28.04.2020 16:16
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Bern
Hof: Stadt Bern sucht neuen Pächter
Landwirt Hansueli Weber will 2028 in Pension gehen.Die Stadt Bern will den Hof in der Elfenau erhalten, deshalb sucht sie einen neuen Pächter. Der Gemeinderat strebt eine «ökologische Optimierung» des Betriebs an.

Die Elfenau, am südlichen Stadtrand von Bern gelegen, erstreckt sich zwischen dem östlichen Ende des Brunnadernquartiers und der Gemeindegrenze zu Muri im Nordosten. Es gilt als Naherholungsgebiet. Zudem ist das Gebiet als Wohngebiet sehr begehrt, aber entsprechend teuer.

Bevölkerung verhinderte Verkauf

Dass in der Elfenau bis heute Landwirtschaft betrieben wird, ist auch der Quartierbevölkerung zu verdanken. In den 2000er-Jahren bestanden Pläne, ein Teil der Grünflächen, die rund 5 ha grosse Manuelmatte, zu überbauen. Und 2009 hatte die Stadt die Absicht geäussert, den Hof zu veräussern. 

Dies deshalb, weil rund 1,4 Millionen Franken wären nötig gewesen, um den Betrieb an das Tierschutzgesetz anzupassen. In beiden Fällen regte sich in der Bevölkerung Widerstand. Nach einer turbulenten Informationsveranstaltung, drei Vorstössen im Stadtrat und Dutzenden Briefen an die Stadtverwaltung lenkte der Gemeinderat. Die Stadt liess die Pläne fallen, Landwirt Hansueli Weber den Pachtvertrag zu künden. Für rund 300'000 Franken wurde der Kuhstall in der Folge an die Vorgaben angepasst. Die Schweinehaltung gab der Landwirt auf.

SP will Betrieb mit Modellcharakter

Wie die Zeitung «Der Bund» berichtet, will Landwirt Weber, der den Betrieb in der vierten Generation pachtet, im Jahr 2028 in Pension gehen. Für den 19 Hektaren grossen Betrieb gibt es mit grosser Wahrscheinlichkeit familienintern keinen Nachfolger. 

Die SP-Fraktion der Stadt Bern will mit einem Vorstoss den «Stadtbauernhof Elfenau» erhalten. Sie fordert den Gemeinderat auf, den Weiterbestand des Bauernhofes in der Elfenau sicherzustellen und die Rahmenbedingungen für einen zukunftsträchtigen Betrieb mit Modellcharakter zu schaffen. Zudem soll die Stadtregierung ein nachhaltiges Betriebskonzept erarbeiten, das ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Kriterien erfüllt. Dabei sei die Quartierbevölkerung einzubeziehen.

Finanziell selbsttragend

Der SP denkt dabei an die Direktvermarktung von Hofprodukten, einen Begegnungs- und Bildungsort für die Bevölkerung sowie eine Umstellung auf biologische Produktion. Der Stadtberner Gemeinderat will den Hof erhalten, wie es in der Antwort auf den SP-Vorstoss heisst. «Das Ziel besteht darin, einen neuen Betrieb zu ermöglichen, der langfristig gesichert und finanziell selbsttragend ist», sagt der zuständige Gemeinderat Michael Aebersold (SP). 

Anzustreben sei eine ökologische Optimierung. Das heisst für den Gemeinderat: «Der neue Betrieb sollte möglichst viele Lebensmittel aus tier- und artgerechter Haltung und umweltschonender Herstellung produzieren», wünscht sich Aebersold.

Pächter soll Betriebskonzept vorlegen

Für die langfristige Sicherstellung des landwirtschaftlichen Betriebs sei es wichtig, dass von der künftigen Pächterschaft ein entsprechendes Betriebskonzept vorgelegt wird, so Aebersold. Anschliessend wird gemäss Gemeinderat entschieden, welche Investition vorgenommen werden. 

Rahmenbedingungen, die der künftige Pächter zwingend zu erfüllen hat, werden derzeit erarbeitet. Mitreden können hier Quartierbewohner wie auch die Quartierorganisation sowie die Interessengemeinschaft Elfenau.

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