1.03.2014 07:05
Quelle: schweizerbauer.ch - Werner Kamber
Tierunfälle
Jeder Sechste verunfallt pro Jahr
Pro Jahr verunfallt jeder sechste Vollzeitmitarbeiter in der Landwirtschaft. Mindestens 80 Prozent aller landwirtschaftlichen Unfälle sind auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen, der Rest auf technische Mängel.

In der Landwirtschaft ereignen sich jährlich 40 bis 50 tödliche Unfälle. Die meisten geschehen im Umgang mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen und Maschinen, gefolgt von Waldarbeit. Bei Ereignissen mit Tieren ist oft der Tierbetreuer betroffen. Melken, An- und Umbinden sowie Füttern sind unfallträchtige Tätigkeiten. Diese Angaben stammen von den Fachleuten der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL) und der Agri-Sicherheit Schweiz (Agriss).

Keine Meldepflicht bei Unfällen mit Tieren

Jährlich verunfallt jeder sechste Vollzeitmitarbeiter in der Landwirtschaft mehr oder weniger schwer. Wie viele Unfälle mit Tieren es gibt, weiss indes niemand so ganz genau; es dürften 15 bis 20 Prozent aller Unfälle sein. Bei Unfällen mit Tieren bestehe in der Schweiz keine Meldepflicht, erklärt Beat Burkhalter, bei Agriss zuständig für Tierhaltung und Baufragen, diese Ungenauigkeit.

«Deshalb erfahren wir nur von der Spitze des Eisberges.» Er verweist auf eine Diplomarbeit über Unfälle mit Tieren aus Deutschland, das die Meldepflicht kennt; allerdings stammen die Zahlen aus dem Jahr 2004. Bei rund einem Drittel der Unfälle seien Kopf oder Hals betroffen – aber dabei gelte es aus seiner Sicht zu fragen, welche Bewegungen das Tier gemacht habe. In einem Drittel der Fälle sei der Mensch die Ursache, weil er das Tierverhalten falsch eingeschätzt habe. Aus Sicht des Tieres hingegen seien drei Fünftel der Fälle einfach auf abwehrendes Verhalten zurückzuführen.

Kuh: Blickfeld von 270 Grad

Auf einen weiteren Punkt weist Burkhalter noch hin: In Anbindeställen könne es geschehen, dass die Kuh einfach den Kopf schüttle, um eine Fliege abzuwehren, und dabei den Bauern mit einem Horn treffe. Zudem: «Mit zunehmender Herdengrösse werden die Tiere scheuer.» Die Agriss erklärt, auf was zu achten ist: «Das Blickfeld einer Kuh umfasst einen Winkel von ca. 270°. Sie nimmt Bilder am Rande des Blickfeldes nur undeutlich wahr. Bis zu 6 m sieht die Kuh sehr genau; was weiter als 10 m entfernt ist, erkennt sie nur ungenau.

Nähert sich eine Person plötzlich aus dem toten Winkel, ist eine Abwehrreaktion des Tieres zu erwarten.» Kommt hinzu, dass die Hell-Dunkel-Anpassung der Pupillen, zum Beispiel beim Betreten des Stalles, zehnmal länger dauert als beim Menschen.

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