30.07.2013 06:15
Quelle: schweizerbauer.ch - Hans-Peter Widmer
Aargau
Kulturland weg - Preis für Wachstum
Im entwicklungsfreudigen Aargau ist der Verlust von Kulturland zum politischen Thema geworden.

Mehrere Male befasste sich der aargauische Grosse Rat in den letzten Monaten mit Revisionen des kantonalen Richtplans, bei denen es um Zweckänderungen für Kulturland ging, namentlich zur Erweiterung von Bauzonen sowie für Strassenprojekte wie die Umfahrungen Brugg, Sins und Zurzach, aber auch für neue Kiesabbaugebiete, Hochwasserschutzmassnahmen und Durchgangsplätze für Fahrende. Im Rahmen dieser Entscheide wurde der Verlust von landwirtschaftlichem Boden zu einem politischen Thema.

Grosser Landhunger

Unzählige Baukräne landauf, landab markieren eine anhaltende dynamische Entwicklung im Aargau und den steigenden Baulandverbrauch. Ein Siebtel der 140'385 ha grossen Kantonsfläche ist als Bauland ausgeschieden, und von diesen 20'470 ha sind 86 Prozent überbaut. Seit 1999 wuchs die überbaute Fläche im Durchschnitt um 139 ha pro Jahr – Tendenz steigend –, was dem Verbrauch von einem Quadratmeter alle 23 Sekunden entspricht.

Rund 2900 ha Bauzonen sind noch nicht überbaut; zum Teil sind sie auch noch nicht erschlossen und dienen als langfristige Baugebietsreserven. Laut der kantonalen Bevölkerungsprognose soll die Aargauer Einwohnerzahl in den nächsten 15 Jahren von gegenwärtig 627'900 um weitere 80'000 auf über 700'000 Personen wachsen, nachdem sie sich schon in den letzten 12 Jahren um 80'000 Bewohner vergrösserte.

Bauland am falschen Ort

Bei der kantonalen Abteilung Raumentwicklung nimmt man an, dass die noch verfügbaren Bauzonen für das erwartete Wachstum bis ins Jahr 2026 ausreichen. Aber ihre räumliche Verteilung entspricht nicht der gewünschten Entwicklung. In einigen Ortschaften mit zentralörtlicher Bedeutung – die im Sinne einer verstärkten Siedlungskonzentration als Entwicklungsschwerpunkte gelten – sind die Baulandreserven eher knapp.

So liegen etwa Anträge zur Vergrösserung von Siedlungsgebieten in Wohlen, Baden und Sins vor; sie haben die Reduktion von 14,5 ha, 10 ha und 8 ha Fruchtfolgeflächen zur Folge. An allen drei Orten ist das rechtskräftig ausgeschiedene Bauland zu 90 bis 97 Prozent überbaut. Die grossflächige Freiämter Landgemeinde Sins, die in den letzten Jahren in den Sog der Zentren Zug, Luzern und Zürich geriet, ist ein schlagendes Beispiel für einen Bauboom sondergleichen.

Problem thematisiert

Neben mehreren Vorstössen im Kantonsparlament, die das Thema Kulturlandverlust aus verschiedenen Aspekten thematisierten – unter anderem wurde ein gesetzliches Verbot für Einzonungen von Fruchtfolgeflächen ohne flächengleiche Kompensation gefordert, was die Regierung aber ablehnte –  schaltete sich auch der Bauernverband Aargau (BVA) wiederholt in diese Diskussion ein und bildete eine Arbeitsgruppe mit bäuerlichen Grossräten aus SVP, CVP, FDP und Grünen, um Massnahmen zum Kulturlandschutz zu entwickeln.

Im Aargau sind heute noch 40'652 ha Fruchtfolgeflächen ausgewiesen. Der Verbrauch der letzten Jahre zeige, dass die dauernde Sicherung des vom Bund vorgegebenen Mindestumfangs von 40'000 ha ohne konsequentes Handeln nicht möglich sei, betonte der Bauernverbandsvorstand nach seiner jüngsten Sitzung. Er unterstrich, dass er neuen Einzonungen kritisch, aber nicht allen Anpassungen ablehnend gegenüber stehe. So widersetzte er sich beispielsweise der Arealerweiterung einer Recyclingfirma nicht.

Der neue ABV-Präsident Alois Huber und der Geschäftsführer Ralf Bucher verlangten sodann in einer Motion, dass die üblichen 3 Prozent der Bausumme bei Strassenprojekten nicht nur in ökologische Ausgleichsmassnahmen investiert, sondern alternativ auch für die Aufwertung oder Schaffung von Fruchtfolgeflächen verwendet werden sollten.

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