8.07.2019 08:05
Quelle: schweizerbauer.ch - Robert Alder
Bern
Klein sein als Chance nutzen
Der Hof von Simon und Michelle Langenegger unterscheidet sich von anderen im Emmental. Hier werden seit fünf Jahren auch Gäste bewirtet. Nun ist er als eines der 20 besten Eventlokale ausgezeichnet worden.

Manchmal zahlt sich Mut aus. Nicht, dass sich Simon Langenegger über halsbrecherische Abgründe stürzen würde. Aber etwas Aussergewöhnliches wagen, selber Ideen entwickeln, das reizt ihn. «Nicht jeder kleine Bauernhof ist unwirtschaftlich. Im Gegenteil: Klein sein kann auch eine Chance sein», sagt er. Mit 17 Hektaren ist sein Betrieb, in der flachen Ey, etwas ausserhalb von Langnau, auch im Emmental nur Mittelmass, was die Fläche anbelangt.

Eventlokal im Kuhstall

Nicht Mittelmass aber, wenn es um die Ausrichtung geht. «Wir peilen den sechsten Winter mit dem Gastro- und Eventlokal an, unserem Eystübli»,  meint er ruhig und überlegt. Für seinen Vater sei es sicher nicht einfach gewesen, den in den 1980er-Jahren selber erstellten Kälberstall eigenhändig wieder herauszureissen. Auch wenn er sich nie darüber beklagt habe. Aus dem alten Anbindestall wurde ein Gastroraum.

Nebenan, abgetrennt durch eine Glaswand, kann man den Tieren beim Fressen zuschauen. Das habe er in Österreich gesehen, sagt der zweifache Familienvater und Marketingplaner. An maximal 100 Tagen kann er nun  je 50 Gäste bewirten. Als sicherer Wert gelten die rund 18 Heimspiele des SCL Tigers. «Da bieten wir als Auftakt vor jedem Spiel ein Match-Fondue an», erklärt er, der früher selber aktiver Hockeyaner gewesen ist. Fondue und Raclette aus der nahen Käserei sind denn auch am beliebtesten. «Für aufwendige Menus hat unsere Küche zu wenig Kapazität.»

Mit Preis ausgezeichnet

Wie ist es zur Auszeichnung mit dem Swiss Location Award 2019 gekommen? «Einer unserer Gäste macht bei der Organisation mit, die den Award vergibt. Er stellte seine Erlebnisse online und nominierte unser Eystübli.» Eine unabhängige Fachjury bewertete die 470 vorselektierten Locations der zehn Kategorien. So kam es, dass Langeneggers Lokal auf dem zehnten Rang seiner Kategorie landete.

«Das freut uns, und es ist eine Genugtuung zu sehen, dass wir wohl mehr richtig als falsch gemacht haben», stellt das Paar zufrieden fest. Michelle arbeitet an zwei Tagen als Lehrerin, Simon ist zu 60 Prozent bei Swissherdbook im Verkaufsaussendienst und im Sponsoring tätig. Zuhause können sie auf die Mithilfe von Simons Eltern und auf Helfer bei der Gästebewirtung zählen.

Der Betrieb

Der Hof von Simon und Michelle Langenegger in der Ey, Langnau, umfasst 17 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche, dazu 22 ha Wald. Im letzten Herbst wurde die Milchviehhaltung aufgegeben. Heute stehen knapp 20 Limousintiere im Stall. Neben Kunst- und Naturwiesen werden 165 Aren Silomais und 4,5 ha Getreide angebaut. Der Betrieb wird nach den Richtlinien von IP-Suisse bewirtschaftet. In der Gemeinde Langnau liegt die eigene Rinderalp Kühnihüttli mit 27 Normalstössen, die seit 30 Jahren von der Älplerin Barbara Gerber betreut wird. ral

Label Eybeef

Mit der Umstellung von Milchkühen auf Weidemast haben die beiden ein weiteres Ziel vor Augen: Mit dem Label Eybeef, das für qualitativ gutes und nachhaltiges Rindfleisch steht, welches mit betriebseigenem Futter und maximalem Tierwohl für eine bewusste Kundschaft produziert wird, wollen sie ein weiteres Geschäftsfeld aufbauen. Damit ein kleiner Betrieb wie der Eyhof mehr Wertschöpfung generieren und behalten kann.

«Wenn die Gäste zu uns kommen, eröffnet sich die Gelegenheit, sich mit ihnen über die Landwirtschaft, ihre Herausforderung und über die regionale Produktion auszutauschen. Dazu muss man gerne bereit sein», so ihre Erfahrung. «Andererseits muss ich wissen, was ich nicht kann. Als Betriebsleiter  soll ich auf Bestehendem aufbauen, das tun, was mir Freude bereitet», betont Simon Langenegger.

Andere Strategie statt Traktor

Er, der auch gerne unterwegs ist und seine Tätigkeit im Verkauf nicht als ein Müssen, sondern als etwas, das Freude macht, empfindet. Auch wenn er auf die produzierenden Bauern eine innerlandwirtschaftliche Zerreissprobe zukommen sieht. «Alle sprechen vom Wachsenmüssen. Aber Wachsen ist in der Schweiz so extrem teuer, dass viele sich das eigentlich gar nicht leisten könnten», ist er überzeugt.

Statt in einen neuen, noch grösseren Traktor habe er in eine andere Strategie investiert. Er sei laufend daran, Bestehendes zu optimieren, zu rechnen, bevor neue Ideen umgesetzt würden. Dass es aber zum Erfolg führt, dafür ist auch ein Location-Award keine Garantie.

Hier gehts zur Website: -> www.eystuebli.ch

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE