21.05.2014 11:06
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Fleischmarkt
Importkontingent für Bauern
Wer ein Tier (ausser Schweine und Geflügel) im Auftrag schlachten lässt, hat neu Anrecht auf ein Fleischimportkontingent. Davon profitieren zum Beispiel Direktvermarkter. Sie können mit ihrem Kontingent handeln.

Mit der teilweisen Wiedereinführung der Inlandleistung beim Fleischimport werden neu 40% der gesamten importierten Menge an Rind-, Kalb-, Pferde-, Ziegen- und Schaffleisch nach Schlachtungen zugeteilt. Ab dem 1. Januar erhält der sogenannte «Schlachtauftraggeber» Kontingentsanteile pro geschlachtetes Tier der genannten Gattungen.

Zwei Möglichkeiten

In den meisten Fällen ist der Auftraggeber der Schlachtbetrieb selber, da er die Tiere kauft und das Fleisch vermarktet. Ein Auftraggeber kann aber auch ein Direktvermarkter sein, der das Fleisch seiner Tiere zurücknimmt. «In diesem Fall muss der Landwirt darauf bestehen, dass die Schlachtung auf seine TVD-Nummer gemeldet wird», sagt Martin Rufer, Leiter des Departements Produktion, Märkte und Ökologie beim Schweizer Bauernverband.

«Anschliessend muss er  unter seinem Agate-Account ein Gesuch für Kontingentsanteile stellen.» Ein Gesuch für das Jahr 2015 ist bis am 31. August 2014 zu stellen. Laut Rufer haben Landwirte mit Importkontingenten zwei Möglichkeiten: «Sie können entweder das Fleisch selber importieren oder sie können die Kontingente verkaufen.» Käufer könnte zum Beispiel der Metzger vom Dorf sein.

Es würden aber auch bereits Inserate geschaltet von mittelgrossen Metzgereien und Fleischhändlern, die Kontingente kaufen wollen, weiss Rufer. «Eine weitere Möglichkeit ist, dass die Importanteile an den Schlachtbetrieb abgetreten werden und deren Wert direkt mit den Schlachtkosten verrechnet wird. So entfällt die Gesuchstellung für den Landwirt.»

50 bis 100 Franken

Doch welchen Wert hat so ein Kontingentsanteil zum Beispiel für eine Kuh? Eine Rechnung zeigt: Letztes Jahr wurden rund 19'000 t Rindfleisch innerhalb des Zollkontingentes zum Import freigegeben. 40%, also 7600 t davon, würden mit dem neuen System pro geschlachtetes Tier der Rindergattung zugeteilt. Insgesamt wurden letztes Jahr in der Schweiz 648'000 Stück Bank- und Verarbeitungsvieh sowie Kälber geschlachtet.

Pro Tier ergäbe sich damit ein Importkontingent von 11,7 kg Rindfleisch. Dieses besteht zum grössten Teil aus Kühen in Hälften, was laut Rufer einen Steigerungswert von 30 Rp. bis 1 Fr./kg hat. Ein Kilo Nierstück bringt dagegen einen Steigerungserlös von 10 bis 50 Fr./kg. Der Kontingentsanteil einer Kuh hat also einen Wert von rund 50 bis 100 Franken, je nach Jahr und Importmengen aber auch weniger.

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