27.12.2017 11:40
Quelle: schweizerbauer.ch - Eveline Dudda, lid
Futtermittel
Importieren oder produzieren?
Die Importe von Futtermitteln und das Verfüttern von Kraftfutter steht öfters im Fokus der Kritik. Dies obwohl die Schweiz ein Grasland und der Einsatz von Kraftfutter vergleichsweise gering ist.

Während der Mensch nur das isst, was speziell als Nahrungsmittel angebaut und hergestellt wurde, fressen Tiere auch Nebenprodukte. Diese fallen bei der Produktion und Verarbeitung von Lebensmitteln an. Zum Beispiel Molke, welche beim Käsen entsteht und zur Schweinefütterung verwendet wird. Oder Ölkuchen, der als Pressrückstand bei der Ölgewinnung anfällt und in der Geflügelfütterung eingesetzt werden kann.

Mehr Nutztiere als Menschen

Auch Gras gehört im weitesten Sinn zu den Nebenprodukten: Man könnte es als ein Kuppelprodukt der Offenhaltung der Landschaft bezeichnen. Abgesehen von den Hochalpen wächst Gras überall dort, wo früher einmal Wald stand. Raufutterverzehrer sind in der Lage dieses Gras zu nutzen. Der Mensch kann das nicht. Rein statistisch gesehen leben in der Schweiz mehr Nutztiere als Menschen. Allerdings sind viele dieser Nutztiere sehr klein, bei 10 Millionen davon handelt es sich nämlich um Hühner. Auf der anderen Seite sind einige Nutztiere ziemlich gross, schliesslich leben hierzulande auch 1,5 Mio. Rindviecher.

Praktisch alles Fleisch, alle Eier und der weitaus grösste Teil der in der Schweiz produzierten Milch werden im Inland konsumiert. Ausser beim Käse finden keine nennenswerten Exporte von tierischen Produkten statt. Im Gegenteil: Der inländische Bedarf an Lammfleisch, Eiern und Geflügelfleisch kann nur rund zur Hälfte mit inländischen Produkten gedeckt werden.

Mehr Importe wegen Agrarpolitik

Die Futtermittel für diese Tiere werden zu 85 Prozent in der Schweiz produziert, rund 15 Prozent werden importiert oder fallen als Nebenprodukt von importierten Rohstoffen an. Die Tendenz ist allerdings steigend. In der Vergangenheit stiegen die Futtermittelimporte stets als Reaktion auf (agrar-) politische Entscheide.

Als im Zuge der BSE-Krise die Verfütterung von Tiermehl verboten wurde, schnellten die Sojaimporte umgehend in die Höhe. Dasselbe passierte nach der Aufhebung der Milchkontingentierung. Der inländische Futtergetreideanbau sank im Gleichschritt mit der Herabsetzung der Zölle für Futtergetreide. Und die Heuimporte erhöhten sich parallel zur Ausbreitung der extensiven Wiesen, welche von der Agrarpolitik stark gefördert wurden.

Billig importieren, teuer exportieren


Die Weichen, die der Bundesrat mit der Agrarpolitik 2022 stellen will, dürften ebenfalls nicht folgenlos bleiben. Der Abbau des Grenzschutzes wird teilweise damit begründet, dass die Landwirtschaft nach dem Vorbild der Schweizer Industrie vermehrt billige Vorleistungen (wie Futtermittel) importieren und teure Markenprodukte exportieren kann.

Ob diese Rechnung aufgeht? Zweifel sind erlaubt. Die gesellschaftliche Kritik an den Futtermittelimporten wird immer lauter. Kaufen die Bauern vermehrt billige Futtermittel im Ausland ein, um konkurrenzfähiger zu sein, setzen sie damit gleichzeitig den Goodwill der Bevölkerung aufs Spiel. Und das könnte sie wesentlich mehr kosten als sie mit dem Einkauf von billigeren Vorleistungen einsparen.

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