28.07.2013 08:10
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Etter
Raumplanung
Kulturland muss für vieles hinhalten
Gute Ackerböden sind über Jahrmillionen gewachsen. Nicht selten fallen sie der Bautätigkeit zum Opfer. Und sind sie als Fruchtfolgefläche geschützt, werden sie abtransportiert und anderorts ausgebracht.

Als vor vielen, vielen Jahren die Menschen in der Schweiz sesshaft wurden, achteten sie bei der Standortwahl ihres Hauses, ihrer Dörfer in erster Linie auf drei Punkte: Wo sind wir sicher? Wo gibt es Wasser? Und wo hat es Nahrung?

Schweiz verliert 7,5 ha Ackerfläche täglich

Anhand dieser Kriterien kamen die Siedlungen meistens in Fluss- oder Seenähe auf guten Ackerböden zu liegen. Auf relativ engem Raum entwickelten sich über Jahre Haus an Haus, und es entstanden die Städte. Heute würde man diese Bauweise als «verdichtet» bezeichnen. Nach und nach ging der technische Fortschritt voran, die Mobilität steigerte sich, und der Siedlungsbrei frass sich in weite Teile des Mittellandes.

So wird in der Schweiz aktuell Sekunde für Sekunde 1,3m2 Boden verbetoniert. Der Trend geht zwar hin zu verdichtetem Bauen  – zumindest auf dem Papier. Doch verliert die Schweiz täglich rund 7,5 Hektaren  beste Ackerflächen, sogenannte Fruchtfolgeflächen (FFF).

FFF werden verlegt

Da der Bund den einzelnen Kantonen individuelle Mindestkontingente an FFF vorschreibt, diese aber in vielen Fällen nur noch bedingt eingehalten werden, behindern diese deren Entwicklung. Denn die Kantone streben insbesondere in den Agglomerationen der Grossstädte und an Verkehrsknotenpunkten ein flächenmässiges Siedlungswachstum an. Dies ist entlang der Autobahn Zürich–Bern oder rund um die beiden Städte anhand der Bautätigkeit unschwer zu erkennen.

Auch liebäugelt das Eidgenössisches Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung mit zwei sogenannten Innovationsparks. Der eine sollte in der Region Zürich und der andere in der Region Lausanne entstehen. Ein Innovationspark soll eine Fläche von rund 50 Hektaren umfassen und verschiedenen Unternehmen Platz bieten.

Da die FFF dort liegen, wo die Kantone gerne bauen möchten, ist man nun bestrebt, diese zu verlegen. Von Kompensation der FFF ist in diesem Fall die Rede. Das bedeutet nichts anderes, als dass dort wo gebaut wird, das Aushubmaterial (Humus und Teile des Unterbodens) auf Lastwagen geladen und andernorts auf einem schlechteren Ackerboden ausgebracht werden. So entsteht ein künstlich hergestellter Ackerboden.

Produktion schwindet

Dies ist sowohl aus Sicht der Versorgungssicherheit wie auch aus landwirtschaftlicher Sicht höchst bedenklich. Ein jeder Bodenkundler weiss, dass ein durch Menschenhand hergestellter Boden nie so gut ist, wie einer, der natürlich gewachsen ist. Dazu kommt, dass so die Kulturlandfläche ungebremst abnimmt. Der Druck, haushälterischer mit dem Boden umzugehen, das Siedlungsgebiet zu verdichten, wird ausgehebelt.

Und nicht zuletzt nimmt das Nahrungsmittelproduktionspotenzial der Schweiz ab. Schliesslich wurde auf den aufzuwertenden Flächen bereits vorher produziert. Auch ist es ökonomisch und ökologisch bedenklich, werden bei der Aufwertung von Kulturlandböden doch Unmengen von Diesel verbrannt und es kostet viel Geld.

Für Öko-Projekte bluten

Nicht nur durch die Bautätigkeit, sondern auch durch Ökologisierungsmassnahmen kommt das Kulturland unter Druck. Entlang von Gewässern müssen sogenannte Gewässerräume ausgeschieden werden. Geplant sind zudem, dass in den nächsten Jahren etwa 2000 Hektaren durch Renaturierungsmassnahmen von Gewässern zerstört werden. Kulturland, das vorwiegend hervorragende Qualität aufweist und im Mittelland liegt.

Jüngst sorgen auch Ökomassnahmen, welche als Bedingung an Baubewilligungen oder Einzonungen geknüpft sind, für Schlagzeilen. So darf etwa der Flughafen Zürich nur ausgebaut werden, wenn er sich verpflichtet, auf 100 Hektaren Naturschutzprojekte umzusetzen. Projekte, die laut dem Zürcher Bauernverband auf landwirtschaftlichem Kulturland Platz finden sollen. 

Fruchtfolgefläche

Die Fruchtfolgeflächen (FFF) sind Teil der für die Landwirtschaft geeigneten Gebiete; sie umfassen ackerfähiges Kulturland, vorab Ackerland und Kunstwiesen in Rotation, sowie ackerfähige Naturwiesen. Sie sind mit Blick auf die klimatischen Verhältnisse, die Beschaffenheit des Bodens und die Geländeform zu bestimmen. FFF sind der agronomisch besonders wertvolle Teil des für die landwirtschaftliche Nutzung geeigneten Kulturlandes. Gemäss Bund gelten Böden mit der Nutzungseignungsklasse (NEK) 1–5 als FFF, jene mit NEK 6 nur als bedingt geeignet. det

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