20.03.2013 10:07
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Etter
Emmentaler
«Jetzt geht es ums Überleben»
Walter Münger löst Franz Häfliger als Präsident der Sortensektion Emmentaler Milchproduzenten (SEM) ab. Für Münger ist klar: Der Emmentaler kann nur mit Mengensteuerung und Angebotsbündelung überleben.

«Schweizer Bauer»: Sie übernehmen das Präsidium der SEM. Beim Emmentaler hoffen viele auf die Mengensteuerung. Glauben Sie, dass der Bundesrat diese für allgemein verbindlich erklärt?
Walter Münger: In den letzten zwei Monaten zweifelte ich daran. Ich befasste mich intensiv damit und bin jetzt so weit, dass ich sage, es ist möglich und muss möglich sein. Denn aus meiner Sicht kann nur diese Allgemeinverbindlichkeit und damit die Mengensteuerung den Emmentaler retten. Deshalb glaube ich daran, dass der Bundesrat uns unter die Arme greift. Scheitern kann dieses Unterfangen nur noch am Handel. Dies, weil nicht alle Händler bereit sind, den Emmentaler nur noch in der Schweiz zu verpacken. Von Milchproduzenten- und Käserseite wird es kaum Widerstand geben. Schliesslich können beide davon nur profitieren.

Die Mengensteuerung verbessert also die Situation?
Ich bin überzeugt, dass eine Mengensteuerung alleine nicht ausreicht. Sie löst das Problem nicht vollständig. Alle Stufen müssen ihren Teil zum Gelingen beitragen, dies insbesondere, um das West-Ost-Gefälle auszugleichen. Ich erwarte jetzt, dass sich alle Akteure zusammenreissen und sich für den Emmentaler einsetzen, sonst wird er scheitern.

Scheitern?
Ja, wir sind am Punkt angekommen, wo es ums Überleben geht. Die Glocken haben geschlagen, es ist mehr als fünf vor zwölf.

Die Delegierten der Sortenorganisation müssen über eine Verkleinerung des Sammelradius, über die Verlängerung der Mindestlagerdauer und das Verpacken in der Schweiz abstimmen. Das Verpacken in der Schweiz etwa könnte das Aus für einzelne Handelsfirmen bedeuten…
Das stimmt so nicht. Ich glaube an die Unternehmen, dass sie sich mittelfristig der Situation anpassen können. Das müssen wir Bauern auch. Diese Handelsfirmen müssen über die Bücher und sich wandeln. Es kann doch nicht sein, dass die Händler sich immer auf den selbst geschmiedeten Schienen fortbewegen können. Und es gibt Möglichkeiten, sich zu wandeln.

Sie sprachen vorhin das West-Ost-Gefälle an. Können Sie alle Interessen unter einen Hut bringen, zumal Sie ja aus der Ostschweiz stammen, eine überdurchschnittliche Menge Milch produzieren und eine Grosskäserei beliefern?
Die Hoffnung stirbt am Schluss. An der SEM-Generalversammlung tat ein Anwesender aus dem Emmental kund, dass seine Käserei gegenüber jenen aus der Ostschweiz mit dem Rücken zur Wand steht. Dies kommt von den topografischen und strukturellen Gegebenheiten seiner Region. Er kriegt für seine Milch nicht das, was er bräuchte, um existieren zu können. In der Ostschweiz aber gibt es Betriebe, die bei der aktuellen Situation 65 Rappen je Kilo Emmentaler Milch bezahlen. Diese Preise bezahlen bestimmte Käsereien, weil die Käsereimilch gesucht ist und andere Verwerter in unserer Region sehr innovativ sind.

Können denn die Ostschweizer Käsereien aktuell ihre Kosten decken?
In der Ostschweiz sind die Käsereien grossmehrheitlich privat geführt, grösser und daher effizienter.

Haben denn nur grosse Käsereien Zukunft?
Kommt ein ausländischer Konsument in eine grosse Emmentaler Käserei oder auf einen Bauernhof mit über 60 Kühen, findet dieser das immer noch klein und familiär geführt. Unter den Emmentaler-Käsereien müssen alle von 4 bis 14 Laib und mehr am Tag ihre Existenzberechtigung haben, wenn Qualität und Milchpreis stimmen.

Müsste man nicht eine Maximalgrösse vorschreiben?
Nein, die ergibt sich von selber. Schon nur der Sammelradius, aber auch das verfügbare Kapital schränkt die Grösse ein.

Die Sortenorganisation will ja den Sammelradius verkleinern. Befürworten Sie das?
Für die Käsequalität bringt das wenig. Die Erhöhung der Lagerdauer um einen oder eventuell zwei Monate wäre für die Qualität massgebender, verteuert jedoch die Produktion bedeutend.

Wie verschaffen Sie allen Emmentaler-Produzenten dieselben Perspektiven?
Dazu brauchen wir die Angebotsbündelung. Damit werden wir langfristig bessere Preise erzielen. Auch wird jede Stufe seine Marge haben. Das beweisen Käsesorten wie etwa der Appenzeller. Damit hätten auch die Emmentaler Produzenten im Westen die besseren Überlebenschancen.

GV der Emmentaler-Milchproduzenten

Am Freitag fand in Olten die Generalversammlung der Sortensektion Emmentaler Milchproduzenten (SEM) statt. Dabei kamen vor allem die Ernüchterung über die anhaltend schlechte Situation beim Emmentaler und die tiefen Milchpreise zum Ausdruck. Beklagt wurde, dass die Milchproduzenten kaum etwas dagegen machen könnten, ausser eventuell den Käsereien die Milch zu entziehen, um den Käse zu verknappen.

Dies könnte die Preise zum Steigen bringen, schliesslich verdiene der Handel insbesondere mit Spezialitäten noch Geld und habe bei Massenware eine garantierte Mindestware, so der abtretende SEM-Präsident Franz Häfliger.

Dass es einen Lichtblick gibt, zeigte der Gastreferent BLW-Direktor Bernard Lehmann auf, der signalisierte, dass der Bundesrat die Mengensteuerung für allgemein verbindlich erklären wird, wenn die Sortenorganisation ihr Pflichtenheft anpasst. Lehmann meinte auch, es wäre sinnvoll, wenn die Emmentaler-Produzenten auch den Billigmarkt bedienen würden, sprich selber einen Emmentaler-Grosslochkäse produzierten. ES-Präsident Jürg Simon winkte ab, Grosslochkäse mache nur Sinn, wenn er anders heisse und sich klar vom Emmentaler AOC abgrenze.

Traktandiert waren neben Informationen und der Jahresrechnung auch Wahlen. Neu wurden Kurt Ruchti von Rütti bei Riggisberg BE und Walter Münger von Muolen SG in den Vorstand gewählt. Münger übernimmt auch das Präsidium, wobei der abtretende Präsident Franz Häfliger weiterhin im Vorstand bleibt.

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