11.02.2016 10:12
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Milchmarkt
Lactofama hat im Ausland verbuttern lassen
Die Lactofama hat Milch, beziehungsweise Rahm im Ausland verarbeiten lassen. Das zeigen Recherchen des «Schweizer Bauer».

Die Verarbeitung von Milch im Ausland ist deutlich billiger als in der Schweiz. Deshalb wurde die Forderung an die Lactofama AG laut, Milch im Rahmen der Marktabräumung im Ausland verarbeiten zu lassen.

Gemäss Aktionärsbericht hat der Schweizer Milchverarbeiter Hochdorf für die Lactofama 2000 Tonnen Rahm exportiert und im Ausland verbuttern lassen. Hat Hochdorf diesen Rahm zu EU-Verarbeitungspreisen und nicht zu den wesentlich höheren Schweizer Kosten verarbeitet? «Der Rahm wurde von verschiedenen Unternehmen in der EU zu EU-Verarbeitungskosten zu Butter verarbeitet», sagt Hochdorf-Sprecher Christoph Hug auf Anfrage. 

Er fügt an, dass Hochdorf kein Geld über den Rohstoffpreisausgleich via Schoggigesetz erhalten habe: «Nein. Rahm in unverarbeiteter Form ist  per Definition nicht ausfuhrbeitragsberechtigt.» Dieser Sachverhalt wird auch von der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) auf Anfrage bestätigt: «Ausgeführter unverarbeiteter Rahm ist nicht ausfuhrbeitragsberechtigt nach Schoggigesetz.»

Bei einer Verarbeitung im günstigeren Ausland sollte die Lactofama AG und damit letztendlich auch die Schweizer Milchbauern Geld sparen können. «Es gehört zu unserem Auftrag, dass wir die finanziellen Mittel optimal und zeitgerecht einsetzen», sagt Stephan Hagenbuch, stellvertretender Geschäftsführer der Schweizer Milchproduzenten (SMP), auf eine entsprechende Frage.

Da es offenbar möglich ist, im Ausland Milch verarbeiten zu lassen, stellt sich die Frage, warum nicht alle abgeräumte Milch im Ausland zu günstigeren Kosten verbuttert wird? «Die Entscheide von Lactofama sind das Ergebnis verschiedenster Einflussfaktoren», so Hagenbuchs Antwort.

Kritik bleibt

Trotz tieferen Kosten dank Verarbeitung im Ausland findet BIG-M-Präsident Martin Haab die Abräumung durch die Lactofama erst recht fragwürdig: «Nicht einmal das einheimische Gewerbe hat also was von der billigen Milch. Deshalb müsste man nun alles daran setzen, dass diese Milch gar nicht erst gemolken wird», betont er (siehe auch links). sam

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