10.03.2014 15:28
Quelle: schweizerbauer.ch - Rapahel Bühlmann
Milchpulver
«Kälbermast hat Zukunft»
UFA investiert in Sursee in ein neues Pulverwerk. Mittels modernster Technologie will der Futtermittelhersteller künftige Herausforderungen meistern. Die Kälbermast sei wichtig für den Milch- und Fleischmarkt.

Vor über 50 Jahren begann die Union des Fédérations Agricoles (UFA) mit der professionellen Herstellung von Milchpulver. Im Gleichschritt zur Marktentwicklung hat die heutige Fenaco-Tochter ihre Produktionsanlagen für die Milchpulverherstellung laufend ausgebaut. Heute ist die Unternehmung mit einem Gesamtumsatz von 360 Mio. Fr. die Nummer 1 im Schweizer Milchpulvermarkt.

Neuer Pulverturm

Um den Erfolg langfristig zu sichern, wurde in die Produktion am Standort Sursee LU kräftig investiert. An einer Presseveranstaltung Ende Februar informierte UFA über die aktuelle Lage des Milchpulvermarktes und die moderne Kälbermilchproduktion. Diesbezüglich wurde ebenfalls das modernisierte Milchpulverwerk in Sursee vorgestellt.

In den vergangenen zwei Jahren konnte die Anlage auf den neuesten Stand der Technik gebracht werden. Unter anderem wurde in die Kälteanlage und in die neue Dosierung von Kleinkomponenten investiert. Das Herzstück des neuen Werkes ist aber der modernisierte, 15 Meter hohe Pulverturm und dessen Sprühkristallisationstechnik.

Bei diesem Verfahren wird das im Turm herabfallende Milchpulver mit Fett besprüht. Das Fett, welches mit 20 bar eingeschossen wird, haftet am Milchpulver, kühlt ab und wird so kristallisiert. «Im Vergleich zum Trockenmischverfahren hat diese Technik den Vorteil, dass mehr verschiedene Rohstoffe für die Produktion eingesetzt werden können», erklärte Peter Hofer, Leiter der Produktion bei UFA.

Energie effizient nutzen

Ebenfalls neu ist die moderne Kühlungsanlage. Diese sei aus Sicht der Energieeffizienz ebenfalls auf den neuesten Stand der Technik gebracht worden, sagte Hofer. Die Abwärme, welche im Zusammenhang mit der Kühlung anfalle, werde in den Betrieb zurückgeführt und könne so sinnvoll genutzt werden.

Des weiteren sei die Anlage auch in punkto Sicherheit überholt worden. Da für die Kühlung mit Ammoniak gearbeitet werde, mussten sämtliche Schweissnähte mittels Ultraschall auf Risse untersucht werden, erklärte Hofer. Zudem spiele das leicht entzündbare Milchpulver im Werk immer eine wichtige Rolle in Sicherheitsfragen. Genau gleich wie bei einer Müllerei, ist das organische Milchpulver schnell entflammbar, und es kann zu Explosionen kommen.

Wichtige Ventilfunktion

Investitionen von über 10 Mio. Franken am Standort Sursee zeigen, dass die Unternehmung UFA, sprich die Fenaco, der Zukunft im Schweizer Kälbermast positiv entgegensieht. Diese Einschätzung bestätigt auch der Leiter Entwicklung & Technischer Dienst der UFA, Stephan Gut. Er sieht die Kälbermast als von grosser Bedeutung für die Milch- und Fleischproduktion in der Schweiz.

«Man darf nicht vergessen, dass die 190'000 Bankkälber aus der Kombimast  etwa 250'000– 300'000 Tonnen Kuhmilch verwerten», sagte Gut. Dies entspräche mehr als 8% der produzierten Milchmenge. Die Kälbermast erfülle damit eine wichtige Ventilfunktion, indem Milch schnell vom Markt genommen und vertränkt werden könne. 

Eine ähnliche Regulierungsfunktion schreibt Gut der Kälbermast in Bezug auf die Rindfleischproduktion zu. Er sagt, dass in der Schweiz pro Jahr rund 260'000 männliche Kälber mit milchbetonter Genetik verwertet werden müssten. Die Kälbermast sei hier eine ethisch vertretbare und wirtschaftliche Möglichkeit, um mit diesen Tieren eine gute Wertschöpfung zu generieren.

Kälbermast rentiert

«Die Kälbermast ist aber nicht nur als Marktpuffer zu verstehen», sagte Gut. Würde man die Rendite der Kombimast mit der Produktion von Industriemilch vergleichen, so sei seit 2005 eine kontinuierlich positive Entwicklung feststellbar.

Ungeachtet der jüngsten positiven Entwicklungen in der Kälbermast sei doch ein Rückgang der Anzahl Tiere in der Kombimast feststellbar, sagte Gut. Dass diese Entwicklung mit der neuen Ausrichtung der Agrarpolitik und den Beiträgen für graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion zu tun hat, wollte Gut nicht bestätigen. Bestätigen konnte er allerdings, dass trotz den neuen Investitionen der Preis für Milchpulver gleich bleiben werde.

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