18.04.2019 10:32
Quelle: schweizerbauer.ch - Lucas Huber
Organisationen
Knospe-Importe: Kein Flugverbot
Es läuft rund im Hause Bio Suisse: Das Wachstum ist ungebremst, und die Überarbeitung der Richtlinien punkto importierter Knospe-Produkte findet Zustimmung.

Es ist ihnen nicht zu verübeln, dass sie mit Zahlen nur so um sich hauen. Schliesslich schreitet Bio Suisse von Erfolg zu Erfolg. 6719 landwirtschaftliche Betriebe bewirtschaften nach den Richtlinien von Bio Suisse 15,4 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche der Schweiz. 56 Prozent der Bevölkerung kaufen täglich oder zumindest mehrmals wöchentlich ihre Produkte.

Zehn-Prozent-Marke 

Das führt zu einem Umsatz von Bio-Lebensmittel von 3,07 Milliarden Franken im vergangenen Jahr, was einem Pro-Kopf-Umsatz von 360 Franken entspricht. Der Bio-Anteil am Lebensmittelmarkt liegt derweil bei 9,9 Prozent. Und er wächst, wie auch alle anderen Zahlen wachsen.

«Und dieses Jahr werden wir die Zehn-Prozent-Marke knacken.» Das versprach Präsident Urs Brändli anlässlich der Delegiertenversammlung von Bio Suisse am Mittwoch in Olten. Und das müssen sie auch, wenn sie ihre Ziele von 15 Prozent Bio-Anteil und 25 Prozent biologisch bewirtschafteter Betriebe bis 2025 erreichen wollen. «Wir müssen hart arbeiten. Aber wenn jeder seinen Teil dazu beiträgt, kommt’s gut», motivierte Geschäftsführer Balz Strasser die 92 anwesenden Delegierten.

Richtlinien überarbeitet

Nach Anlaufschwierigkeiten scheint es auch in Sachen Importrichtlinien gut zu kommen. Bio Suisse zertifiziert eine Reihe importierter Produkte, die ihren Richtlinien entsprechen, keine Schweizer Produkte konkurrieren und dem Image der Knospe nicht schaden. Kaffee aus Peru, Kakao aus Madagaskar, Tomaten aus Italien.

2017 hat das für die Zertifizierung zuständige Qualitätsgremium Wein aus Übersee zugelassen, ein No-Go, wie Bio Genève befand und eine Überarbeitung der geltenden Richtlinien forderte. Denn überhaupt seien Entscheide nicht immer nachvollziehbar und transparent gefällt worden.

Ab 2020

Nun ist diese Überarbeitung zwar noch in vollem Gang, allerdings schon ziemlich weit gediehen. So weit, dass das Geschäft den Delegierten vorgelegt wurde. Sie stimmten zu. Die überarbeiteten «Richtlinien für Betriebe im Ausland und importierte Produkte» tritt damit per 2020 in Kraft. Nicht zugelassen sind laut diesem etwa vollständig im Ausland verarbeitete Produkte sowie Frischeprodukte aus Übersee, sofern diese aus klimatischen Gründen nicht oder nicht in genügender Menge in Europa angebaut werden können. Ein Flugverbot gibt es allerdings nicht.

Ausserdem werden die Importziele ergänzt, eine Produkteliste ist online einsehbar, und ein Kriterienkatalog ist in Ausarbeitung. Er soll dereinst die Beurteilung der Knospe-Vergabe an importierte Produkte ermöglichen. Schliesslich wird das Qualitätsgremium auf Antrag von Biofarm und Bio Ostschweiz aufgestockt.

Nicht mehr Projektbeiträge

Einen weiteren Antrag hatte das Bioforum Schweiz eingereicht. Es beantragte, den Verteilschlüssel der Fördergelder, die der Stärkung der Mitgliederorganisationen zufliessen, anzupassen und so einen Teil der Pauschalbeiträge in Projektbeiträge umzulagern. Schliesslich, so hiess es im Antrag, sei Bio Suisse eine Non-Profit-Organisation, die eher Projekte zweckgebunden fördern als Gelder ungebunden verteilen solle. Die Versammlung lehnte den Antrag deutlich ab.

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