27.04.2018 08:36
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Geldpolitik
Keine raschen Zinsschritte der SNB
Die Zinslandschaft ist in den letzten Tagen weltweit wieder in Bewegung geraten. Ausgelöst wurde dies durch anziehende Rohstoffpreise, die den Erwartungen über ein Anziehen der Inflation neue Nahrung gegeben haben.

Vor allem in den USA aber auch in Europa und der Schweiz haben die langfristigen Renditen angezogen. Zudem hat sich der Franken zuletzt wieder abgeschwächt. Eine erste Zinserhöhung der SNB erwartet eine Mehrheit der Ökonomen gemäss der Zinsprognose der Nachrichtenagentur AWP dennoch weiterhin erst 2019.

Franken nun «fair» bewertet


Die Schweizer Währung dürfte gemäss den befragten Ökonomen mit der jüngsten Abschwächung nun in etwa «fair» bewertet sein. Vergangene Woche hatte das Erreichen der Euro-Franken-Marke von 1,20 Franken, also auf den bis Anfang 2015 von der SNB verteidigten Mindestkurs, für einiges Aufsehen gesorgt.

«Ex post» sei dies mit Faktoren wie der globalen Konjunktur, aber auch der Verschärfung der US-amerikanischen Sanktionen gegenüber Russland erklärt worden, erinnert Chefökonom David Marmet von der Zürcher Kantonalbank (ZKB). «Wie dem auch sei, die SNB wird sich über die Entwicklung freuen.»

Zurückkaufen von Franken «gefährliches Signal»

Längerfristig rechnen allerdings weder Marmet noch weitere Ökonomen mit einer weiteren klaren Frankenabwertung. Immerhin könne es kurzfristig Perioden geben, wo der Euro-Franken-Kurs in Richtung 1,25 geht, meint Florian Weber von der Bank J. Safra Sarasin: «Wir sehen den Kurs bei 1,20 jedoch als fair an und würden langfristig wieder einen Kurs unter 1,20 sehen.»

Der Kurs EUR-CHF könnte in den nächsten Monaten den «fairen Wert» durchaus überschiessen, glaubt auch Alessandro Bee von der UBS. So seien beim derzeitigen robusten Wachstum der Weltwirtschaft «sichere Häfen» nicht gesucht. Zudem dürfte der nahende Ausstieg der Europäischen Zentralbank (EZB) aus der stark expansiven Geldpolitik dem Euro helfen. Wenig ratsam sei es für die SNB allerdings, nun bereits ihre Devisenreserven abzubauen, glaubt SGKB-Experte Häfeli: Das Zurückkaufen von Franken könnte ein «gefährliches Signal» sein.

SNB dürfte der EZB folgen

Ein erster Zinsschritt der SNB wird von den Ökonomen mehrheitlich in der ersten Jahreshälfte 2019 erwartet. Julius Bär-Chefökonom Janwillem Acket etwa prognostiziert eine erste Zinserhöhung der SNB gleichzeitig mit einem EZB-Schritt im März 2019 auf -0,50 Prozent und einen zweiten Schritt im Juni 2019 auf -0,25 Prozent. Dass die SNB vor der EZB handeln wird, schliesst auch Raiffeisen-Experte Santosh Brivio aus, da in einem solchen Fall der Franken wieder unter Aufwertungsdruck geriete.

Bereits früher wird der Zinsschritt dagegen von den Ökonomen der UBS erwartet, die bei ihrer Prognose für Dezember 2018 bleiben. Auch die Bank Pictet könnte sich ein solches Szenario vorstellen. Deren Chefstratege Anastassios Frangulidis verweist auf den nicht mehr als überbewertet geltenden Franken und einen Inflationsanstieg in der Schweiz: «Die Chance besteht, dass die SNB den Zinsnormalisierungsprozess noch vor dem Ende dieses Jahres einleitet.»

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