17.07.2014 11:33
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Unwetterschäden
«Jeden Schaden umgehend melden»
Bereits hat es mehrmals gehagelt in diesem Jahr. Laut Pascal Forrer, Direktor der Schweizer Hagel, dauert die Hagelsaison aber noch bis im September. Auch kleine Schäden an Kulturen sollten rasch gemeldet werden.

«Schweizer Bauer»: Wie war das Jahr 2014 bisher bezüglich Hagelereignissen?
Pascal Forrer: Es ereigneten sich bereits im Mai, Juni sowie am ersten Juliwochenende lokale, teils heftige Hagelunwetter. Trotzdem kann das Jahr 2014 bis heute als durchschnittliches Jahr bezeichnet werden. Die Hagelsaison erstreckt sich jedoch noch über die Monate Juli, August und September, und dementsprechend kann noch einiges geschehen. 

Welche Schäden werden durch die Hagelversicherung gedeckt?
Gedeckt sind Schäden an allen Kulturen infolge von Hagel, Überschwemmung, Übersarrung (Ablagerung von Wildbachschutt und Murgangmaterial), Erdrutsch, Blitz, Brand und Erdbeben sowie die Wiederherstellung des Kulturlandes. Für gewisse Kulturen und/oder im Rahmen einer Zusatzversicherung sind auch Schäden durch Sturm, Schneedruck, Frost, Trockenheit, Starkregen und Auswuchs gedeckt.

Wie muss der Landwirt nach einem Schadenereignis konkret vorgehen?
Jeder Schaden muss innert vier Tagen (während der Ernte innert 24 Stunden) per Internet, Fax oder Post gemeldet werden. Bei geringfügigen Schäden unter 10 Prozent kann der Schaden mit dem Vermerk «ohne Abschätzung» gemeldet werden. In einem solchen Fall kann bei einem weiteren Schadenereignis an der gleichen Kultur der geringfügige Erstschaden mitberücksichtigt werden.     

Wie wird ein Hagelschaden genau beurteilt?
Der Schaden wird vor Ort aufgrund von Zählproben ermittelt. In Zusammenarbeit mit den Landwirtschaftlichen Forschungsanstalten wurden Entwertungskoeffiziente für bestimmte Schadentypen in den verschiedenen Vegetationsstadien erarbeitet. Diese dienen den Experten als Grundlage. Bei der Abschätzung von Tafelobst und Tabak werden Vorschriften des Obstverbandes bzw. von Swiss Tabac beigezogen.

Im Ausland gibt es  zum Teil bereits Ernteversicherungen, die jegliche Schäden an Kulturen decken oder sogar ein fixes Einkommen auf dem Landwirtschaftsbetrieb garantieren. Sind ähnliche Konzepte auch für die Schweiz geplant?
Ernte- oder Mehrgefahrenversicherungen, wie sie zum Beispiel in Nordamerika existieren, sind ausnahmslos Versicherungslösungen mit hohen staatlichen Prämiensubventionierungen. Mit einem weiteren Ausbau unserer bereits sehr umfassenden Deckungen würden wir ohne Prämiensubventionierung an die Grenzen der Finanzierbarkeit stossen. Die Prämien müssten stark angehoben werden. Eine solche Prämiensubventionierung durch den Bund wird jedoch gegenwärtig nicht in Erwägung gezogen. 

Preise versichern

In vielen Ländern, wie z.B. den USA, gibt es öffentlich-private Kombinationsmodelle der Ernteversicherung. Die Schäden an landwirtschaftlich genutzten Flächen seien in den letzen Jahren parrallel zum Klimawandel angestiegen, schreibt das versicherungen-infoportal.de. Bereits können US-Farmer Versicherungen abschliessen, die entweder ein fixes Einkommen für ein Produkt oder für den gesamten Betrieb garantieren. Damit sind Ertrags- und Preisschwankungen eingeschlossen. gro

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