3.01.2019 11:02
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
Agrarwirtschaft
Landwirtschaft ist tragende Stütze
In der einheimischen Landwirtschaft steckt mehr als auf den ersten Blick erkennbar ist. Dies betont der Schweizer Bauernverband (SBV) an seiner Jahresmedienkonferenz, und er fordert mehr Anerkennung der wirtschaftlichen Leistungen der Bauern.

Die Wirtschaft kanzle die Landwirtschaft gerne als unbedeutende Nebensache ab, sagte Francis Egger, Leiter Departement Wirtschaft, Bildung und Internationales beim Bauernverband, laut Redetext am Donnerstag auf einem Hof in Hergiswil bei Willisau LU vor den Medien. Denn gemäss offizieller Statistik trage die Urproduktion 0,6 Prozent zum Bruttoinlandprodukt (BIP) der Schweiz bei.

«Nichts schönzureden»

«Es gibt nichts schönzureden», so Egger. Mit der Landwirtschaft lasse sich nicht das grosse Geld verdienen. Doch die Bauern seien überzeugt: Das BIP sei total ungeeignet, die wirtschaftliche Bedeutung der Landwirtschaft effektiv zu messen. Die urbanen Zentren und die wertschöpfungsstarken Branchen überdeckten die Tatsache, dass es auch sehr ländliche Gebiete gebe, deren Gedeihen stark mit der Landwirtschaft verbunden sei, schreibt der SBV. 

Die Bauernfamilien gäben jährlich rund 6,3 Milliarden Franken aus, die fast eins zu eins im lokalen Gewerbe landeten. Auf der anderen Seite produziere die Landwirtschaft jährlich Lebensmittelrohstoffe und Lebensmittel im Wert von rund 10 Milliarden Franken.

Sichere Arbeitsplätze

Die Branche sichere mit rund 300'000 Stellen zudem acht Prozent aller Arbeitsplätze in der Schweiz und in der Landgemeinde Hergiswil bei Willisau gar mehr als 40 Prozent, so der Bauernverband. Die Landwirtschaft und die Bauernfamilien seien eine tragende Stütze der lokalen Wirtschaft, der örtlichen Infrastruktur und des Dorflebens.

Doch die Landwirtschaft erzeuge nicht nur Lebensmittel, sondern erbringe auch gemeinwirtschaftliche Leistungen, schreibt der SBV und nennt Landschaftspflege, Förderung der Biodiversität oder die Belebung des ländlichen Raums als Beispiele. «Ohne Landwirtschaft wäre die Schweiz ein grosses Waldgebiet», liess sich der Freiburger FDP-Nationalrat und SBV-Direktor Jacques Bourgeois zitieren.

Ohne Preis, aber mit Wert

Für den St. Galler CVP-Nationalrat und Bauernverbandspräsidenten Markus Ritter steht fest: «Wir stehen vor wichtigen politischen Entscheidungen.» Diese bestimmten, in wie weit die Schweizer in Zukunft einheimische Produkte konsumierten und wie wichtig die Schweizer Landwirtschaft in der Wirtschaft von morgen sein würden. Es gehe dabei aber nicht nur um das BIP und das Niveau der Nahrungsmittelproduktion, sagte Ritter. Es gehe auch um Leistungen, die am Markt keinen Preis, aber sehr wohl einen Wert hätten. «Die Landwirtschaft ist mehr wert, als es auf den ersten Blick scheint.» 

Ein Beispiel dafür ist die Offenhaltung und Gestaltung der Landwirtschaft. Für die Grünpflege entlang der Nationalstrassen muss der Bund gemäss offiziellen Angaben des Bundesamts für Strassen 8200 Franken pro Hektare pro Jahr aufwenden. Der Bauernverband überträgt diesen Wert auf die Landwirtschaft. «Rechnet man das für das Mähen von 1.5 Millionen Hektaren Landwirtschaftsfläche hoch und halbiert den Betrag aufgrund des Skaleneffekts, würden jährlich Kosten in der Höhe von rund 6.2 Milliarden Franken entstehen», betont der Verband.


Landwirtschaft vor weiterer Schwächung?

In den kommenden Monaten geht für die Schweizer Landwirtschaft um viel, es werden wichtige politische Weichenstellungen erfolgen. Dazu gehört die Weiterentwicklung der Agrarpolitik, die Revision des Raumplanungsgesetzes für das Bauen ausserhalb der Bauzone, die neue Freihandelsabkommen oder anstehende Volksinitiativen wie «Für sauberes Trinkwasser» oder «Für eine Schweiz ohne synthetischen Pestizide». 

«Alle haben das Potential, die bereits tiefe Wirtschaftlichkeit der Lebensmittelproduktion als Hauptaufgabe der Landwirtschaft und die zukunftsgerichtete Weiterentwicklung der Betriebe empfindlich zu schwächen», hält der Bauernverband fest.

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