6.11.2014 10:10
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Milchmarkt
«Kein Händler will C-Milch haben»
Laut Christof Züger funktioniert die Segmentierung nur, wenn sich A, B und C höchstens um ein paar Rappen unterscheiden.

Christof Züger steht zusammen mit seinem Bruder Markus  an der Spitze der Frischkäse AG. Er ist bekannt dafür, Klartext zu sprechen. So auch zur Segmentierung, wie sie die Branchenorganisation Milch seit fast vier Jahren verfolgt. «Das Problem ist, dass es die Segmentierung nicht braucht, wenn die Preisdifferenzen zwischen den Segmenten klein ist. Sind die Unterschiede zwischen A-, B- und C-Segment aber gross, so funktioniert sie nicht.» Nur ein paar Rappen Differenz seien am Markt praktikabel, mehr nicht. 

«Wir exportieren 50 Prozent der Käseproduktion»

Zur C-Milch sagt Züger: «Wenn ein Milchhändler C-Milch ausweist, so kommt das einem Kündigungsschreiben gleich.» Denn die Bauern wollten nicht C-Milch produzieren, die würden sagen: «Meine Milch ist weiss, nicht C.»

Die Schweizer Milchproduzenten (SMP) propagieren die Lactofama AG, um bei der C-Milch Transparenz herzustellen. Die PMO Züger, die elftgrösste Milchhandelsorganisation, ist aber nicht Aktionär der Lactofama AG. Züger erklärt: «Unsere Bauern wollen das nicht. Wir exportieren über 50% unserer Käseproduktion ins Ausland (EU- und Nicht-EU-Länder), haben daher nur 40% A-Milch-Anteil und 60% B-Milch-Anteil, aber keine C-Milch.» Somit bestehe kein Interesse. Die Züger-Lieferanten zahlten ihren Zechenanteil durch einen hohen Anteil B-Milch, A- und B-Preise lägen ja derzeit sehr weit auseinander.

Marktgerüchten, wonach die Züger Frischkäse AG derzeit im Discount-Detailhandel Rahm und Butter zu tieferen Preisen als bisher offeriert, tritt Züger entgegen: «Das stimmt nicht.» Im Gegenteil hofft Züger, dass niemand die Nerven verliert und die Preise herunterreisst.

Tiefere Preise als Ausland

Generell ist Züger überzeugt, dass im liberalisierten Markt die Nähe zu einem Verarbeiter entscheidend sei. Deshalb beziehe die Züger Frischkäse AG den Grossteil ihrer Milch von Direktlieferanten, denen sie das sogenannte «Erstabladerecht» gegeben habe. Angesprochen auf einen Milchfreihandel oder einen umfassenden Agrarfreihandel mit der EU, erklärt Züger: «Sehr wahrscheinlich hätten wir dann tiefere ausbezahlte Milchpreise als in Süddeutschland, das wollen wir nicht. Die Milchsammlung ist in der Schweiz teurer (rund 1–2 Rp./ kg), ebenso unsere Milchverarbeitung (Löhne, Baukosten usw.). Da wir als Verarbeitungsbetrieb keine Direktzahlungen erhalten, müssen die höheren Kosten durch bessere Milcheinkaufspreise ausgeglichen werden, damit das Unternehmen langfristig überleben kann. Der Mehrwert ‹Swissness› wird diesen Kostennachteil am internationalen Markt nicht kompensieren können.»  

Züger Frischkäse

Die Züger Frischkäse AG verarbeitete im letzten Jahr rund 150 Mio. kg Vollmilchäquivalente. Damit ist das Familienunternehmen die Nummer 5 unter den Schweizer Milchverarbeitern. Die Milch von über 400 regionalen Bauernfamilien wird am Standort Oberbüren SG von 200 Mitarbeitenden veredelt. Zum Produktsortiment gehören Mozzarella, Pizzamozzarella, Mascarpone, Ricotta, Quark, Frischkäse, Salzlakenkäse, Grillkäse und Butter. sal

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