15.01.2014 07:30
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Energie
Intelligente Stromzähler floppen
Die als Stromsparwunder gepriesenen Smart Meters sind weniger wirkungsvoll als gedacht, wie die Erfahrungen der Centralschweizerischen Kraftwerke (CKW) zeigen. Das Fazit des Versorgers ist: Den Kunden müssen vor allem finanzielle Aspekte klar werden, damit sie von sich aus Energie sparen. Dennoch schreibt die Branche die Smart Meters nicht ab.

Nur jene Kunden, die sich aktiv mit ihrem Verbrauch befassten und sich Gedanken über Energieeffizienz machten, sparten in einem dreijährigen Versuch nennenswert Strom: Die Einsparung betrug dabei maximal 3 Prozent, wie die Axpo-Tochter CKW am Montag mitteilte. Das seien für einen Durchschnittshaushalt nicht einmal 30 Fr. im Jahr.

Mithilfe eines Displays über Stromverbrauch informiert

Die CKW hatten das Projekt mit 1000 Smart Meters 2010 im Kanton Luzern lanciert. Etwa 400 Geräte wurden in Haushalten installiert, die dies selbst wünschten. 600 Zähler brachte der Energieversorger von sich aus an. Wenige Haushalte hatten mehrere Zähler; es nahmen etwas weniger als 1000 Haushalte am Versuch teil.

Beim Smart Meter können sich Kunden in ihrer Wohnung mithilfe eines Displays über den Stromverbrauch informieren und beispielsweise die Waschmaschine dann laufen lassen, wenn der Strom günstiger ist. Viele der CKW-Kunden mit Smart Meter verloren im Laufe der Zeit aber das Interesse an einer genauen Beobachtung ihres Verbrauchs.

Investition in die Zukunft

Auch die Bereitschaft, für den Einbau der Geräte zu zahlen, war laut den CKW gering. Die Kosten für die Installation, rund 400 Fr. pro Zähler, trug der Versorger selbst. Die CKW ziehen nun den Schluss, dass der Nutzen der Smart Meters gekoppelt mit dem Willen des Kunden sei, das eigene Verbrauchsverhalten nachhaltig zu verändern. Nur Unter dieser Voraussetzung könnten die Messgeräte sinnvoll sein.

Die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) haben ähnliche Erfahrungen gemacht wie die CKW. Allerdings wird der Anbieter die intelligenten Stromzähler während der nächsten 15 bis 20 Jahre flächendeckend einführen, weil sie aus Sicht des Unternehmens Prozesse wie das Stromablesen erleichtern. Die CKW planen die breite Einführung der Smart Meters bei Privathaushalten derzeit nicht. Firmenkunden der CKW nutzen sie jedoch.

Durchbruch nach Strommarkt-Liberalisierung?

Auch andere Versorger probieren mit Smart-Meter-Projekte die Technologie. Der Verband Schweizerischer Elekrizitätsunternehmen (VSE) will die Geräte keineswegs abschreiben. Im Gegenteil seien sie eine Investition in die Zukunft, hiess es vom der VSE-Kommunikationsstelle.

Der Nutzen sei aus heutiger Sicht tief, wenn man auf den Preis schaue. Dies könnte sich aber ändern, wenn die Kunden - wie heute schon die Unternehmen - dereinst den Energieanbieter selbst wählen können (sog. Marktöffnungsschritt Zwei), weil die Technologie der Vergleichbarkeit von Angeboten diene, sagte eine Sprecherin.

Mehr Anreize

Die CKW weisen drauf hin, dass die Technologie für Smart Meters bei einer flächendeckenden Einführung «nicht zu unterschätzende» Kosten verursachen würden. Einen Markt für System-Standardlösungen gebe es nicht. Auch regulatorische und technologische Normen fehlten.

Ein wirkungsvollerer Weg zu mehr Energiesparen sind aus Sicht der CKW im Moment Fördermassnahmen, auch über finanzielle Anreize. Ein Wechsel der Umwälzpumpe kann den Stromverbrauch beim Heizen um 75 bis 80 Prozent senken. Die Heizkosten betragen rund 30 Prozent der gesamten Stromkosten eines Haushalts.

Die CKW machen ihren Kunden laut einer Unternehmenssprecherin auch eine effizientere Beleuchtung in Treppenhäusern schmackhaft. Mit Bewegungsmeldern würden etwa in Mehrfamilienhäusern die Stiegenhauslampen weniger lange brennen. Förderprogramme werden branchenweit angewandt. Stromversorger lancieren zum Beispiel zeitlich begrenzte Programme, mit denen die Kunden finanzielle Anreize etwa beim Wechsel auf effizientere Kühlschränke oder Kaffeemaschinen in Anspruch nehmen können.

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