16.01.2013 18:03
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Etter
Milchmarkt
Landet Käse im Schweinetrog?
Dass Schweizer Magerkäse im Ausland als billiger Rohstoff für Analogkäse Verwendung findet, ist kaum zu glauben. Doch die Verkäsungszulage und die Fettstützung machen dies möglich. Ob die Bauern davon profitieren?

Im Juli letzten Jahres berichtete der «Schweizer Bauer», dass durch Gehaltsbezahlung, Verkäsungszulage und den Marktentlastungsfonds der Branchenorganisation Milch (BOM) die eingelieferte Milch den Verarbeitern bald nichts mehr koste und falsche Anreize setze.

Hartnäckiges Gerücht

Im September  2011 wollte dann Nationalrat Max Binder (SVP, ZH) vom Bundesrat wissen, ob es zutreffe, dass Magerkäse an Tiere verfüttert werde. Der Bundesrat antwortete damals, es seien ihm keine solchen Fälle bekannt. Für Magerkäse für den menschlichen Konsum bestünden im Ausland zudem gute Absatzmöglichkeiten.

Der «Beobachter» nahm nun die Absatzkanäle für Magerkäse genauer unter die Lupe. Zwar kann der Autor keine handfesten Beweise dafür liefern, dass Magerkäse tatsächlich an Schweine verfüttert wird. Doch stelle er fest, dass sich in der Branche das Gerücht hartnäckig halte, die Milcheiweissmasse werde hierzulande an Schweine verfüttert. Milcheiweissmasse daher, weil der Milch vor dem Verkäsen alles Fett entnommen und verwertet wird und der Magerkäse so nur Wasser und Protein enthält.

Rohstoff für Analogkäse

Solcher Magerkäse wird meistens exportiert. In Deutschland diene dieses Schweizer No-Name-Produkt als Rohstoff für künstlichen Käse, sogenannten Analogkäse. Die Eiweissmasse vermische man mit Wasser und Pflanzenfetten. Hinzu kämen Aromastoffe. Die Käse-Imitate gebe es in allen Geschmacksrichtungen, als Edamer, Cheddar, Gorgonzola, Parmesan, Feta, Mozzarella oder sogar als «Swiss Cheese». Letzteres Aroma biete der in Bayern ansässige US-Aromaspezialist Jeneil Bioproducts an, berichtet der «Beobachter».
So entsteht also aus dem mit Bundes- und Bauerngeldern indirekt verbilligten Schweizer Käse ein Analogkäse, ein Käseersatz, der unter Namen wie «Pizzamix» oder «Gastromix» in deutschen Grossverteilern angeboten wird oder auf einer Fertigpizza landet. 
Und in verarbeiteter Form findet der Dumping-Magerkäse nicht selten wieder den Weg in die Schweiz zurück.

Profit für Verarbeiter

Die Beschaffung von billigster Milch für Magerkäse durch eine solche «Kässelipolitik» verschafft den Verarbeitern im In- und Ausland zwar Profit, nicht aber den Milchproduzenten und verzerrt erst noch die Marktverhältnisse.

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