23.04.2019 18:38
Quelle: schweizerbauer.ch - Lucas Huber
Bio Suisse
Impfstoff hält Bio Suisse auf Trab
Der Einsatz des Gentech-Impfstoffs Vaxxitek stellt Bio Suisse auf eine harte Probe. Die Suche nach alternativen Impfstoffen läuft.

Die Emotionen kochten hoch im vergangenen November. Bio Suisse hatte den Gentech-Impfstoff Vaxxitek zugelassen, um dem grassierenden Gumboro-Virus bei Hühnern Herr zu werden. Gentechnisch modifizierter Impfstoff in der Biolandwirtschaft? «Sakrileg!», schrien die einen, «alternativlos», die anderen. Dem Vorstand wurde schliesslich Kompetenzüberschreitung vorgeworfen, die Wellen glätteten sich auch schnell wieder.

Drittel will kein Vaxxitek

Ganz verebbt sind sie allerdings noch nicht. Denn Biobauern dürfen ihren Masthähnen Vaxxitek noch bis Ende 2019 verabreichen. Doch eine Alternative soll her. Darum wurde eine Arbeitsgruppe gegründet, in der Mäster, Tierärzte, Behörden, Bio-Suisse-Vertreter und weitere vertreten sind. Sie sollen den Puls fühlen und das weitere Vorgehen eruieren.

Eine interne Umfrage hat ergeben, dass 63 Prozent der Befragten dafür ist, Ausnahmen wie die aktuelle zu ermöglichen. Ein Drittel sagt aber auch, es müsse ohne Vaxxitek gehen. Das Problem: Ohne den Impfstoff sind die Mastpoulets heute während rund zehn Tagen ungeschützt auf der Weide. «Das ist bei hohem Virusdruck nicht hinnehmbar», erklärt Thomas Pliska, Bereichsleiter Landwirtschaft bei Bio Suisse. Eine Anpassung der Bioverordnung habe das Bundesamt für Landwirtschaft abgelehnt, ein späterer Weidebeginn kommt also nicht infrage. «Gemäss BLW ist Vaxxitek die beste Lösung aus Sicht des Tierwohls und der Tiergesundheit», so Pliska.

Eine Güterabwägung

Eine einfache Lösung ist also nicht in Sicht. Doch die Suche nach alternativen Antworten – und alternativen Impfstoffen – läuft. Auch mit der ETH ist man in Austausch, ausserdem wurde ein Bericht zur ethischen Einschätzung des Ganzen in Auftrag gegeben. Dessen Resultate stehen noch aus. Letztlich ist es eine Güterabwägung: Tierwohl versus Vertrauen, Tiergesundheit versus Glaubwürdigkeit – und Bio versus Gentech.

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