6.06.2013 06:33
Quelle: schweizerbauer.ch - Tanja Kobel, Daniel Schwab*
AP 2017
Jeder sechste Betrieb forciert ökologische Leistungen
Laut einer Umfrage plant ein Grossteil der befragten Berner Landwirte keine Neuausrichtung wegen der AP 2017. Wer eine Anpassung in Betracht zieht, wird dies vorwiegend in den ökologischen Bereichen vornehmen.

Die Änderungen des Direktzahlungssystems sind für viele Landwirte bedeutend. Trotzdem gaben rund 70 Prozent der befragten Landwirte an, ihren Betrieb aufgrund der Agrarpolitik 2014–2017 (AP 2017) nicht neu auszurichten. Am höchsten war dieser Anteil mit 73 Prozent beim Betriebstyp Verkehrsmilch. Von den 70 Prozent ist wiederum rund ein Drittel überzeugt, dass der eigene Betrieb bereits gut ausgerichtet ist.

Eindeutige Ergebnisse lieferte die Gegenüberstellung der geplanten Anpassungen mit dem Alter des Betriebsleiters. Je älter der Betriebsbewirtschafter, desto niedriger ist die Bereitschaft, eine Neuausrichtung in Erwägung zu ziehen. Im Gegenzug sind jüngere Landwirte eher bereit, den Betrieb entsprechend den bevorstehenden Änderungen anzupassen.

8 Prozent wollen weniger Tiere

Die 30 Prozent der Landwirte, die aufgrund der AP 2017 Anpassungen planen, nannten als mögliche Veränderungen hauptsächlich eine Erhöhung der Teilnahme an freiwilligen Ökoprogrammen bzw. der ökologischen Ausgleichsflächen. Dieses Ergebnis ist unabhängig von der Betriebsausrichtung oder der Betriebszone.

Eine weitere häufig genannte Massnahme ist die Erhöhung der Nebenerwerbstätigkeit. Weiter planen rund 10 Prozent der Betriebe, die Haltung von Raufutterverzehrern zu reduzieren. Dies steht wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Abschaffung der Tierbeiträge. Insgesamt zeigt die Befragung, dass aufgrund der AP 2017 keine grossen Veränderungen bezüglich Produktion zu erwarten sind und dass diejenigen Betriebe, die sich anpassen, primär ihre ökologischen Leistungen ausbauen wollen.

Die Mehrheit der Befragten ist eher negativ gegenüber der AP 2017 eingestellt. Als Hauptgrund für diese Einstellung wurde einerseits der administrative Aufwand genannt, der die Änderungen mit sich bringt.

Planungssicherheit fehle

Andererseits wurde bemängelt, die Agrarpolitik 2014– 2017 räume der Produktion einen zu geringen Stellenwert ein. Zudem bestehe bei den befragten Landwirten die Angst, dass durch die Reform die Zinsen für Pachtland steigen würden. Kritisiert wurden auch die Abschaffung der Tierbeiträge sowie die fehlende langfristige Planungssicherheit durch den 4-Jahres-Rhythmus der Agrarpolitik.

Unter den befragten Landwirten gab es aber auch Befürworter der AP 2017. Diese nannten als positive Aspekte hauptsächlich das stabile Direktzahlungsbudget und paradoxerweise die ökologischen Verbesserungen, obwohl dies in der Umfrage vielfach auch kritisiert wurde. Auch bewerteten einige Befragte die direktere Ausrichtung der AP 2017 auf die Verfassungsziele als positiv.

*Die Autoren Tanja Kobel und Daniel Schwab sind Studenten der Fachhochschule für Wirtschaft und Verwaltung in Bern und haben für ihre Bachelor-Arbeit eine Umfrage zur AP 2017 bei den betroffenen Betrieben im Kanton Bern durchgeführt.

Datengrundlage

Datengrundlage für die Analyse der Ausrichtung sowie der Einstellung zur AP 2017 war eine im Kanton Bern durchgeführte Befragung, bei der 1500 Landwirte Ende Februar 2013 angeschrieben wurden. Davon konnten 333 Antworten ausgewertet werden. Berücksichtigt wurden sämtliche Landwirtschaftszonen (Tal-, Hügel- sowie Bergzonen I–IV). tk/ds

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