17.12.2018 12:42
Quelle: schweizerbauer.ch - Hans-Peter Widmer
Aargau
Jung, dynamisch, unternehmerisch
Der erst 26-jährige Biolandwirt Simon Lüscher aus Holziken gewann den Wettwerb «Aargauer Bauer des Jahres».

Als der Innovationspreis der Aargauer Landwirtschaft 1999 zum ersten Mal verliehen wurde, war Simon Lüscher siebenjährig. Er nahm die Auszeichnung Bauer des Jahres, die ihm 2018 als bisher jüngstem Preisträger selber zufiel, damals noch nicht wahr. 

Frühe Verantwortung

Hingegen war früh klar, dass er Bauer werden und den elterlichen Biobetrieb in der Suhrentalebene zwischen Holziken und Muhen weiterführen würde. Die beiden praktischen Lehrjahre absolvierte er bei zwei bekannten aargauischen Lehrmeistern, Stefan Schreiber in Wegenstetten und Alois Huber auf dem Schlossgut Wildegg. Aber Simons Ausbildung war noch nicht abgeschlossen, als der Vater Sämi Lüscher 2010 verstarb. 

Auf dem vielseitigen Betrieb mit Milchwirtschaft, Acker- und Gemüsebau hinterliess der Verstorbene eine enorm grosse Lücke. Die Familie führte den Hof weiter. Leute aus dem Dorf halfen die Notsituation überbrücken. Als erste Entlastungsmassnahme wurden die Milchkühe verkauft. Nach der landwirtschaftlichen Jahresschule sowie der Rekrutenschule trat Simon Lüscher sofort auf dem Betrieb in Aktion, ein Jahr als Angestellter der Mutter, danach vier Jahre in einer Generationengemeinschaft mit ihr. Als 23-Jähriger übernahm er 2016 den Hof. Letztes Jahr bestand er die Meisterprüfung.

Vielseitiger Betrieb

Die Betriebsrichtung, die der Vater 1997 als erster Biobauer im Dorf einschlug, führte er mit Anpassungen weiter. Er wechselte von der  Milchviehhaltung zur Aufzucht, was ihm mehr Flexibilität verschaffte. Der Viehhaltung mit 37 Mastplätzen blieb er treu, weil sie eine wichtige Rolle im Nährstoffkreislauf des Biohofes spielt. Von einem grossen Milchviehbetrieb im Aargauer Jura kauft er Remonten zum Mästen und zum Teil, aber nicht mehr lange, für die Milchviehnachzucht. Die Masttiere werden als gesuchtes Weide-Beef verkauft. 

Der 23 ha grosse Betrieb produziert Getreide, Kartoffeln, Rüebli, Zwiebeln und Spinat. Rund 10 ha sind Grasland, davon 3 ha Ökoflächen. Seit letztem Herbst betreibt Simon Lüscher noch einen weiteren Betriebszweig: Mastpoulets in Freilandhaltung. Er schaffte vier mobile Ställe an, die auf dem Weideland rund um den Hof verstellt werden. Mit 5 Einstallungen pro Jahr können 10000 Tiere gehalten und 20 Tonnen Biopouletfleisch produziert werden. Zudem wird das Nährstoffangebot breiter. 

Zusammen stärker

Das Know-how als Geflügelmäster eignete sich der junge, dynamische Betriebsleiter in Kürze an. Im Juli 2017 machte ihm die Micarna ein Produktionsangebot, bereits im Oktober wurden die Ställe eröffnet. Lüscher wurde rasch ins heftig diskutierten Vaxxitek-Thema involviert. Der GVO-Impfstoff ist nur für ein weiteres Jahr auf Knospe-Betrieben einsetzbar, aber er macht dank seiner raschen Schutzwirkung die von den Biorichtlinien vorgeschriebene Freilandhaltung ab dem 21. Lebenstag erst möglich. Den Widerspruch zwischen Pragmatismus und Prinzipien hilft der Holziker nun in einer Arbeitsgruppe klären.

Simon Lüscher überzeugte die Jury Aargauer Bauer des Jahres 2018 in dreifacher Hinsicht: weil er auf wertschöpfungsstarke Betriebszweige setzt, viel in die Bodenfruchtbarkeit und Schliessung der Kreisläufe investiert und durch eine intensive Zusammenarbeit mit mehreren Kollegen in verschiedenen Bereichen Kosten spart. So werden etwa 15 Maschinen für den Acker- und Gemüsebau gemeinsam betrieben. Die Beteiligten haben ein eigenes, faires Abrechnungssystem entwickelt.

Hoffte auf Jungunternehmerpreis 2018

Eigentlich hatte Simon Lüscher auf den Jungunternehmerpreis 2018 gehofft. Dass er als Hauptsieger aus dem Wettbewerb hervorging, überraschte ihn dann doch. Und nicht weniger verblüffte ihn ein persönlicher Spezialpreis des aargauischen Landwirtschaftsdirektors, Regierungsrat Markus Dieth: Er bot dem Aargauer Bauer des Jahres an, einen Tag lang auf dem Hof mitzuhelfen. 

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