16.07.2015 10:11
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
St. Gallen
Im Trend: 25 Jahre St. Galler Bauernmarkt
Der St. Galler Bauernmarkt ist 25 Jahre alt und voll im Trend. Die Städter schätzen die frischen und selbstgemachten Lebensmittel vom Bauern aus der Region, die Bauern verstehen sich als Botschafter und halten gerne einen Schwatz am Marktstand.

An den Freitagvormittagen von April bis November ist beim Vadian-Denkmal in St. Gallen viel los. Frühmorgens richten 14 Bauernfamilien aus der Region den St. Galler Bauernmarkt ein. Ein Traktor fährt die Marktstände vor, fleissige Hände stellen einen Stand nach dem andern auf und legen die Waren aus.

Aufklärung für Konsumenten

Um 7.30 Uhr ist alles bereit. Angeboten wird eine Fülle frischer Gemüse, knackiger Brote, duftender Backwaren, verschiedenster Käsespezialitäten, saftiger Fleischstücke und farbenprächtiger Blumensträusse. Die ersten Marktgänger warten bereits, bis sich die Bauerntöchter oder -söhne, die Grossmutter oder der Bauer höchstpersönlich mit ihren Kassen installiert haben.

Was vor 25 Jahren als Informationsveranstaltung für kritische Konsumentinnen begann, ist in St. Gallen rasch zu einer beliebten Institution geworden und heute nicht mehr wegzudenken. Jeden Frühling warten die Städter mit Sehnsucht darauf, dass die Bauern aus der Region wieder ihre selbstgemachten Produkte in die Ostschweizer Einkaufsmetropole bringen.

Schwatz inklusive

«Ich bekomme nirgendwo sonst in der Stadt so frisches Gemüse, das zudem noch so wenig kostet», sagt eine Marktbesucherin, während eine Touristin aus Fernost die schönen Beeren und Blumen bewundert und an einem Stand ein Stückchen Bauernschinken probiert. Ein Mann erzählt, dass er jeden Freitag wegen des Bauernmarkts vom Bodensee nach St. Gallen fahre, weil dort die besten Backwaren vom Bauernhof zu kaufen seien.

Das besondere am Bauernmarkt sei die Stimmung, sagt Rolf Bischofberger, Präsident des Vereins St. Galler Bauernmarkt, gegenüber der Nachrichtenagentur sda. «Bei den Grossverteilern bekommen Sie ebenfalls Produkte aus der Region, bei uns gibt es dazu aber noch Informationen direkt vom Produzenten oder auch nur einen Schwatz.»

Frisch gebacken

Für den Bio-Bauern aus dem entlegenen Büriswilen ist der Markt eine willkommene Abwechslung. «Als Bauer ist man eher ein Einzelkämpfer. Deshalb schätze ich den persönlichen Kontakt zu den Kunden sehr», sagt der langjährige Marktfahrer. Der Bauer aus dem Appenzellerland kommt seit vielen Jahren zusammen mit einer Helferin und verkauft beim Vadian-Denkmal frisches Brot, Zopf und Gebäck, das seine Frau - eine gelernte Konditorin - in aller Herrgottsfrühe in ihrer Backstube auf dem Hof mit viel Liebe hergestellt hat.

Weil die Bauern sich auch als Botschafter verstehen, müssen alle Marktfahrer mindestens ein Familienmitglied an die «Verkaufsfront» schicken. «Ausserdem bringt jede Familie einmal im Jahr einige Tiere von ihrem Hof mit, an denen sich vor allem die kleinsten Besucherinnen und Besucher freuen.

Direktverkauf als Standbein

Natürlich gehen die 14 Bauernfamilien nicht nur wegen der guten Atmosphäre nach St. Gallen, sondern weil sie mit dem Bauernmarkt gutes Geld verdienen. «Für viele Familien ist der Bauernmarkt das wichtigste Standbein», sagt Roman Schildknecht, der zusammen mit seiner Frau in Mörschwil oberhalb des Bodensees Gemüse anbaut.

Weil der Zwischenhandel wegfalle, verdienten die Bauern mit dem Direktverkauf mehr. »Wir bemühen uns, dass die Kunden zufrieden sind, und schauen darauf, dass Angebot und Nachfrage auf dem Bauernmarkt ausgewogen bleiben. Deshalb können wir trotz vieler Anfragen keine neuen Mitglieder in unseren Verein aufnehmen«, sagt der Kassier.

Stadt kassiert Miete

Obwohl der Markt die Innenstadt belebt und auch gerne von Touristen besucht wird, erhalten die Bauern keine Sonderbehandlung. Für die 35 Märkte pro Jahr bezahlt der Verein St. Galler Bauernmarkt an die Stadt einen Mietzins von 10'000 Franken. Das sei in Ordnung und solle auch so bleiben, findet der Vereinspräsident, und der Kassier nickt.

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