15.05.2020 09:23
Quelle: schweizerbauer.ch - awp
Konjunktur
KOF rechnet mit tiefer Rezession
Das Coronavirus wird die Schweizer Wirtschaft sehr hart treffen. Gleichzeitig werden die Ausgaben für Sozialversicherungen stark ansteigen und die Steuereinnahmen einbrechen.

Konkret rechnet die Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich mit einem Absturz des Bruttoinlandproduktes (BIP) im laufenden Jahr um 5,5 Prozent. Bei ihrer letzten Einschätzung vor acht Wochen war die KOF noch von einem kleinen Wachstum von 0,3 Prozent ausgegangen.

2021 dürfte sich die Schweizer Wirtschaft dann wieder um 5,4 Prozent erholen, teilte die KOF am Freitag mit. Mit ihrer Prognose befindet sie sich in guter Gesellschaft. Zuletzt hatten die Ökonomen des Bundes einen Rückgang der Wirtschaftsleitung um 6,7 Prozent und die Konjunkturforscher von BAK Economics um 5,3 Prozent vorhergesagt.

Erholung ab Sommer

Im Gegensatz zu früheren Rezessionen, unter denen vor allem die Exportwirtschaft gelitten habe, seien diesmal auch binnenorientierte Sektoren stark betroffen, betonte die KOF am Freitag. Dies betreffe insbesondere die Dienstleistungen wie das Gastgewerbe. Denn die steigende Zahl an Coronavirus-Erkrankungen hatte Mitte März einschneidende Einschnitte in die Wirtschaftstätigkeit nötig gemacht. Die vom Bund zur Verfügung gestellten Soforthilfen hätten zwar Einkommensausfälle verhindert oder verringert, kaum aber die entsprechenden Produktionsausfälle.

Insbesondere im zweiten Quartal 2020 sei mit einem massiven Einbruch der Wertschöpfung zu rechnen, erklärten die KOF-Experten. Diese veranschlagen den BIP-Rückgang für die Monate April bis Juni auf «beinahe 10 Prozent». Durch die inzwischen gelockerten Schutzmassnahmen dürfte sich die Wirtschaft im Sommer dann wieder erholen.

Spuren am Arbeitsmarkt

Am Arbeitsmarkt wird die Krise ebenfalls deutliche Spuren hinterlassen: Die durchschnittliche Arbeitslosenquote dürfte bis Ende Jahr 4,7 Prozent erreichen und im Jahresdurchschnitt bei 3,8 Prozent liegen. Im nächsten Jahr rechnet die KOF gar mit einer durchschnittlichen Arbeitslosenquote von 4,3 Prozent. Zum Vergleich: 2019 lag die Arbeitslosenquote im Jahresmittel bei 2,3 Prozent.

Die steigenden Arbeitslosenzahlen und Kurzarbeitsentschädigungen werden gleichzeitig die Kosten der Arbeitslosenversicherung in diesem Jahr um 20 Milliarden Franken in die Höhe treiben. Auf der anderen Seite rechnet die KOF mit Mindereinnahmen von einer Milliarde durch geringere Lohnbeiträge.

Auch die Steuereinnahmen werden teilweise deutlich tiefer ausfallen, warnen die KOF-Experten. Insgesamt müssten Bund, Gemeinden und Kantone aufgrund der negativen wirtschaftlichen Entwicklung mit einem Rückgang der Steuereinnahmen um mehr als 25 Milliarden Franken rechnen.

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