12.12.2012 07:24
Quelle: schweizerbauer.ch - Ruth Bossert, LID
Direktvermarktung
«Ich investiere auch heute noch jeden Franken in den Betrieb»
Direktvermarktung hat in Schweizer Bauernfamilien mittlerweile einen hohen Stellenwert. Auch Ursula Monhart hat diese Arbeit für sich entdeckt – und das als Full-Time-Job.

Wenn Ursula Monhart aus Schlatt TG am Samstag ihre Kunden frisch, fröhlich und stets mit einem Lachen auf den Lippen begrüsst, da denkt kaum jemand, dass die knapp vierzigjährige Frau bereits die halbe Nacht in der Backstube stand und mit mehr als 20 Kilo Mehl die unzähligen Zöpfe, die verschiedenen Brotsorten und das umfangreiche Kleingebäck hergestellt hat.

"Ohne die Hilfe meiner Familie im Hintergrund ginge es nicht"

"Die Nacht von Freitag auf den Samstag ist jeweils kurz", erklärt Monhart, die seit sechs Jahren auf dem Hof ihres Ehemanns Pascal lebt und seit Beginn in eigener Regie und mit viel Engagement, Wille und harter Knochenarbeit den gut florierenden Hofladen betreibt. Von Anfang an war klar, dass es nur einen bedienten Hofladen geben wird: "Ich bin ein kommunikativer Mensch, ich brauche den Kontakt zu meiner Kundschaft, nur so kann ich ihre Wünsche und Bedürfnisse erfahren und erfülle", ist Monhart überzeugt.

Die anfängliche Idee hat ihr Recht gegeben. Sie hat ihr Angebot in den vergangenen Jahren stetig erweitern können, hat mittlerweile zwei Frauen vom Dorf, die sie mit je einem Teilzeitpensum unterstützen, und ein anpackendes familiäres Umfeld, auf das sie sich hundertprozentig verlassen kann. "Ohne die Hilfe meiner Familie im Hintergrund ginge es nicht", sagt sie ernst.

Trotzdem, viel Bares konnte sie in all den Jahren nicht auf die hohe Kante legen. Auch wenn sie heute gut ununterwegs sei, viele Stolpersteine aus dem Weg geräumt seien und das Umfeld stimme: "Ich investiere auch heute noch jeden Franken in den Betrieb". Ursula Monhart bezeichnet ihren Laden aber auch als Leidenschaft, die ausgelebt werden will.

Mehr als Standard

Heute ist das Angebot im Hofladen breit. Neben den Standardprodukten, zu denen Brot- und Backwaren, Joghurt, Konfitüre, Sirup und Teigwaren zählen und die seit Beginn weg im Sortiment sind, ist heute eine grosse Palette an Weinsorten, Tees und Kräutern, Honig, Käse, Dörrfrüchten sowie speziell jetzt in der Vorweihnachtszeit das Kleingebäck, das Magenbrot, die gebrannten Mandeln, Weihnachtsguetzli, Punsch und eine breite Auswahl an Fleisch- und Wurstwaren von ihren eigenen Tieren im Angebot. Mit den eher altmodischen Patisseriesachen wie Vogelnestli, Kokosmakrönchen, Spitzbuben habe sie den Nagel auf den Kopf getroffen: "Diese Backwaren sind der Renner."

Gastro und Tourismus

"Ich habe eine treue Stammkundschaft aus der weiteren Region, die bei mir einkauft", erzählt sie. Eine Besenbeiz und ein weiterer Hofladen beliefert sie regelmässig mit ihren Produkten und zur Weihnachtszeit kaufen viele Firmen die Kundengeschenke bei ihr ein. Ein Grossteil des Angebotes wird auf dem Hof hergestellt. Dank der guten Lage war es auch nahe liegend, auf dem Hof Bed&Breakfast anzubieten. Fünf Gäste werden in zwei Studios im Nebengebäude beherbergt.

"Unsere Region hat viel zu bieten, Rheinfall, Munot, Schaffhausen, das Klettgau und der Untersee/Bodensee liegen vor der Haustüre, dieses Potential müssen wir uns doch zu Nutze machen", sagt sie fachmännisch und lässt vermuten, dass die Bäuerin auch als Tourismus- und Hotellerie-Fachfrau weiss, was Menschen suchen.

Regional international

Auch wenn sie im Laden möglichst regionale Produkte verkauft und lange Transportwege vermeidet, darf es bei den B&B-Gästen dann ruhig etwas internationaler zu und her gehen. "Ich freue mich, wenn die Welt bei uns auf dem Hof zu Besuch ist." Sie verschweigt nicht, dass damit ihre früheren Reisen, ihre Arbeitsaufenthalte in Paris, in Hamburg und den USA und ihre Zeit bei der Showgruppe "Up With People" wieder aufleben und dass sie dadurch ihre Fremdsprachen wieder nutzen kann.

Ursula Monhart hatte zunächst eine kaufmännische Ausbildung mit Berufsmatur absolviert. Später besuchte sie unter anderem eine Tourismusfachschule und hat, bevor sie auf den Hof kam, ein Restaurant geführt. Damals hätte sie sich nie vorstellen können, als Quereinsteigerin auf einem Bauernhof Fuss zu fassen, lacht sie und erklärt gleichzeitig, dass sie diesen Schritt bis jetzt nicht bereue. Reich sei ihr Leben heute, erklärt sie mit strahlenden Augen und erwähnt die beiden Pflegekinder, die bei ihnen schutzplatziert leben und die sie von Herzen liebe.

Bäuerinnen dürfen sich nicht ausspielen

Auch wenn Ursula Monhart ihren Hofladen mit Herzblut betreut, nächtelang in der Backstube steht und noch tausend andere Dinge oft gleichzeitig tut, fühlt sie sich als Frau in der Landwirtschaft und engagiert sich deshalb auch im Vorstand des Thurgauer Landfrauenverbandes (TLFV) und im Verband Thurgauer Landwirtschaft (VTL), wo sie das Ressort Paralandwirtschaft betreut. In diesen Gremien setzt sie sich dafür ein, dass die Verbände öffentlich zu den landwirtschaftsnahen Tätigkeiten stehen und deren Wert – der direkte Zugang zu den Konsumenten – anerkennen. Sie sieht dies auch als beispielloses Marketing für die gesamte Landwirtschaft.

Hinzu komme, dass ein grosser Teil der Arbeit in diesem Sektor von den Bäuerinnen bewältigt werde und deshalb ist sie überzeugt, dass eine Bäuerin, welche Gäste betreut oder Waren verkauft, für die Landwirtschaft genau so wertvoll ist, wie eine Bäuerin, die Kühe melkt oder mit dem Traktor fährt. Zusammen mit dem TLFV hat die kompetente Frau auch den Landfrauen- Apéroservice ins Leben gerufen, der sich im Thurgau sehr gut etabliert habe.

Nur bei wirklichen Notfällen hilft sie auch mal im Stall oder ihr Mann liefert dann und wann einen Zopf aus. Ab und zu gebe es auch Ferien für sie als Paar. Skandinavien im Winter gefalle ihnen besonders. Zeit nimmt sie sich auch für ihren Freundeskreis, "den lass ich mir nicht nehmen."

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