31.05.2019 08:40
Quelle: schweizerbauer.ch - Martin Brunner
St. Gallen
Jersey-Milch generiert Mehrwert
Der Landwirt liefert hochwertige Milch, der Käser verarbeitet sie zu Käsespezialitäten: Damit haben Martin Senn und Willi Schmid einen Weg gefunden, um für beide einen Mehrwert zu generieren.

Kaum nähern sich der Landwirt Martin Senn und der Käser und Toggenburger Bauernsohn Willi Schmid der Weide der Jersey-Kühe oberhalb von Mühlrüti SG, beginnen diese den Hang hinaufzustapfen. Neugierig beschnuppern sie die beiden Besucher. Vielleicht gibts ja etwas Spezielles zu fressen. Zudem ist der Stall nicht weit weg. Doch die beiden haben anderes im Sinn. Sie sprechen über die Tiere, deren Besonderheiten und vor allem deren einmaliges Produkt, die Milch.

250'000 Kilo pro Jahr

Landwirt und Käser haben sich auf die Fahne geschrieben, diese Milch mit grösstem Respekt zu behandeln. Ihre Qualitätsstrategie beginnt auf dem Egghof von Martin Senn auf 850 Meter über Meer. «Die Milchproduktion ist meine Leidenschaft», erzählt Martin Senn. «Wir haben mit unserem Futterangebot ideale Voraussetzungen dafür. Die Kühe sind bei mir entweder am Tag oder in der Nacht draussen und suchen ihr Futter selber.»

Beim Melken macht er keine Kompromisse. Sind die Werte zum Beispiel bei den Zellzahlen unbefriedigend, so liefert er die Milch nicht ab. Normalerweise aber fährt er dreimal pro Woche die rund 20 Kilometer in die Städtlichäsi von Willi Schmid in Lichtensteig SG. Der Käser übernimmt die Milch von drei Jersey-Bauern, total rund 250'000 Kilo pro Jahr.

Kurze Produktionskette

Was Schmid aus dieser Milch macht, begeistert Feinschmecker auf der ganzen Welt. Ungefähr 35 Tonnen Käsespezialitäten stellt er her. Vor allem der Jersey Blue, aber auch der Mühlistein ist bei den Konsumenten gefragt und geschätzt. «Mit der gehaltvollen Jersey-Milch entstehen Käse, die ein einmaliges Geschmackserlebnis ermöglichen», sagt er.

«Das schätzen die Konsumenten, auch wenn unsere Produkte teurer sind als andere. Besonders daran ist zudem, dass diese Käse sortenrein sind und manchmal sogar aus der Milch eines einzigen Bauern bestehen.» Vom daraus resultierenden Mehrwert profitieren alle auf der kurzen Produktionskette.

Wertschöpfung generieren

Der Milchbauer und der Käser verstehen sich gut, kennen die Arbeit des anderen und zeigen dafür grossen Respekt und Wertschätzung. Darin sehen die beiden die Grundlage für ihre erfolgreiche Geschäftsbeziehung. «Eine wichtige Voraussetzung ist zudem, dass beide ihre Arbeit mit Herzblut erledigen», betonen die beiden. Das erfüllt Martin Senn gerne, denn sein Ehrgeiz für hohe Qualität ist spürbar. Zudem motiviert ihn die gute Zusammenarbeit. 

Aber auch Willi Schmid setzt auf jene Sorgfalt und Innovationsbereitschaft, die auf allen Kontinenten geschätzt wird. «Wenn wir diese hohe Wertschöpfung generieren wollen, so sind wir aufeinander angewiesen. Keinem von uns beiden kommt es in den Sinn, am eigenen Ast zu sägen.» 

Milchwirtschaft fast aufgegeben

Martin Senn kümmert sich um 20 Jersey-Milchkühe, 30 Rinder, die Alpwirtschaft und seinen Wald. Von seinen 28 Hektaren kann er 19 als Futterfläche nutzen. Die Alp misst 54 Hektaren. «2007 kamen die ersten Jersey auf unseren Betrieb», erzählt er. «Damit gehörte ich zu den ersten, welche diese Tiere anschafften. Ein Herzenswunsch ging in Erfüllung.» Mit dieser Ausrichtung ist er heute erfolgreich. Das war aber nicht immer so, denn der Milchpreis machte ihm immer weniger Hoffnung. Vor acht Jahren war er deshalb nahe daran, die Milchwirtschaft aufzugeben. Genau in diesem Moment telefonierte Willi Schmid von der Städtlichäsi in Lichtensteig SG, weil er Jerseymilch suchte. 

Es war der Beginn einer erfolgreichen Zusammenarbeit. «Wir hatten riesiges Glück, dass wir einen Verarbeiter fanden, der gewillt ist, uns einen fairen Preis zu bezahlen. Die Milchproduktion war somit wieder kostendeckend, und sogar die eine und andere Investition konnte wieder getätigt werden, zum Beispiel für den fahrbaren Milchtank.» Besonders freute ihn, dass seine Kühe nicht mehr nur Unkostenfaktor sind, sondern wieder jenen Wert erhielten, der ihnen gebührt. Und: «Der Nachfolger ist bereits ausgebildet. Die Geschichte kann weitergehen.» mab


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