29.11.2018 12:09
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
Käsekulturen: Milchbranche Mitbesitzer
Die Schweizer Milchbranche ist jetzt offiziell Miteigentümerin der Käsekulturen. Am Donnerstag haben Bund und Branche im Beisein von Bundesrat Johann Schneider-Ammann das Eigentum an den Käsekulturen vertraglich geregelt.

Die Qualitätsführerschaft vieler Schweizer Käsesorten auf dem nationalen und internationalen Markt sei im Wesentlichen abhängig von qualitativ hochstehenden Bakterienkulturen und deren Reproduktion, heisst es in einer Medienmitteilung des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF)

Über 10'000 Stämme

Mit dem Ziel, die langfristige Kulturenreproduktion zugunsten der Schweizer Käsehersteller zu sichern und die Verantwortung zu teilen, ging Agroscope mit der Branche eine Public Private Partnership (PPP) ein. Wie bisher pflegt Agroscope die Stammsammlung und reproduziert die Kulturen für die Schweizer Käsereien, neu aber im Auftrag der Milchbranche.

Guter Käse entsteht aus einwandfreiem Wasser, guter Milch und qualitativ hochstehenden Bakterienkulturen, wie das WBF darlegt. Über 10'000 Stämme umfasst die Stammsammlung bei Agroscope, dem Kompetenzzentrum des Bundes für die Forschung in der Land- und Ernährungswirtschaft. Viele Schweizer Käsesorten hängen wesentlich von dieser Stammsammlung und deren regelmässigen, qualitativ hochstehenden Reproduktion ab.

Liebefeld Kulturen AG

Damit diese auch langfristig gewährleistet werden kann, entschied die neue Gesamteigentümerschaft der Stammsammlung, die kommerzielle Reproduktion der mikrobiellen Kulturen zur Käseherstellung unter stärkerem Einbezug der Branche in Zukunft im Rahmen eines PPP-Modells zu organisieren, dies mit einer Vertragsdauer von 20 Jahren.

Hierzu gründet die Branche die Liebefeld Kulturen AG. Diese Aktiengesellschaft ist im Besitz des Verbands Schweizer Milchproduzenten SMP, dem Dachverband der gewerblichen Käsereien Fromarte und 14 Sortenorganisationen. Das PPP Käsekulturen unterstreiche die laufende, zukunftsgerichtete Weiterentwicklung von Agroscope und sei ein Vorzeigebeispiel für weitere mögliche Partnerschaften in der Land- und Ernährungswirtschaft, schreibt das WBF.

Kein Verkauf ins Ausland

Zwei Verträge, die 2019 in Kraft treten, regeln und sichern nun die langjährige, «sehr gute» Zusammenarbeit zwischen Agroscope und der Milchbranche: Das Kernstück ist der Vertrag zum Gesamteigentum. Darin festgehalten ist, dass die Stammsammlung - diese enthält aus der Schweizer Milchwirtschaft stammende Mikroorganismen - im physischen Besitz des Bundes bleibt. Die Kulturen aus der Milchwirtschaft stehen in Zukunft rechtlich im Gesamteigentum der Branche und des Bundes.

Sämtliche Produzenten von Schweizer Käse sowie anderer fermentierter Milchprodukte haben einen wettbewerbsneutralen Zugang zu den reproduzierten Kulturen. Auch weiterhin dürfen keine Kulturen ins Ausland verkauft werden. Und Agroscope verpflichtet sich zur Weiterführung der Käse- und Kulturenforschung sowie der Beratung.

Agroscope reproduziert

Ein zweiter Vertrag bezieht sich auf die Reproduktion. Er regelt die für die Reproduktion und den Vertrieb von Kulturen aus der Stammsammlung notwendigen Rollen und Verantwortlichkeiten der PPP-Partner. Konkret: Die Liebefeld Kulturen AG lässt die Kulturen im Lohnauftrag durch Agroscope reproduzieren; die AG verkauft die Kulturen an die Endbezüger.

Die Reproduktion geschieht zurzeit in den Räumen von Agroscope in Liebefeld bei Bern. Das Personal und alle bereits vorhandenen zertifizierten Prozesse der Kulturenherstellung verbleiben bei Agroscope. Die Branche beteiligt sich an der Pflege.

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