Samstag, 28. November 2020
30.07.2019 17:45
Zürich

«Kein Brunch aus Goodwil»

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Von: Susanne Meier

700 Personen bewirtschaften Felix und Nicole Berger aus Maur ZH mit ihrem Team am 1.-August-Brunch – neben der Arbeit auf dem grossen Betrieb.. Damit alles klappt, beginnen die Vorbereitungen schon im Februar.

60 Milchkühe mit einer Leistung von 7800kg im Schnitt, 1ha Obst und Gemüse für den Direktverkauf, Direktvermarktung und Wochenmarkt, 10ha Ackerbau, 42ha Landwirtschaftliche Nutzfläche, mit dem Wald 50ha. Das ist kurz zusammengefasst der Bergerhof in Maur ZH, der von Felix und Nicole Berger bewirtschaftet wird.

Zusammen mit Gemeinde

Auch Felix Bergers Eltern Ruedi und Hanni und zwei Lehrlinge helfen noch tatkräftig auf dem Hof mit, dazu Aushilfen auf dem Wochenmarkt – und das ist auch nötig. Denn auf dem Bergerhof werden zu allem anderen auch Cateringanlässe durchgeführt, «mehr oder weniger jede Woche einer», schmunzelt Berger. «Auch die Direktvermarktung ist nicht einfach ein kleiner Laden, sondern ein wichtiges Standbein auf dem Betrieb.»

Der Brunch am 1. August, Bergers richten ihn seit Beginn, also seit 27 Jahren aus, ist der grösste Anlass im Jahr. Seit rund 15 Jahren wird er zusammen mit der Gemeinde Maur organisiert. «Wir bewirten jeweils 700 Personen, davon sind etwa 250 aus der Gemeinde Maur», bilanziert Berger – und zählt das Angebot auf: «Fleisch vom Hof wie Schüblig, Mostbröckli und  Schinken, ein Käsebuffet mit acht Sorten, Müesli mit verschiedenen Beeren, Rösti, Speck und Spiegeleier, verschiedene selbst gebackene Brote, Milchshakes, Joghurt, verschiedene Sorten Süss- und saurer Most – alles angeboten an vier verschiedenen Buffets, damit es keine Schlangen beim Anstehen gibt.»

Infrastruktur bestellen

Die Vorbereitung auf den 1.-August-Brunch beginnt im Februar mit den Reservationen der Infrastruktur. «Die grosse Milchkanne der SMP, Marktstände fürs Buffet, Bestuhlungen, Pfannen und Geschirr: alles, was wir nicht selber haben, bestellen wir schon Anfang Jahr», erklärt der Betriebsleiter. Im Februar werden auch die Helfer angeschrieben. Sie müssen sich bis Ende Juni angemeldet haben, damit Felix Berger Mitte Juli den Arbeitsplan verschicken kann. Dieser geht an 40 Personen, die Hälfte aus der Familie. 

360 Bauernhöfe

Jedes Jahr begehen rund 150’000 Personen den Auftakt in den Nationalfeiertag mit einem Brunch auf einem der 360 Bauernhöfe in der Schweiz. Die Beliebtheit bei der Bevölkerung ist nach wie vor gross. Der Brunch ist die Gelegenheit, die Landwirtschaft hautnah zu erleben. Jede Gastgeberfamilie empfängt die Besucher auf ihre individuelle Art und Weise, was den Brunch-Besuch zu einem einmaligen Erlebnis seit 27 Jahren macht. 

Dreschen am 1. August

Anfang Juli wird der Hof auf Vordermann gebracht: Alle Wegränder und das ganze weitläufige Hofareal wird gemäht, der Stall und der Melkstand werden gewaschen. Klar ist, dass die übrige Betriebsarbeit weitergeht, so ist das Getreide üblicherweise kurz vor dem 1. August oder sogar direkt an diesem Tag reif und muss gedroschen werden – Brunch hin oder her. «Aber das ist noch immer gegangen», bekräftigt der Betriebsleiter, «man muss sich auch nicht zu schade sein, um die anderen Bauern zu fragen, ob sie aushelfen.»

Der Einkauf der lagerfähigen Nahrungsmittel findet in der Vorwoche des Brunches statt. Dann werden auch der Schopf, die Werkstatt und der Hofplatz herausgeputzt und gewaschen, um die 700 Personen bewirten zu können. Natürlich muss der Wochenmarkt dennoch besucht und der Hofladen dennoch geöffnet haben.

Am 2. August ist Markt

Dieses Jahr ist der 1. August an einem Donnerstag. Felix Berger blickt voraus: «Die Haupt-Infrastruktur muss am 30. Juli stehen, am 31. wird nur noch dekoriert. Und am 1. August nachmittags geht es gleich weiter, findet doch am 2. August der Wochenmarkt statt, der vorbereitet werden muss, sodass frühmorgens um 2 Uhr das Auto beladen werden kann.»

Der Brunch beginnt um 9 Uhr, ab 8.30 Uhr ist die Kasse offen. Offiziell dauert der Anlass bis um 13 Uhr, dann beginnen Bergers mit dem Abräumen. «Wir haben kein Nachprogramm», sagt Berger dazu, «Die Bestuhlung wird sogleich abgeholt für den Abendanlass mit dem Feuer, und um 15.30 Uhr sieht man nicht mehr viel vom Brunch bei uns.»

Ein Verdienst bleibt

Da die Gemeinde Maur einen Beitrag an die Infrastruktur bezahlt und der Brunch 32 Franken für die Erwachsenen und 16 für Kinder ab 12 Jahren kostet, bleibt Bergers ein Verdienst, obschon sie auch ihren Helfern einen Lohn bezahlen. «Hinzu kommt, dass man dank dem Brunch wieder einmal Ordnung hat auf dem Betrieb», nennt Felix Berger den Nebeneffekt.

«Trotzdem ist es ein grosser Aufwand. Leider schätzt die Bevölkerung die Landwirtschaft immer weniger – nur aus Goodwill würde ich den Brunch nicht durchführen. Es muss für uns schon etwas herausschauen. Wer den Preis nicht bezahlen will – auch bei den Cateringevents – soll in ein Restaurant sitzen», so Berger.

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