19.02.2013 10:05
Quelle: schweizerbauer.ch - Robert Alder
Luzern
Kälbermäster haben Zukunft
Jedes Jahr liefert Bergbauer Sepp Bättig rund 50 Kälber dem Dorfmetzger. Um Top-Ergebnisse zu erzielen, müssen viele Bedingungen stimmen. Ob Bio oder IP spiele dabei keine Rolle, aber glaubwürdig müsse man sein.

Sepp Bättig weiss, wovon er spricht. Schon in dritter Generation mästet er Kälber. Meistens und am liebsten Simmentaler Kälber. Diese verkauft er der Dorfmetzgerei Haas in St. Urban. «Ich bekomme immer öfter gute Rückmeldungen von ihm. Er rühmt die Kälber, und die Kunden wollen wissen, woher sie kommen und wie sie gehalten wurden», gibt Bättig zu verstehen. Der Konsument sei heute anspruchsvoller geworden. Aber er bezahle auch einen guten Preis für ein gutes Produkt.

Haltung muss stimmen

Das bekomme man aber nicht von selbst, weiss Bättig. Unterschätzt würde oft nur schon der Stall. «Wenn dieser schattseitig in der Scheune platziert ist, hast du schon einen Nachteil», gibt er zu bedenken. Sonnenlicht sei enorm wichtig. Dann müsse die Luft stimmen, auch mit Lüfter,  und die allgemeine Sauberkeit sei nicht zu vernachlässigen.

Von Offenställen hält er nicht viel. Jedenfalls bei ihm im rauen Napfgebiet mit den vielen Wetterwechseln betrachte er es nicht als Vorteil. Auch der Tränkeautomat vertrage gar nichts. Er verabreicht einen hohen Anteil an Kuhmilch, nur ein Viertel sei Milchpulver. «Und erst nachher Wasser.» Die neue Regelung, dass Zugang zu strukturiertem Futter gewährleistet sein muss, begrüsst er. «Das muss aber nicht Heu sein, gutes Weizenstroh ist sogar besser.»

Warum Simmentaler?

Im Kuhstall stehen reine Simmentaler Kühe. Aus Überzeugung. Denn das sei eine angepasste und hervorragende Rasse. Er zieht sie den Mastrassen vor. Diese stellten andere Ansprüche, müssten vergleichsweise mehr mediziniert werden, damit sie nicht krank würden, habe er die Erfahrung gemacht.

Antibiotika – ein Problem

Sepp Bättig ist ein kritischer Denker, das ist bekannt. «Das Antibiotikaproblem müssen wir gut im Auge behalten. Schau mal in die Humanmedizin, da sind Antibiotikaresistenzen auch bereits ein Problem. Für uns heisst das, dass wir in der Kälbermast rasch umdenken müssen.» Da müsse sich die Tierzucht ganz generell umbesinnen. 12'000 kg Milch ohne Antibiotika zu produzieren, sei schwierig. Auch Kälbermast in grossen Einheiten berge mehr Risiken in sich. Deshalb sei er überzeugt, dass die bäuerliche Kälbermast dank Familienbetrieben mit angepassten Rassen Zukunft habe.

Er vertritt eine ökologische und tiergerechte Haltung. Deshalb kritisiert er lange Transportwege der Kälber bis zum Schlachthof. Er weiss von Beispielen, wo Kälber bis 7 Kilogramm verloren hätten, bis sie am Bestimmungsort ankämen. Entscheidend sei auch nicht, ob man nach Bio oder IP-Normen produziere. Aber glaubwürdig müsse man sein.

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