1.02.2013 15:16
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Solothurn
Längere Flughafenpiste oder landwirtschaftliche Produktion?
Nicht nur am Flughafen Zürich-Kloten werden Pläne für einen Flughafenausbau geschmiedet, sondern auch im beschaulichen Grenchen SO. Die betroffenen Bauern setzen sich aber gegen eine Verlängerung der Flugpiste zur Wehr.

Am Jurasüdfuss brodelt es. Der Flughafen Grenchen möchte die Flugpiste um 450 Meter gegen Westen (in Richtung Biel) verlängern. Grund des Ausbaus: Mit einer Gesamtlänge von 1450 Meter könnte der Status Quo bei den Geschäftsflügen auf dem kleinen Regionalflughafen gehalten werden, schreibt die „Solothurner Zeitung“ am vergangenen Dienstag. Unterstützung erhält dieser auch von der Solothurner Regierung. Der Flughafen hat eine wichtige Funktion für die in der Region stark ausgeprägte Uhrenindustrie inne. Die Stadt Grenchen hat gut 16'000 Einwohner, in der näheren Umgebung wohnen weitere 30'000 Menschen.

Zwei Varianten einer neuen Strasse

Doch ein Ausbau verursacht immer Verlierer. Und diese setzen sich zur Wehr. Die Landwirtschaftliche Beratungsgruppe Grenchen-Staad befürchtet einen markanten Kulturland- und Einkommensverlust. „Der Ausbau bringt für die Landwirtschaft etliche Nachteile“, sagt deren Chef Thomas Marti gegenüber der „Solothurner Zeitung“.

Durch die Verlängerung gegen Westen muss der Verkehr neu geführt werden. Es gibt zwei Varianten: Eine Strassenführung mit Untertunnelung der Piste, verbunden mit einem geringeren Landverlust. Die zweite Variante hingegen schlägt eine Umfahrung vor. Diese würde auch die nationale und kantonale Schutzzone Witi führen. Claude Barbey, Stadtbaumeister von Grenchen, räumt dieser Variante aber wenige Chancen ein.

Frage der Entschädigung respektive Realersatz ungelöst

Thomas Marti sieht hinter den verschiedenen Varianten ein taktisches Manöver. Dieses soll von der Grundsatzdiskussion ablenken, ob man überhaupt eine Pistenverlängerung will oder nicht.

Für die Bauern wäre eine Verlängerung zudem gravierend, weil das von einer Überbauung betroffene Land mehrheitlich Pachtland ist. Reserven gibt es keine mehr, die Landwirte müssten einen schmerzlichen Landverlust hinnehmen. „Da stellt sich die Existenzfrage“, folgert Marti. Denn wer die Landwirte entschädigt oder woher Realersatz kommen soll, sei ungelöst. Dies bestätigen auch die Baudirektion und Bürgergemeinde Grenchen.

Aber das ist noch nicht alles. Da ein nationales Schutzgebiet durch den Pistenbau massiv tangiert würde, müssten hier Gegenmassnahmen ergriffen werden. Sprich, die verloren gegangnen Flächen müssten neu ausgeschieden werden. Und dies wieder auf Kosten von Landwirtschaftsland. Zusätzliche Emissionen wie Lärm würden noch dazu kommen, hebt Marti hervor.

Bauern wollen mitreden können

Marti und seine Kollegen wollen bei der Planung mitreden können. „Alles spricht von einem übergeordneten Interesse, das Interesse der Bauern hingegen scheint keine Rolle zu spielen. Wir möchten aber auch Forderungen stellen und Vorschläge einbringen können“, macht der Beratungsgruppenchef Thomas Marti klar.

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