8.10.2019 10:34
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/pd
Gesamtrechnung
Landwirtschaft produziert 2019 mehr
2019 dürfte ein gutes Jahr für die Schweizer Landwirtschaft werden: Die Bruttowertschöpfung liegt bei 4,2 Milliarden Franken, 2,1 Prozent höher als im Vorjahr. Unter anderem steigt die Getreideernte. Und die Schweinezucht rentierte dank weniger Schlachtungen besser. Die Produktionskosten nehmen weiter zu.

Die Gesamtproduktion wird sich dieses Jahr in der Schweizer Landwirtschaft auf 11 Milliarden Franken belaufen, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) in einer ersten Einschätzung am Dienstag mitteilte. Das sind fast drei Prozent mehr als 2018.

Die Vorleistungen, beispielsweise für Futtermittel, Energie, Dünger, Unterhalt und Reparaturen, stiegen um 3,4 Prozent und betrugen damit 6,8 Milliarden Franken. Das wird aber den Gewinn nicht auffressen. Die 4,2 Milliarden Franken Wertschöpfung - Unterschied zwischen Produktionswert und Vorleistungen - bedeuten eine Zunahme um 2,1 Prozent.

Sektorales Einkommen steigt um 9%

Das sind gute Nachrichten für die Bauern: Im Sektor Landwirtschaft werden 2019 Einnahmen von 13,9 Milliarden Franken erzielt; die Summe setzt sich zusammen aus Produktionswert, Staatsbeiträgen und Habzinsen. Das sind 2,4 Prozent oder 325 Millionen Franken mehr als 2018. Die Ausgaben für Vorleistungen, Abschreibungen, Löhne, Pachten, Schuldzinsen und Produktionsabgaben stiegen um 2,2 Prozent auf 10,8 Milliarden Franken. Bleiben geschätzte 3,1 Milliarden an Nettounternehmenseinkommen, 2,9 Prozent oder 90 Millionen Franken mehr als im Vorjahr.

Das sektorale Einkommen, das hauptsächlich die Arbeit und das produktive Vermögen (Kapital und Boden) sämtlicher Bauernfamilien in der Schweiz entschädigt, liegt mit 2,9 Milliarden Franken nahezu 9 Prozent über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre. Das Arbeitsvolumen hat wiederum etwas abgenommen bei gleichzeitiger Steigerung der Arbeitsproduktivität. Seit 2000 wird in der Schweizer Landwirtschaft um ein Viertel weniger gearbeitet, dafür effizienter: Die Arbeitsproduktivität stieg in dieser Zeit um 31 Prozent.

Mehr Getreide, weniger Obst

Der Produktionswert des Pflanzenbaus legt gegenüber 2018 um 4,1% zu und dürfte 2019 4,6 Milliarden Franken erreichen. Die Getreideernte wird auf mehr als 950'000 Tonnen geschätzt, was einer Zunahme von 7,9% gegenüber dem von Trockenheit geprägten Vorjahr entspricht. Der Produktionswert beim Getreide wächst um 11,9%. Ebenfalls erholt hat sich die Raufuttererzeugung. Die Vorräte nach dem defizitären Jahr 2018 konnten wieder hergestellt werden.

Im Weinbau sind gute Ernten zu erwarten, wenn auch unterhalb des aussergewöhnlichen quantitativen und qualitativen Niveaus des Erfolgsjahrs 2018. Die grossen Vorräte und die Weinimporte erhöhen jedoch den Preisdruck. Im Obstbau fällt der Produktionswert im Vergleich zum hervorragenden Jahr 2018 um 11,2% tiefer aus.

Schweinmarkt erholt sich, Geflügel verlangsamt

Die tierische Produktion nimmt im Jahr 2019 gegenüber dem Vorjahr um 2,2% zu und dürfte einen Betrag von 5,2 Milliarden Franken erreichen. Der Wert der Milchproduktion ist stabil bei nahezu 2,2 Milliarden Franken (+0,1%), wobei sowohl der Durchschnittspreis (+0,3%) als auch die gelieferten Mengen (–0,2%) auf Vorjahresniveau bleiben. Die Nachfrage nach Schlachtrinder bleibt hoch, während das Preisniveau für Kälber im Vergleich zu 2018 sinkt. Insgesamt hält sich der Wert der Rindviehproduktion gemäss BFS auf dem Niveau von 2018 (1,4 Mrd. Franken, +0,1%).

Die Situation auf dem Schweinemarkt hat sich in diesem Jahr verbessert. Der erneute Rückgang der Schlachtungen führt zu einer signifikanten Erhöhung des Durchschnittspreises für Schweine um 17,6%. Dadurch steigt der Wert der Schweineproduktion um 13,1% auf rund 1 Milliarden Franken. Demgegenüber verlangsamt sich der in den vergangenen Jahren beobachtete Aufschwung der Geflügelproduktion und erreicht 2019 einen Produktionswert von 0,6 Milliarden Franken (+1,1%). Die Eierproduktion nimmt weiter zu (Produktionswert +2,9%), während beim Mastgeflügel eine Abschwächung festzustellen ist (–0,4%).

Direktzahlungen wichtiger Einkommensbestandteil 

Die schrittweise Öffnung der Agrarmärkte in den 1990er-Jahren führte zur Einführung von Direktzahlungen, die ab 1999 verallgemeinert und 2014 neu ausgerichtet wurden. Seit zwei Jahrzehnten dienen die an die Landwirtschaftsbetriebe ausbezahlten Beiträge insbesondere dazu, Leistungen von allgemeinem Interesse zu vergüten. Nach ersten, auf den Voranschlag des Bundes gestützten Schätzungen nehmen die Direktzahlungen gegenüber 2018 um 0,4% zu. Mit nahezu 3 Milliarden Franken machen diese Beiträge 2019 über 21% der Gesamtressourcen des Schweizer Agrarsektors aus und bilden damit einen wichtigen Bestandteil des sektoralen Einkommens.

Produktionskosten steigen

2019 steigen die Produktionskosten (Vorleistungen, Abschreibungen, Löhne, Pachten, Schuldzinsen und Produktionsabgaben) gegenüber 2018 um 2,2% an. Die Zunahme der Vorleistungen (6,8 Mrd. Franken; +3,4%) ist auf unterschiedliche Entwicklungen zurückzuführen. Die von den Landwirtschaftsbetrieben für die Vermarktung von landwirtschaftlichen Produkten wie Mostobst, Getreide und Milch bezahlten Rückbehalte haben stark zugenommen. Sie werden insbesondere von den Begleitmassnahmen zur Aufhebung der Ausfuhrbeiträge für landwirtschaftliche Verarbeitungsprodukte (Anpassung des «Schoggigesetzes») beeinflusst. 

Während die Preise für Düngemittel einen Anstieg verbuchen, sind die Ausgaben für Futtermittel gesunken, was auf die besseren Futterernten und die rückläufige Anzahl Mastschweine zurückzuführen ist. Die Abschreibungen (2,0 Mrd. Franken, +0,3%) und die Löhne für die Angestellten (1,3 Mrd. Franken, +0,2%) sind stabil geblieben. Die Pachten steigen derweil weiter an (0,3 Mrd. Franken, +4,2%), was der zunehmenden Durchschnittsgrösse der Landwirtschaftsbetriebe und der laufenden Anpassung der Mieten für landwirtschaftliche Grundstücke zuzuschreiben ist.

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