29.08.2013 17:49
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Fleischmarkt
Kalbfleisch: Unglaublich – Fleisch-Fachverband will erneut runden Tisch
Eigentlich ist sich die Branche einig. Für rotes Kalbfleisch soll es nur noch begrenzt Abzüge geben. Nur der Fleisch-Fachverband will sich nicht an den Konsens halten. Er fordert erneut einen runden Tisch ein.

Seit Jahren sorgt das rote Kalbfleisch für Schlagzeilen. Die Forderung, die Fütterung der Kälber umzustellen, steht schon lange im Raum. Zwar zeigten viele Branchenmitglieder Interesse und Wohlwollen gegenüber dem roten Kalbfleisch. Den Bauern wurden aber immer Abzüge aufgrund der roten Farbe gemacht. In der Bevölkerung geniesst rotes Kalbfleisch aber viel Kredit. Gemäss einer repräsentativen Umfrage des Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) ist 52 Prozent der Bevölkerung die Farbe egal, 17 Prozent kaufen bewusst rotes Kalbfleisch, nur 4 Prozent wollen weisses Fleisch.

Eigentlich alle dafür

Der Einwand der Metzger, dass beim Verkauf von rotem Kalbfleisch  ist nicht ganz unbegründet. Rotes Kalbfleisch lässt sich fast nicht mehr von Rindfleisch unterscheiden. Der Schweizer Fleisch-Fachverband (SFF) sorgt sich deshalb um den Absatz des roten Fleisches. Dieses lasse sich nicht verkaufen. Und das finanzielle Risiko könne nicht den Metzgern aufgebürdet werden.

So weit, so gut. Nach jahrelanger Beratung und Feilschen hat sich die Branche im Juli auf einen Kompromiss geeinigt. Die beiden Grossverteiler Coop und Migros, welche den Markt mit ihren Verarbeitungsbetrieben Bell und Micarna dominieren, haben dem Kompromiss zugestimmt wie auch der Schweizer Tierschutz (STS), die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS), Gastrosuisse, der Viehhändler-Verband, die Schweizerische Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz sowie die Kälbermäster. Dieser sieht vor, dass für zu helles und zu dunkles Kalbfleisch gewisse Abzüge vorgenommen werden können. So wird zum Verzicht auf Farbabzüge bei Kälbern, welche jünger als 160 Tage sind, aufgefordert.

SFF foutiert sich um Abmachung

Aber bereits nach dem Gipfel hat der Dachverband der Metzger seine Bedenken angemeldet. So will der SFF an den Abzügen festhalten. Am vergangenen Mittwoch tagte dessen Vorstand. Erwartungsgemäss hat der SFF seine Position nicht verändert. In einem Communiqué hält der Verband fest, „dass auch für den SFF die tiergerechte und gesetzeskonforme Produktion von Kalbfleisch als Garant höchster Qualität absolute Priorität hat.“ Doch der Verband und dessen Direktor Ruedi Hadorn fahren eine tier- und bauernfeindliche Strategie.

So sei es unabdingbar, dass die „nach wie vor bestehenden Differenzen bezüglich des Grenzwerts für die Fleischbranche ausgeräumt werden müssen“. Es müsse ein marktkonformer Konsens erzielt werden. Dass aber eigentlich alle, ausser einigen wenigen Verarbeitern, die Lösung mittragen, lässt der SFF aussen vor.

SFF stellt sogar noch Forderungen

Und der SFF stellt sogar noch Forderungen. Der Beschluss der Proviande am runden Tisch müsse „einstimmig“ erfolgen. Die Lucarna-Macana AG aus Hinwil hat sich am Dienstag in der TV-Sendung "Kassensturz" gegen den Branchenkompromiss gestellt. Und auch der Agrarriese Fenaco tut sich schwer. Das Tochterunternehmen Ernst Sutter AG will bei Labelfleisch zwar keine Abzüge vornehmen. Beim konventionellen Fleisch will der Verarbeiter die Empfehlung des SFF abwarten.

Und diese lautet nicht überraschend: „Der SFF keine Veranlassung, von seinen bisherigen diesbezüglichen Empfehlungen an seine Mitglieder abzurücken.“ Sprich, die Verarbeiter sollen bei roten Kalbfleisch weiterhin Abzüge vornehmen. Bis zu einer „praxistauglichen Lösung“ wird ein Farbabzug von 2 bis 3 Franken pro Kilo empfohlen.

Wie lange der SFF noch auf Zeit spielen kann, ist ungewiss. Dass sich die Proviande einen einstimmigen Beschluss fällt, ist nicht zu erwarten. Doch der Druck aus Kreisen der Tierschützer dürfte weiter zunehmen. Der Schweizer Tierschutz sagte gegenüber "Tages Anzeiger", dass man den SFF mit einer härterern Gangart anpacken werde, sofern er sich nicht an den Konsens halten werde.

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