solchen Fällen üblich ist. Konkret soll der so genannte Netzzuschlag von heute 0,6 Rappen pro Kilowattstunde auf 1,1 Rappen angehoben werden.

Bis zu 50 Franken mehr pro Haushalt

Wird die Verordnungsänderung wie geplant durchgesetzt, so hat dies konkrete Auswirkungen auf das Portemonnaie der Strombezüger. Die Belastung dürfte für einen durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt mit Elektroboiler mit einem Stromverbrauch von 4500 Kilowattstunden von heute 27 auf 49.50 Franken pro Jahr steigen.

Für stromintensive Betriebe werden die Förderkosten in absoluten Zahlen ein Vielfaches ausmachen. Allerdings wurde mit der Änderung des Energiegesetzes, mit dem der maximale Zuschlag erhöht wurde, auch die Rückerstattung des Zuschlags für diese Unternehmen ausgebaut. Über das Ergebnis der konferenziellen Anhörung vom vergangenen Mittwoch war am Freitag nichts zu erfahren.

Privatkunden benachteiligt

Das Bundesamt für Energiewirtschaft (BFE) will sich erst zu einem späteren Zeitpunkt dazu äussern. Interessiere Kreise haben noch die Möglichkeit, sich bis am kommenden 6. Mai schriftlich dazu zu äussern.

Von dieser Möglichkeit will die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) Gebrauch machen. Gemäss Geschäftsführerin Sara Stalder ist die SKS zwar grundsätzlich mit der Erhöhung des Zuschlags einverstanden, stört sich jedoch dagegen, dass alles auf den Kleinkonsumenten abgewälzt werden soll. Denn im Gegensatz zu Gewerbe und Industrie, die heute von günstigen Strompreisen profitieren könnten, seien die Privatkunden im System gefangen und könnten nicht einfach den Anbieter wechseln.

300 Millionen Franken Mehreinnahmen

Grosser Widerstand gegen die Vorlage ist kaum zu erwarten, zumal der Bundesrat den Netzzuschlag bereits heute auf 1,5 Rappen pro Kilowattstunde anheben könnte. Aus der nun geplanten Erhöhung von 0,6 auf 1,1 Rappen pro Kilowattstunde sollen jährlich 300 Millionen Franken Mehreinnahmen erzielt werden.

Davon werden gemäss BFE mindestens 135 Millionen Franken für die Auszahlung der so genannten Einmalvergütung beansprucht, 100 Millionen Franken sollen zur Auszahlung an Anlagen in den neuen Kontingenten der Kostenlosen Einspeisevergütung (KEV) sowie für im 2015 neu in Betrieb gehende Anlagen aus früheren Kontingenten ausgegeben werden. 20 Millionen Franken sind für weitere Massnahmen vorgesehen.

Tausende Aufträge für Photovoltaik-Anlagen erwartet

Die Auszahlung der Einmalvergütung dürfte dem Planungs-, Installations- Elektro- und Dachdeckergewerbe gemäss BFE alleine 2015 mehrere Tausend Aufträge für neue Photovoltaik-Anlagen generieren. Die heutige KEV-Warteliste mit mehr als 30'000 Anlagen soll bis Ende 2015 voraussichtlich um gut die Hälfte aller Anlagen abgebaut werden.

Mit der KEV wird die Produktion von Elektrizität aus erneuerbaren Energien gefördert. Das Fördermodell verpflichtet die Netzbetreiber zur Abnahme des in Neuanlagen erzeugten Stroms aus erneuerbaren Energien: Den Produzenten von Strom aus erneuerbaren Energien wird ein Preis garantiert, der ihren Gestehungskosten entspricht. Die KEV deckt damit die Differenz zwischen Gestehungskosten und Marktpreis.

Die Stiftung KEV, die von der nationalen Netzgesellschaft Swissgrid AG gegründet worden ist, verwaltet den dafür eingerichteten Fonds, der aus dem Zuschlag auf die Übertragungskosten der Hochspannungsnetze geäufnet wird.

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